Dekanatssynode stellt Weichen für Zukunft der Region

48 Kirchengemeinden bilden Kooperationsräume

DEKANAT Angelburg-Gönnern / Dekanat. Die 48 Kirchengemeinden des Evangelischen Dekanats Biedenkopf-Gladenbach werden sich in den kommenden Jahren zu sogenannten Kooperationsräumen zusammenschließen. Nur so könne die evangelische Kirche künftig bei weniger Gemeindemitgliedern handlungsfähig und nahe bei den Menschen bleiben, erklärten Dekan Andreas Friedrich und Präses Roland Hartmann am Samstag in Gönnern, wo die Dekanatssynode tagte.

Friedrich ermutigte die rund 70 anwesenden Gemeindevertreterinnen und Gemeindevertreter, die etwa acht geplanten Kooperationsräume als Chance zu sehen und sie aktiv mitzugestalten. Dazu gebe es im Januar und Februar 2018 Gespräche zwischen dem Dekanatssynodalvorstand und allen Kirchenvorständen, kündigte er an. In den Kooperationsräumen würden die Pfarrstellen nicht mehr nur einer Gemeinde, sondern eben dem jeweiligen Kooperationsraum zugeordnet werden, hatte er zuvor erläutert: „Mehrere Pfarrerinnen und Pfarrer verantworten gemeinsam die Arbeit in mehreren Gemeinden.“ Das bedeute Chancen für die Aufgabenverteilung, bündele die Kräfte und eröffne neue Möglichkeiten: „Gemeinsam entstehen Freiräume für neue Wege zu den Menschen, die wir dringend brauchen“, sagte Friedrich. Nur gemeinsam werde man zudem Pfarrstellen so beschreiben können, dass sie auch in Zeiten knapper Bewerber noch besetzbar seien.

„Wir brauchen regionale Zusammenarbeit, gegenseitige Ergänzung und Entlastung!“ Dekan Andreas Friedrich stellte der Synode die Vorteile des gemeinsamen Arbeitens in sogenannten Kooperationsräumen vor. (Foto: Kordesch/eöa)

Der Dekanatssynodalvorstand habe sich intensiv mit den anstehenden Herausforderungen befasst und sehe keine Alternative. Schon jetzt werde es für die durchschnittliche einzelne Gemeinde immer unmöglicher, Konfirmandengruppen in ausreichender Größe, Chöre, Kindergruppen und Gesprächskreise aufrecht zu erhalten – das geschehe teils heute schon gemeindeübergreifend. „Das wird oft die Alternative sein: Es gibt einen gemeinsamen Jugendkreis oder es gibt keinen Jugendkreis mehr!“, machte der Dekan bewusst. „Wir brauchen regionale Zusammenarbeit, gegenseitige Ergänzung und Entlastung“, betonte er: „Und wir brauchen die Erfahrung: Gerade gemeinsam sind wir stark!“

Der Dekanatssynodalvorstand hat sich eingehend mit den anstehenden Herausforderungen befasst und sieht keine Alternative zu den Kooperationsräumen. (Foto: Kordesch/eöa)

Abhängig von der zurückgehenden Zahl der Gemeindemitglieder müssten nach dem Beschluss der EKHN-Kirchensynode im Dekanat zum Jahresende 2019 zwei Pfarrstellen, zum Jahresende 2024 dann wieder zwei bis drei abgebaut werden, kündigte Friedrich an. Dabei solle der bisherige Schlüssel „eine Pfarrstelle auf rund 1600 Gemeindeglieder“ in etwa gehalten werden. Mit den Kooperationsräumen könne man dies verträglich gestalten, zumal man mit der derzeit im Entstehen befindlichen Konzeption für den Gemeindepädagogischen Dienst auch versuche, die Gemeindepädagogen gerecht verteilt in den Nachbarschaftsräumen einzusetzen.

Roland Hartmann als Vorsitzender des Dekanatssynodalvorstands ermutigte die Synodalen zu Visionen für die Kirche und den Blick nach vorne. (Foto: Kordesch/eöa)

Präses Roland Hartmann hatte zuvor die rund 90 anwesenden Synodalen und Gäste dazu ermutigt, sich auf die Vision von Kirche einzulassen. „Eine Organisation wie unsere Kirche wird dann alt und schwach, wenn sie keine Visionen mehr hat und ihr die Sicht nach vorne verloren gegangen ist“, rief er den Zuhörern in Anlehnung an einen Vortrag von Paul M. Zulehner zu: „Sind wir jung oder sind wir das Altersheim der Protestanten in unserer Region?“ Wichtig bei dem anstehenden Prozess sei der achtsame Umgang der Gemeinden miteinander: „Wir müssen den Blick öffnen zum anderen hin und fragen: Kann meine Nachbargemeinde neben mir wachsen?“, appellierte der Präses an die Synodalen.

Welche Bedingungen müssen für das Funktionieren der Kooperationsräume erfüllt sein? Und welche Chancen bringen sie? Darüber berieten die Synodalen in Tischgruppen. (Foto: Kordesch/eöa)

Außerdem müsse man sich immer wieder die Frage stellen, wie Gott als der Herr der Kirche mit unserem Dekanat weiter voran komme und wozu er die Menschen als Berufene brauche. „Er hat schon alles in unser Dekanat gegeben, was es braucht, damit er weiterkommt“, machte Hartmann bewusst. „Aber wir müssen eine Vorstellung davon haben, eine Vision, dass Gott uns braucht. Jeden in seiner Gemeinde und uns alle im Dekanat, das neue Wege der gemeinsamen Arbeit suchen muss.“ Alle müssten künftig „gemeinsam daran arbeiten, was für unsere Region, für unser Dekanat wichtig ist“, unterstrich Hartmann.

Die Anregung, mit einem Antrag an die Kirchensynode eine Abschwächung der Pfarrstellenbemessung zu erreichen, wurde nicht aufgegriffen: Der Niederweidbacher Pfarrer Dr. Frank W. Rudolph als Mitglied der Kirchensynode entgegnete, die entsprechenden Beschlüsse seien vertretbar. Die Kirchensynode werde nach eingehenden Beratungen und mit großer Gewissenhaftigkeit entscheiden. (klk/eöa)

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