Chronik der Kirchengemeinde Simmersbach

Die Kirche in Simmersbach und im Breidenbacher Grund

Die ältesten Kirchen unserer Gegend, die urkundlich erwähnt werden, sind die Kirchen von Breidenbach und Haiger. Aus einer Urkunde aus dem Jahre 913 geht hervor, dass Gunbald, ein Priester des Münsters Wilinaburg (Weilburg), sein Eigentum
und 42 Leibeigene in Breidenbach und Gladenbach (Kleingladenbach) gegen die Kirche Breidenbach (in villa Breydenbach, in paga pernaffa) tauschte. Die Kirche in Breidenbach war damals der kirchliche Mittelpunkt des Gaues Pernaffe und hat, da der Perfgau sich bis an die Dietzhölze erstreckte, auch Mandeln und Eibelshausen kirchlich betreut.

In einer 1776 in Wetzlar erschienen Schrift von Ludwig Cordes über das Archidiakonat1 Dietkirchen2 sind die alten Ortsverzeichnisse der Rural Kapitel3 veröffentlich worden. Das Dekanat Breidenbach gehörte zum Archidiakonat St. Stephan im Erzbistum Mainz, Dekanat Christenberg, Sendbezirk Breidenbach. Dieses Diakonat (sedes in Breydenbach) umfaßt dem nach dem Verzeichnis die Orte:

Roden – (Roth), Ibeshussen – (zweifellos Eibelshausen), Litresfeld- (Lixfeld), Frehenthüsen – (Frechenhausen), Zweyhorle – (Zweihörlen; Ober- und Niederhörlen), Ginderna -(Gönnern), Ysenhusen sup. et infer – (Ober- und Niedereisenhausen), Stempherphe – (Steinperf), Achimbach – (Achenbach), Wadechin (ist eine Wüstung und lag im 15. Jahrhundert im Bereich des Sendbezirkes Breidenbach), eventuell Schreibfehler und es heißt stattdessen Mawendelin – (Mandeln), Symmersbach (Simmersbach), Obbern Dydena – (Oberdieten), Nybbern Dydena – (Niederdieten), Wolkershussen – (Wolzhausen), Weyffenbach – (Weifenbach), Willingshusen (Billingshausen, eine Wüstung bei Breidenbach), Gotzhusen – (Quotshausen), Gladebach – (Kleingladenbach), Welspach – (Hof Melsbach), Walen – (Wallau) und Wesentbach – (Wiesenbach).

In diesem ausgedehnten Gebiet entstanden neben der Hauptkirche bald hier und da kleinere Kapellen. Vom 12. Jahrhundert an erfolgten dann in den Kirchenbezirken, getrennt von der Hauptkirche, die Gründungen selbstständiger Kirchen und Pfarreien. Für das Dekanat Breidenbach existiert dazu ein urkundlicher Beleg. 1103 beurkundet Erzbischof Ruthart zu Mainz, dass er dem freien Mann Megginher erlaubt habe, auf seinem Gut zu Eisenhausen in der Parochie von Breidenbach eine Kapelle zu erbauen. Zugleich pfarrte er außer Ober- und Niedereisenhausen noch Steinperf zu dieser Kapelle die Fundation der Kirche und Pfarrei von Seiten Megginhers.

Im Jahre 1476 wird bereits in Simmersbach ein Pfarrer (Perner) und 1528 ein Pfarrhaus erwähnt. Unbekannt dürfte vielen Simmersbachern sein, dass Ihre Kirche der heiligen St. Katharina4 geweiht war. Dieses geht aus einem Schriftstück des Jahres 1433 hervor. Hier wird über Güterbesitz verhandelt, an dem Simmersbacher Bürger beteiligt waren (Henne Hamels Erben). Sinngemäß heißt es hier: “Auch sollen die genannten Käufer alle Jahre eine Messe in der Pfarrkirche der Jungfrau St. Katharina lesen

Nach einer Notiz in Wagels „Geschichte des Herzoghaus Nassau“ und der angrenzenden Orte gehörte die Gemeinde Simmersbach in frühester Zeit als Filialdorf zu der Pfarrei Breidenbach. Wann genau Simmersbach aber eine selbständige Pfarrei wurde ist nicht überliefert. Auch ist nicht überliefert, in welchem Jahr in Simmersbach die Reformation eingeführt wurde. Doch dürfte es nach einer schriftlichen Erklärung, die sich in der Pfarrei Oberhörlen befindet, hervorgehen, dass in der Pfarrei Oberhörlen die Reformation im Jahr 1540 eingeführt worden sei, geschlossen werden, dass auch in Simmersbach um die diese Zeit, also um 1540, die Reformation Martin Luthers den katholischen Glauben verdrängt hat.

1668 entstand das Metropolitanat5 Gladenbach und wurde 1822 in Inspektorat Gladenbach und 1838 in Dekanat Gladenbach umbenannt. Der Breidenbacher Grund gehört zum Dekanat Gladenbach und besteht aus den Kirchengemeinden Ober- und Niedereisenhausen, Ober- Niederhörlen, Lixfeld mit Frechenhausen, Gönnern, Simmersbach und Roth. Das Evangelische Dekanat Gladenbach ist seit der Reformation mit dem nördlich von ihm liegenden Bereich rund um Biedenkopf eng verbunden.

In dem gesamten Bereich der vier Ämter Battenberg, Biedenkopf, Blankenstein/Gladenbach und Königsberg gab es im Zeitraum von 1577 bis 1929 40 Kirchengemeinden: Altenkirchen, Altenstädten, Battenberg, Battenfeld, Biedenkopf, Blasbach, Bottenhorn, Breidenbach, Bromskirchen, Buchenau, Dautphe, Dexbach, Dodenau, Eckelshausen, Eifa, Erda, Frankenbach, Frohnhausen, Gladenbach, Gönnern, Günterod, Hartenrod, Hatzfeld, Hermannstein, Holzhausen, Königsberg, Krumbach, Laisa, Lixfeld, Naunheim, Niederweidbach, Obereisenhausen, Oberhörlen, Rodheim, Roth, Simmersbach, Waldgirmes, Wallau, Weidenhausen, Wilsbach. Von diesen 40 Kirchengemeinden gehörten zum Bereich Gladenbach von 1577-1929 20 Kirchengemeinden. Einige der 40 Kirchengemeinden gehören heute zu anderen Landeskirchen, z.B. Altenkirchen, Erda und Blasbach gehören zur Evangelischen Kirche im Rheinland.

Simmersbach, im Breidenbacher Grund, gehörte von 1577 bis 1650 im Pastoralkonvent Biedenkopf und kommt 1668 zum neu gegründeten Konvent Gladenbach. Gehört dann ab 1802 zum Inspektorat Gladenbach,, 1841 zum Dekanat Gladenbach (nennt sich seit 1838 Dekanat

Die kirchliche Verwaltungseinheit mit Sitz in Gladenbach bestand 347 Jahre und endete 2015, am 1. Januar 2016 wurden aus den Evangelischen Dekanaten Biedenkopf und Gladenbach das Evangelische Dekanat Biedenkopf-Gladenbach. .6

Kirchengemeinde

Bei der Geschichte der Kirchengemeinde Simmersbach ist davon auszugehen, dass sich unter den Unterlagen der Pfarrei keine finden, die über das Jahr 1609 zurückreichen und dass selbst von dieser Zeit an die Nachrichten sehr spärlich und unvollkommen sind. Sehr zu beklagen ist außerdem, dass ein altes Salbuch7, worauf sich in den Notizen der Pfarrer oft bezogen wird, verloren gegangen ist. Sicherlich hätte man über manche, jetzt dunkle oder unbekannte Verhältnisse Aufschlüsse aus derselben schöpften können. Aus alten Nachrichten und Unterlagen geht hervor, dass die Gemeinde Simmersbach nach ihrer Trennung von Breidenbach stets eine eigene Pfarrei blieb. Filialen hat sie eigentlich nie gehabt, außer 60 Jahre mit der Gemeinde Roth und den 14 Jahren, in der man mit den Gemeinden Lixfeld und Frechenhausen in kirchlicher Hinsicht verbunden war. Seit dieser Zeit ist kein Ort wieder mit Simmersbach vereinigt worden. Da die Pfarrei Simmersbach Landesherrlich war; wurde sie von dem jeweiligen Landesherren besetzt. Seit frühester Zeit stand Simmersbach unter dem Konsistorium8 zu Marburg. Als dieses aber im 17. Jahrhundert zu Hessen-Kassel kam, wurden die kirchlichen Angelegenheiten von dem Superintendanten9 zu Gießen und den geistlichen und weltlichen Räten geleitet. In diesem Verband ist es auch bis auf weiteres geblieben. Die mittlere Behörde war beständig in Gladenbach, welche den Namen evangelisches Dezernat Gladenbach geführt hat.

Die Besoldung des Pfarrers bestand in dieser Zeit aus:

  1. Benutzung des Pfarrguts, das in den Flur- und Grundbücher näher beschrieben wird.

  1. Den zu leistenden Frondienst10 der Bewohner Simmersbachs, es hat jeder 1 ½ Tag zu ackern und eine Ernte einzufahren.

  1. Den Fruchtgefällen – jedes Haus hat 1 Meste11 Korn und 1 Meste Hafer zu geben,

  2. Freies Holz und Laub – jeder Einwohner musste einen Schlitten voll Holz, Laub bringen, den sich der Pfarrer beliebig holen konnte.

  3. Die Akzidenzien12 (Abgaben) – für die Taufe waren die Bewohner vertragsmäßig dem Pfarrer eine Mahlzeit schuldig. Dies viel aber früh weg.

  4. Eine freie Wohnung und einem Garten

  5. Benutzung zweier Kühe, welche ein Vorgänger seinem Nachfolger immer hinterlassen musste. Weil aber diese beiden Kühe im Jahr 1646 nebst der ganzen Herde des Dorfes von den Schweden weggetrieben und keine anderen dafür angekauft wurden, so hat der Zeitweilige Pfarrer 2 Kühe und
    2 Rinder in Hirtenlohn frei und kann so viel Schweine treiben wie der reichste Mann im Dorfe, ohne etwas dafür schuldig zu sein.

Da aber der Pfarrer zu Simmersbach fast gar keine baren Geldeinnahmen hatte, wurde auf Befehl des Landgrafen Moritz im Jahr 1611 das Bodenbrenners Gut, das Motzrichs Gut und das Thielen Gut, welches der Kirche zu Simmersbach gehörte und derselben jährlich sieben Gulden einbrachten, verkauft und von der Kaufsumme so viel Kapital angelegt, dass die Zinsen 7 Gulden betrugen, welche dann der Kirche verbleiben sollten, das Übrige wurde zu einem Pfarrerbesoldungs-Kapital bestimmt, wovon die Pfarrer die Zinsen beziehen sollte. Dessen ungeachtet blieb die Besoldung so gering, dass außer den 15 Gulden aus dem geistlichen Landkasten zu Gießen aus der Staatskasse jährlich 86 Gulden zugelegt werden mussten, damit nur das Minimum nämlich 500 Gulden herauskamen. Ein Mann mit Familie kann bei der größten Einschränkung kaum die notwendigsten Bedürfnisse bestreiten; denn unter jenen 500 Gulden sind auch noch 60 Gulden für Haus und Garten enthalten.

Wichtige Ereignisse, Begebenheiten und Pfarrer der Kirche

Die alten Kirchenbücher sind wertvolle Zeugen der Vergangenheit. So wurden in diesen Büchern wichtige Ereignisse, Nachrichten und Begebenheiten, sowohl aus der kirchlichen wie auch weltlichen, von Naturereignissen, von Kriegen, Hungersnot und Elend aus unserer Heimat berichtet. Die Simmersbacher Pfarrer haben außer den religiösen Eintragungen noch mancherlei, was sie interessierte, ins Kirchenbuch hineingeschrieben.

1323 Im Februar wird das Dorf Simmersbach zum ersten Mal in einer Urkunde erwähnt. Hier wird Gertrud, genannt Suze von Symmersbach mit ihrem Mann Gerlach, der ebenfalls in Symmersbach wohnt, von Heidenreich von Dernbach aus Leibeigenschaft entlassen.

1463 Die Dörfer Lixfeld, Frechenhausen, Oberhörlen, Roth, Breidenbach und Simmersbach gehörten zu Hessen Darmstadt und wurden in den folgenden Jahrhunderten immer wieder wechselnd verbunden

1476 Simmersbach war schon vor der Reformation ein Pfarrort. Bereits 1476 wird dort ein Pfarrer, und 1528 ein Pfarrhaus genannt. Die Pfarrei war dem Dekanat Breidenbach zugeordnet und die Besetzung stand dem Landgrafen von Hessen zu. Die Kirche steht auf einem alten Sporn mitten im Ortskern und war 1433 der heiligen Katharina geweiht. Seit dem späten Mittelalter gehört die heilige Katharina zu den am häufigsten dargestellten weiblichen Heiligen. Der Kernbau des Turms ist aufgrund seines Baustils als hochmittelalterlich anzusehen.

15. Jahrhundert Erzbistum Mainz, Archidiakonat St. Stephan, Dekanat Christenberg, Sendbezirk Breidenbach 13

1526 Einführung der Reformation in der Landgrafschaft Hessen 14

    1. 1533 – 1570? Pfarrer Adam

Über Pfarrer Adam ist nichts weiter bekannt, mit seinem Kommen entstand wahrscheinlich die evangelische Kirchengemeinde in Simmersbach

    1. 1570 – 1573 Pfarrer Georg Becker

Er ist der erste nachweisbare evangelischer Pfarrer, über Ihn ist sonst nichts bekannt 15

    1. 1573? – 1583 Johannes Mesomylus

Simmersbach hat bereits 1577 eine eigene Pfarrei und bekam durch Tausch mit ihrem Pfarrer Johannes Mesomylium (wann genau seine Tätigkeit begann ist nicht bekannt) zu einem üblen Pfarrer, der in Gosfelden von dem Landkomtur seines lästerlichen Lebenswandels wegen seine Stelle entsetzt war. Auf seine Beschwerde berichtet der Komtur:

Er ist ein Vollsäufer, unflätiger Zänker, Haderer und Schläger, unfleißiger Prediger, lehrt die Kinder nicht.“

So kam der Pfarrer Johannes Mesomylius nach Simmersbach. Der Superintendent(7) übergab den beiden Kastenmeistern16 einen Befehl des Landgrafen, ihren Pfarrer in der Kirche verschlossen zu behalten bis ein neuer Befehl käme, ihn wieder herauszulassen.

    1. 1583 – 1600 Heinrich Moliter

Wurde in Herborn geboren

16. Jahrhundert als eigene Pfarrei bestehend, ohne Beidörfer 17

    1. 1600 – 1606 Nikolaus Clemens

Geboren ≈ 1573 in Kassel

Eheschließung am 8. Jan. 1599 in Gemünden mit Elisabeth Kremer, Tochter von Christop Kremer aus Josbach, studierte 1592 in Erfurt und 1593 in Marburg

1598 – 1602 Lehrer in Gemünden

1602 – 1606 Pfarrer in Simmersbach, abgesetzt bei Einführung des reformierten Bekenntnisses

1607 – 1624 erster Pfarrer in Watzenborn

Kinder des Ehepaares Ignatius Clemens (1599 – †1641)

Hildebrand Clemens (1602 -.†????)

Hans Heinrich CLEMENS (????.- †1623)

Johann Christoph CLEMENS (1606 – †1671).

Adam CLEMENS (????.- †1651).

Nicolaus Clemens starb am 9. Sept. 1626 in Simmersbach im Alter von 53 Jahren an der Pest und wurde in der Kirche zu Simmersbach beigesetzt, seine Frau Elisabeth Clemens, geb. Kremer starb im Jahre 1637

1606 Bei dem reformierten Bekenntniswechsel wird Pfarrer Nikolaus Clemens aus Kassel abgesetzt. 18

1624 Wurde man wieder lutherisch und bei der Einführung des lutherischen Bekenntnisses holte man sich wieder den alten Seelsorger Nikolaus Clemens.

1626 starb Pfarrer Nikolaus Clemens an der Pest und wurde in der Kirche beigesetzt. Seine Ehefrau Elisabeth Clemens, geb. Kremer starb im Jahre 1637.

    1. 1606 – 1622 Johannes Ahenarius

Pfarrer Johannes Ahenarius starb im Jahre 1622

    1. 1622 – 1623 Konrad Scheumius

über Pfarrer Scheumius gibt es keine weiteren Informationen)

1614 Lixfeld und Frechenhausen werden mit der Pfarrei Simmersbach verbunden. Die zur Pfarrei Breidenbach gehörigen Filialen Achenbach, Niederhörlen und Oberdieten werden von der Pfarrei Oberhörlen kurzzeitig seelsorgerlich bedient, kehren aber nach 1618 wieder nach Breidenbach zurück.

Der 30.-jährige Krieg von 1618 bis 1648

Von 1618 bis 1648 tobte der Dreißigjährige Krieg und die Pfarrer haben die schrecklichen Ereignisse in jener Zeit, in der große Not und Elend in Hessen und im Hinterland herrschte, in Kirchenbüchern festgehalten. So erfahren wir einiges aus jener „trüben“ Zeit. Mit den Drangsalen des 30. jährigen Krieges hebt das Kirchenbuch aus Simmersbach an und der gelehrige Pfarrer hat zu Anfang den Vers geschrieben:

Nunquam bella piis, nunguam discrimina desunt, Et quocum certet, mens pia semper habet.

(Niemals fehlen Kämpfe und niemals fehlen Gefahren den Frommen, liegt doch das fromme Gemüt immer mit etwas im Streit)

1636 und 1637 hört man von den schändlichen Taten der rohen Soldaten.

1637 Wird im Sept. 1637 ein uneheliches Kind getauft, dessen Vater ein im Winter 1636 auf 1637 zu Simmersbach im Quartier gelegener Dragoner war.

1637 16. März 1637 „zwey Regiment Reuter hergezogen, Druckmüller und Kolbe, uns ohne sundelichen Schaden“

1637 „Zu Ausgang des Jahres 1637 ein Wochenmarkt zu Dillenburg von dem Wohlgeborne graff Ludwig Henrichen verordnet und bestetiget“

(Der Wochenmarkt war natürlich für das nicht allzu weit entfernte Simmersbach von Bedeutung)

1638 4. Feb. 1638: „Eine Eyche im hohen Rein gehawen, und ein Drenck draus gemacht“

Man sieht die bleichen Gestalten, die die Hungersnot aus Ihren Orten vertrieben hat und die hungernd und bettelnd im Lande umherzogen und zum Teil die Landstraßen unsicher machten, wie dieser Eintrag berichtet:

1638 27. Feb. 1638, „ein medgen zwischen ginnern (Gönnern) und Obern horla (Oberhörlen) von einer blinden bettel frawen, so eine Tochter bei sich gehapt, die sie geleitet, mit einem strick erdempffet (erdrosselt) geworden“

Für Bottenhorn, ein Dorf in der Nachbarschaft, lief es nicht kurze Zeit Später nicht so glimpflich ab.

1638 17. März 1638 „Bottenhorn durch inliegende reuter aus verwarloßung angesteckt worden, sind 17 oder 19 bew (Gebäude) * abgebrannt“

1638 die gräfliche Hochzeit zu Dillenburg gewesen, (der Nassau-Dillenburger Gräfin Anna Amalie mit dem Graf Philipp Ludwig von Wied) hatt 6 Tage gewehret, und ist mein gnediger herr Landgraff Georg den 28. April auch noch dahingekommen, aber am 29. Huius so balt wieder ab haher Giesen gereisset, und ist die gräffliche hochzeit mit graff Lotzio (Georg Ludwig von Nassau-Dillenburg) mit der Fürstin aus Braunschweig (Anna Auguste von Braunschweig-Lüneburg) 8 Tage zuvor dinnen gewesen“

1639 8. Dez. 1639 „ist die Breidenbacher Orgel zum aller ersten mahl geschlagen“

In dieser Zeit wurde auch in der Herborner Stadtkirche die erste Orgel aufgestellt.

1639 wird „Einer amen frawen ein Kind getaufft“

Wie verwildert und disziplinlos die Truppen durch den langen Krieg waren, beschreibt dieser Eintrag:

1639 18. März 1639 „den Capitan leutenant, so von einem wachtmeister erschossen worden und auß versehing, vir nobilis (Edelmann), Heygera sepultus (zu Haiger begraben, hier lag damals das kaiserliche Regiment des Nassau-Dillenburger Grafen Ludwig Heinrich)

1640 Auf dem Lande, wo der entmenschten Soldateska alle Quälereien nachgesehen wurden, gab es keine Sicherheit mehr. Wer fliehen konnte, floh. So flohen die Hirzenhainer nach Tringenstein. Dort wurde am 12. Jan. 1640 ein Kind von Hirzenhain getauft:

wegen infalls der weimarschen Armee, die am 31. Dez. 1639 angefangen hanen im Land zu plündern, Pferd, Küh, Schaf, Saw, Frucht zunehmen“.

Die Simmersbacher flohen nach Achenbach, wo am 12. Jan. 1640 in der dortigen Kapelle ein Simmersbacher Kind getauft wurde.

Weil wir wegen der weimarschen Arme ein fuga (auf der Flucht) gewesen sind” So schreibt der Simmersbacher Pfarrer in sein Taufbuch.

(Damals hatte das Heer Bernhards von Weimar 19(, das nach dessen Tode in französischen Dienst getreten war, seinen berüchtigten Zug durch die Dillenburger Grafschaft nach Marburg gemacht)

Alle Ausschweifungen und alle Unzucht wurden den Soldaten erlaubt, wie dieser Eintrag berichtet:

1641 Im Februar 1641 wird der „wick else“ ein Kind getauft, dessen Mutter nach Ihrer Angabe von einem schwedischen Soldaten vergewaltigt worden war.

1647 Am 5. Dez. 1647 lassen Simmersbacher in Eiershausen taufen „weil die kaiserliche Parteien ganz Hessen durchstreiften“

1647 Im Mai sind „Die Leute sind alle ausgewichen gewesen aus hessischen Dörfern wegen der gistischen (kaiserlichen) Völker, so sie vorhin haben geraubt alle Fahrnis (Hausgeräte)“

1647 im Dez. „Johann Theiß und Eva, Eheleut zu Simmersbach, haben hier in Eyershausen ihren Sohn Johannes Jost taufen lassen, weil die kaiserlichen Pestien (Bestien) ganz Hessen duchstreiften“.

Wo die Gottesfurcht und Glaube tief gesunken war, trieb der Aberglaube die wunderlichsten Blüten, ein Stück davon berichtet das Simmersbacher Kirchenbuch:

1650 „den 20. Tag July Just Wagner, lediggesell, so bezaubert worden, und sterben müssen, zur Erde bestattet. Ein Thier gleich einem vierbeintz (Viergebein, im Volksmunde der Name für die Eidechse) aus seinem Knie gangen, bey meister Gangaolf Feltschärer zu Dillenbergk. Ist zu Dillenberg gestorben und nach dem rodt begraben worden“

In der Kirchenchronik von Hirzenhain notiert der Pfarrer über den Hexenwahn, die “Hexe” Gailn Anna“ von Hirzenhain gibt im Prozeß an, daß beim Treffen der Hexen mit dem Teufel auf “Weinerts Küppel” bei Uebernthal unter anderem auch Kreichen, Gräb Adams Frau aus Simmersbach mitgegessen, getrunken und getanzt habe.

1655 Durch die Kriegsjahre waren die Bewohner verroht und verwildert, bei vielen war die Gottesfurcht verschwunden. Der Fürst Heinrich von Nassau-Dillenburg ordnete in einem Erlass vom 3. Okt. 1665 unter anderem an:

daß ins onderheit deren jenigen so Brantenwein, Wein oder Bier sonderlich bei wehrendem Gottesdienst und Predigten verzapft, jedesmal Zehen gl (Gulden), die es aber begehren und verschwenden, jeder jedesmal fünf gl Baar bezahlen“

sollen.

    1. 1623 – 1624 Johannes Vormittag

Über Pfarrer Vormittag aus Herborn gibt es keine weiteren Informationen

1624 wieder lutherisch 20

    1. 1624 – 1626 Nikolaus Clemens

Nikolaus Clemens (Pfr. Nikolaus Clemens) wurde nach 1600 – 1606 erneut Pfarrer in Simmersbach. Nach der Einführung des lutherischen Bekenntnisses holte man sich den alten Seelsorger Clemens wieder. Er starb 9. Sept. 1626 sowie seine Ehefrau und sein zweijähriger Sohn an der Pest.

1626 Bei der Einführung des lutherischen Bekenntnisses holte man sich wieder den alten Seelsorger Nikolaus Clemens. Er starb 1626 an der Pest und wurde in der Kirche beigesetzt. Seine Ehefrau Elisabeth Clemens, geb. Kremer starb im Jahre 1637.

1626 bis 1630 löste man Lixfeld und Frechenhausen wieder aus dem Verband und teilte sie der Pfarrei Oberhörlen zu, die dafür im Jahr 1628 ihre Filiale Roth an die Pfarrei Simmersbach abgeben mußte. Roth blieb Filiale von Simmersbach bis in die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts, in der Roth wieder zur Pfarrei Oberhörlen kam. 21

1628 Über eine zeitliche Verbindung mit den Kirchengemeinden Lixfeld und Frechenhausen liegen folgende Nachrichten vor:

Nach der Abschrift eines Befehls des Landgrafen Georg zu Hessen und Darmstadt vom 18. Okt. 1627 sollte eine General-Kirchenvisitation22 gehalten werden. Diese Kirchenvisitation wurde am 24.10.1628 in Simmersbach abgehalten und von den ,,fürstlich hessischen zur General-Kirchen-Visitation verordneten geistlichen und weltlichen Räthen und Commihsäries“. Die Namen dieser Räthe und Commisarien waren:

Johann Philips von Buseck, genannt Mönch, Georg Serdan, Justus Fauerborn, Siegfried Happel, Johannes Malcomesius und Burkhard Hoffmann.

Weil sein Einkommen zu gering sei, stellte Pfarrer Johannes Christoph Clemens den Antrag, die Pfarrei Lixfeld mit Simmersbach zu vereinigen. Da aber zu dieser Zeit Lixfeld und Frechenhausen mit Oberhörlen vereint waren und der Pfarrer zu Oberhörlen diese beiden Ortschaften nicht gern abgeben wollte, so erbat sich dieser, sein Filialdorf Roth an Simmersbach zu überlassen.

1628 bis in die 1. Hälfte 18. Jahrhundert und seit 1954 wurde die Filiale Roth eingepfarrt. 23

1630 Der Antrag wurde höchsten Orts genehmigt und am 17.12.1630 hielt der Pfarrer zu Simmersbach in Roth seine Antrittspredigt. Diese Verbindung währte ununterbrochen fort bis 1690. In diesem Jahr fiel Roth wieder an die Pfarrei Oberhörlen zurück und es wurde nun dagegen mit Simmersbach Lixfeld und Frechenhausen verbunden. Da aber Simmersbach verlangte, Lixfeld und Frechenhausen sollten zu den Pfarrgebäuden in Simmersbach Beiträge geben und der Pfarrer zu Simmersbach, Georg Werner Eberhorn, in dem Leichenwesen zu Lixfeld eine Änderung treffen wollte. Es entstand Zwiespalt, endlich ein Prozess und das Ende war, dass Lixfeld und Frechenhausen im Jahre 1704 wieder eine eigene Pfarrei erhielten, dagegen der Pfarrei Simmersbach eine jährliche Entschädigung von fünfzehn Gulden aus dem geistlichen Landkasten zu Gießen bewilligt wurde, welche 15 Gulden bis heute noch bezogen wurden.

    1. 1626 – 1671 Johann Christoph Clemens

Sohn des Pfarrers Nicolaus Clemens und seiner Ehefrau Elisabeth Clemens, geb. Kremer, geboren im Jahr 1606.

Eheschließung am 3. Juni 1633 in Simmersbach im Alter von 27 Jahren mit Elisabeth Geil (???? – †1636), Tochter von Heinrich Geil.

Eheschließung (2. Ehe) am 14. Nov. 1637 in Simmersbach im Alter von 31 Jahren mit Marga Just (???? – †1651), Tochter von Anton Just und Anna Just aus Simmersbach

Kinder des Ehepaares: Anna Katharina Clemens (1646 – †1707)

Die Kirchenbücher in Simmersbach beginnen unter Pfarrer Christoph Clemens ab dem Jahre 1627. Am 2. April 1667 brannte das Pfarrhaus ab, im selben Jahr baute Pfarrer Clemens ein eigenes Haus, das noch heute vorhandene “Pännerschmannshaus” in Simmersbach.

Pfarrer Clemens starb am 17. Nov. 1671 in Simmersbach im Alter von 65 Jahren, als er am 16. Nov. 1671 von einem Gang nach Eibelshausen nicht mehr zurück kam und am nächsten Tag tot aufgefunden wurde. In der Dunkelheit war er von dem damals schlechten Weg zwischen Eibelshausen und Simmersbach abgekommen und in der sumpfigen Struth umgekommen.

Herr Christoph Clemens, gewesener Pfarrer von Simmersbach, ist am 21.Nov. anno 1671 zu Simmersbach zu Erden bestattet worden. Er starb im Alter von 65 Jahren.

1635 und 1636 war wieder die Pest im Lande und der Ebersbacher Pfarrer Dilphius schreibt in seinem Taufbuch. „In diesem Jahr ist das große Weltsterben in meinem Kirchspiel gewesen“.

In Simmersbach sterben an den Folgen der Pest 56 Personen, hauptsächlich Kinder. Unter den Opfern war der Sohn des Pfarrers und dessen Frau, die in der Kirche zu Simmersbach beigesetzt wurden.

1636 Unter dem 17. Sept. 1636 ist aufgeschrieben: „Jonas Arnold so der letzte gewesen so damals Pest zur Erde bestattet worden“.

In den zwei „Pestjahren starben in Frohnhausen 84, in Wissenbach 72 Personen. Im Kirchspiel Hirzenhain starben an 70 Personen, unter ihnen die Pfarrfrau Egelser, die in der Hirzenhainer Kirche begraben wurde.

1667 Am 2. April 1667 brannte das alte Pfarrhaus dahin, von einer Bergmannsfrau angesteckt von oben her ab. Von 1667 – 1671 war kein Pfarrhaus hier, da der damalige Pfarrer Johann Christoph Clemens sein eigenes Haus bewohnte. Das in 1672 gebaute Haus stand bis 1800, wo das jetzige Pfarrhaus erbaut wurde.

1668 Am 8. Sept. wurden bei Mandeln Grenzstreitigkeiten zwischen Nassau-Dillenburg und Hessen-Darmstadt berichtigt und die nötigen Grenzsteine gesetzt, die auf der nassauischen Seite mit N und auf der hessischen Seite mit H gekennzeichnet waren.

    1. 1671 – 1682 Johann Georg Manger

* 1647 in Wetter – + 20.07.1713 in Waldgirmes, beigesetzt in der Kirche zu Waldgirmes, verheiratet mit Anna Sabine WELCKER (* um 1650 – †23.09.1715)

Zwischen ihm und der Gemeinde war ein Streit über die Kälberhut entstanden und weil deshalb die Gemeinde eine „gar stachelichte” Schrift gegen ihren Pfarrer hat aufsetzen lassen, so schloss dieser alle zum männlichen Geschlecht Gehörige vom Beichtstuhl und vom Abendmahl aus. Der Pfarrer musste jedoch seinen Bann aufheben und die Gemeinde wurde in die Ordnung verwiesen. Er wurde nach dem Streit wohl Niederweidbach befördert.

1677 wurde der jetzige Brunnen im Pfarrhof gegraben.

Pfarrer Manger berichtete über den Winter 1678 – 1679:

1678 1679: So ist in diesem Jahr 1678 zu Anfang des Winters sei großer Schnee gefallen, der bis zum Frühjahr nicht mehr fortgegangen ist. Um die heiligen Tage herum konnten viele Leute aus den Häusern nicht mehr auf die Straße sehen, weil ihre Fenster zugedeckt waren. Für den Pfarrer, der auch in Roth Gottesdienst zuhalten hatte, mußten alle Gemeindemitglieder von hier und von Roth jede Woche zum So. den Pfad treten. Im Jan. kam noch eine grimmige Kälte hinzu. An einem späten Nachmittag, als es schon anfing Dunkel zu werden, brach plötzlich mit großem Geheul ein ganzes Rudel hungriger Wölfe ins Dorf ein. Bei einem Bauern, der gerade am Füttern war, wurden zwei Schafe gerissen und in den nahen Wald geschleppt. Nun kamen die hungrigen und heulenden Bestien jeden Tag wenn es dunkel war, um sich Beute zu holen. Um der Wolfsplage Herr zu werden, stellte man Tag- und Nachtwachen auf. Es war ein harter Winter, und jeder wünschte sich das Frühjahr herbei.

Die Raubzüge von 1672 – 1679

Nachdem die Stürme des 30-jährigen Krieges, die grauenvolle Verwüstungen angerichtet hatten, verweht waren, hatte man zwei Jahrzehnte einigermaßen Ruhe, aber dann zogen schon wieder neue Kriege und Raubzüge durchs Land. Ludwig XIV. von Frankreich wollte seine Macht ausdehnen und griff die Niederlande im „Holländischen Krieg“ an. Holland erhielt jedoch Unterstützung durch Brandenburg (den Großen Kurfürsten), das Heilige Römische Reich, Spanien und England, Ludwig XIV. wurde von Schweden unterstützt. Es schien es so, als sollten sich die alten Drangsale des 30-jährigen Krieges wiederholen. Im Frieden von Nimwegen 1678/1679 wurde dann Frieden geschlossen und es wurde langsam wieder ruhiger Land. Über diese kriegerischen Auseinandersetzungen wird in den Kirchenbüchern über das Leid, der die Bevölkerung in unserer Heimat durch die französischen Raubzüge, die der Willkür der Söldner ausgesetzt sind, berichtet. Es herrscht große Not und Elend im Hinterland und den angrenzenden Nachbargebieten, der Pfarrer berichtet im Kirchenbuch darüber, wie Kirche, Pfarrhaus und Häuser von fremden Truppen geplündert und drangsaliert werden.

1673 „in anno 1673 hat der König von Frankreich in Holland ein famös negotium faceniret gehabt (einen berüchtigten Handel24), Chur-Brandenburg macht sich mit einem großen Zeug auf, marchiret das Hessenland in der mitten durch, Holland succurs(Hilfe) zu leisten, mittlerweile tut der französische General vicomte de Turenne25 in der Mark Brandenburg einfallen, daß unverrichteter sachen Dux Brandeburgicus nomine (namens) Christianus von Rittmeister Wintern zurückgerufen wird, da er eben mit allem seinen Zeug durch das Hessenland nicht ohne ziemlichen Schaden passieret, trifft gezwungen bei Suest (Soest) in Westfalen einen Friedenscontrakt mit Frankreich, worauf Vicomte de Turenne seinen marche auf Corbach und von da auf Wetzlar genommen, allwo die cavallerie durch nieder Hessen neben der Stadt Wetter hin gangen, gensde pied aber die Infanterie durch die Grafschaft Wittgenstein und Fürstenthumb Nassauw und Dilleberg geführet worden.

Dieße infantrie, weil sie mehrentheils von Irrländer, Engelländer und Schottländer bestünde, welche alle geschenckte Völker, wurde sie von General Türenne in sonderem zwang nicht gehalten, darumb sie hir und da außgetretten, und derselben ongefehr 70 stück in Simmersbach einen einfall hatten, sowohl Gottes- alß gemeine Häußer spolieret (beraubt), in dem Pfarrhauß summa imis misciret (das oberste zu unterst gekehret) ihme seinen Prediger-Mantel entwendet, den Pfarrer selbst seiner Kleyder, so er am leibe getragen, beraubt, die Kirchen mit gewaltsamer hand aufgestümbt, worinnen sie neben anderm den ornat von dem Altar und Tauffstein, sampt dem Kelch mit zugehörigen sache, gestohlen, und auch davon gebracht haben, welches geschehenin dem Monat Junio bemelten jahres“

(Der Eintrag zeigt aber auch, wie die deutsche Sprache in dieser Zeit durch Fremdwörter verunstaltet wurde)

1674 berichtet der Pfarrer über einen Konfirmierten:

Peter Klein, zuvor römisch-catholischer Religion bürdig auß dem Jülicherland, dessen Vatter zu Silberg Ampts Biedencap ein Viehhirt ist, nachdeme er sich nach Rod, Grunds Breidenbach in einen Heyrath . . . eingelassen (er heiratete am 26. Mai 1674 Margaretha Treubel aus Roth), von gesagter Religion zu dem reinen evangelischen sogenannten lutherischen Glauben ordentlicher Weise getretten. Deßgleichen auch gethan das folgende Jahr 1675 seine Schwester Enchen, so bey Adam Wagnern (wohl in Roth) in Diensten gewesen. Dann weil mit einer harten Kranckheit sie Gott heimgesucht, dabey sie auch deß Sterbens sich getröstet und aber eine geraume Zeit deß heiligen Abendmals nicht genossen, ließ draum den damal gewesenen Pfarrer Johann Georg Manger zu sich kommen, daß ihrer päpstischer Religion ab- und der evangelischen zusagte, worauf das heilige Abendmahl sie sobald genossen.”)

Unruhen brachte der Winter 1674 auf 1675 denn es

1674 „haben zwei Kayserliche Companien in etzliche an der Kräntze Dilleberg gelegene Dörfer quartier darinn zu suchen, eingedrungen, welche aber Ihr Fürstl. Durchl. von Darmstadt mit gegengeald wiederum außgetrieben durch Oberst Wachtmeistern Senfft und hierzu ihn beygegebene.)

In Simmersbach und Roth lagen im selben Winter 1674 kaiserliche Reiter, von einem damals stattgefundenen Soldatenbegräbnis meldet das Simmersbacher Kirchenbuch:

1674 „1674 Hanß Monss, ein kayserlicher Reiter, so zu der Zeit zu Rodth das Quartier neben anderen mit Gewalt genommen hatte und von seinem damaligen Rittmeister Franzel, der zu Simmersbach gelegen hatte, dorthin geschickt worden war, wurde am 24. Dez. all da, weil er ein geborener Schwede und darum evangelisch, ehrlich zur Erde bestattet“

Anno 1675 haben zwei kaiserliche Kompanien in Dörfern östlich an der Grenze zum Dillenburgischen versucht sich einzuquartieren, wurden aber von ihrer fürstlichen Durchlaucht von Hessen-Darmstadt „vim vi reppelendo“ (mit Gegengewalt) wieder durch beigegebene Soldaten unter Führung von Oberwachtmeister Senfft vertrieben. Unter den kaiserlichen Truppen, die 1675 in der Dillenburger Grafschaft hausten, befand sich viel zuchtloses Gesindel, das Simmersbacher Kirchenbuch schreibt darüber:

1675 „eben damals sind kaiserliche grabaten (Kroaten) oder Zigeuner den Winter über einquartiert worden“.

Diese Kroaten scheinen sich durch mancherlei Untaten ein schlimmes Andenken bereitet zu haben. Nach den Ebersbacher Kirchenbüchern wurde eine Witwe von der Neuhütte auf dem Weg nach Dillenburg von einem Kroaten überfallen und vergewaltigt.

Im Frühjahr 1676 wütete eine schreckliche Feuersbrunst.

1676 „Im April, den 19. ist mittwochens in der ersten Nachtwach ist allhier zu Simmersbach in Johann Adam Rehs Scheuer eine feuersbrunst entstanden, in welcher in einer stunde Zeit 58 Bäwen (Gebäude) totaliter mit allem Haußrath, Hab und Nahrung, alß von gedachten Rehs Wohnungen an biß zu Ende des des Untherteils deß dorffs in die Aschen gesetzt worden, doch sind dem Feuer keine Menschen zu theil worden“

In Folge der Kriegslasten mussten die Steuern erhöht werden und dazu vermeldet das Kirchenbuch:

1677 „In diesem jahr ist zu Grünberg in Ober-Hessen von Ihr. Fürstl. Durchl. Ludwigem dem Aelteren ein Land-Tag gehalten worden, worauf die gewöhnliche Contributions-gelder (Steuer, Kriegssteuer) in dero gantzem Fürstentumb auf etliche jahr gedreyfachet worden, weil zu werenden Kayserlichen Krieg contra Gallo (gegen die Franzosen) etzliche Völker gehalten werden müssen, hat die einfache Contribution nichts noden können.“

Besonders schlimm ließ sich wieder der Winter 1677 auf 1678 an, im Simmersbacher Kirchenbuch heißt es:

1677 „in diesem Jahr haben bey deß Winters Eintritt fast drei Wochen 14 Regiment Völker im Dillebergischen, sonderlich im Herborner und Haigerischen Amt gestanden und hat ein jeder Quartier machen wollen, endlich sind sie gewischen bis auf 4 Regiment, welches Münsterische und Osnabrückische gewesen. Diese sind in Winterquartieren allda gelegen bis auf Jacobi ungefähr“.

Welch schwere Lasten solche Einquartierungen, bei denen außer den Soldaten noch viele Soldatenfrauen und zahlreiche Soldatenkinder mit verköstigt wurden, die Bevölkerung wohl ertragen musste.

Der Winter 1678 auf 1679 brachte durch viel Schnee manches Unheil. Das Simmersbacher Kirchenbuch erzählt:

1678 „in diesem Jahr ist in des Winters Anfang anno 1678 nemdlich ein großer Schnee gefallen, welcher mit all dem folgenden, so hernach dazu gekommen im frühling an noch allzusammen gelegen, daß auch Menschen von Wölfen gefressen worden. Etliche sind erfroren, wie dann sonderlich bey Hierzenhain ein Reuter von den münsterischen Völkern, so damals neben den Ösnabrückischen häuffig im Dillebergischen im Quartier den gantzen Winter gelegen, daß Land ruiniret, daß auch viel Leute von ihnen weg ziehen müssen, von selben Reutern hat man bei genanntem Dorff einen in tiefem Schnee todt gefunden, it by Schelten einen Bauersmann, so ihm den Weg bey der Nacht hatte zeigen sollen“.

Von Mißhandlungen durch Soldaten weiß das Simmersbacher Kirchenbuch zu berichten:

1679 „Johann Jacob zu Breydenbach ein leutenant zu Fuß im Außschuß schlägt mit dem kurtzen gewehr einen Mann von Oberdieden, Henchen Seydel genand, daß er darüber nach etlichen Tagen gestorben; der Cörper ist auch von den Medicis gewißhwit halber geöffnet worden; ist aber der Thäter deß wegen sonderlich nicht angesehen“

(Der letzte Satz ist charakteristisch für diese Zeit, Rohheiten wurden damals kaum geahndet und die Vorgesetzten konnten sich ziemlich viel erlauben, ohne dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden.)

1679 Die Kirche, das Pfarrhaus und sämtliche andere Wohnungen wurden von fremden Truppen geplündert. Die „raha saiza“, die Amtskleidung des Geistlichen, ist auch mitgenommen worden.

    1. 1682 – 1718 Georg Werner Eberhorn

Gebürtig aus Biedenkopf. Seine Tochter Anna Elisabeth Eberhorn, *12.Jan. 1688 in Simmersbach, †6.Sept. 1742 in Friedberg, heiratete am 29.Juli 1710 Johann Nicolaus Langsdorff, *20.Nov. 1673 in Weilburg, †1.Okt. 1747 Friedberg, 1717 Rektor in Wetzlar, später in Friedberg. Ihr Sohn Georg Melchior Langsdorff, *1713-†1767, war Salzrentmeister in Nauheim.

Unter ihm kamen 1690 Roth und 1704 Lixfeld und Frechenhausen nach Simmersbach.

Sein Vater, Pfarrer Georg Adam Eberhorn aus Königsberg bei Hohensolms, war Rektor in Biedenkopf, von 1617 – 1618, Feldprediger unter Graf Hans-Georg zu Solms-Laubach, 1618 – 1624 Pfarrer in Assenheim, 1624 – 1681 Pfarrer in Biedenkopf, wo er auch starb.

1682 notierte Pfarrer Georg Werner Eberhorn (gebürtig aus Biedenkopf) unter „Notabilia“ (Bemerkenswert) über ein Erdbeben” Anno 1682 ist in diesem Land 26 ein Erdbeben gewesen. Item hat jedermann ein sonderlich Feuerzeichen am Himmel gesehen“

,1686 wird im Kirchenbuch über die Jahrzehntelangen Einquartierungen vermerkt

Balthasar lamp ein münsterischer Reiter den 10. Jan. zur erden bestattet“

1690 Lixfeld und Frechenhausen werden abermals mit der Pfarrei Simmersbach verbunden, Roth wieder mit der Pfarrei Oberhörlen. Bei dieser Parochialgliederung bleibt es lange Zeit, obwohl im 18. un19.Jahrhundert immer wieder Pläne für eine Änderung diskutiert werden.

Quelle Geschichte der evangelischen Kirche Oberhörlen

1692 schreibt Georg Werner Eberhorn über eine Taufe:

1692, den 3ten Aprilis, ist ein geborener Jude ein Wetsphälinger aus dem Stifft Münden (Minden) auß dem Flecken Hill (Hille), zu der Zeit ein hessen-casselicher Dragoner unser Herrn Oberst Kettlers Regiment, nach deme ich denselben ein Zeitlang im Grundt des Christenhumbß informiert, allhier von mir getauft worden und ist benahmet worden Friederich Christean. Die Taufpatten sind gewesen Herr Obrist Fiedrich von Kettler, Oberstlieutnant Wilhelm von Oinhausen, Herr Major Melchior von Schöpping – deren Abgeordneter ward ein Cornet (Fähnrich) nahmens Bremer, item (ebenso) Philipp Adam von Drack – an dessen Stell Herr Walter, Pfarrer zu Oberhörlen; item die Frau Commandantin, Herrn Commandanten von Dillenburg, Herrn von Schellenberg, Eheliebst – an deren Stelle meine Schwester als Pfarrerin zu Oberhörlen gewesen“

1695 hat sich das Land allmählich von den Schäden des Dreißigjährigen Kriegs erholt hatte und es kursierte an den Hessen-Darmstädtischen Hof von zwei Bauern die Nachricht, dass bei Roth ein Silberfahlerz führender Gang gefunden wurde. Sie waren auf das Vorkommen aufmerksam geworden, weil weder Tau noch Reif noch Schnee dort liegen blieben. Landgraf Ernst Ludwig entsandte seinen Bergmeister Johann Adam Rephun, der den Gang durch einen Schürf freilegen ließ und 4 Ctr. Erz zu einem Probeschmelzen auf die Feudinger Hütte bringen ließ. Das Ergebnis war sensationell: 3,5 kg Feinsilber wurden erschmolzen, aus denen im folgenden Jahre in Gießen die Rother Ausbeutetaler geprägt wurden. Sie zeigen eine Palme, an der das Hessen-Darmstädtische Wappen hängt, mit der Umschriftung: “Solche Früchte gibt die Gottesgab.” Dazu der Eintrag von 1696, in dem das Bergwerk in Roth, “Gottesgabe” genannt, entdeckt wurde:

In diessen Jahr ist das bergwerk zu Rodt erfunden worden“

1704 wurden Lixfeld und Frechenhausen nach 15 Jahren Verbundenheit mit Simmersbach wieder selbstständige Pfarreien.

1705 hat die Landgräfin Dorothea Charlotte 27 ein Armenkapital gestiftet, wo nach es Simmersbach 24 Kr. erträgt.

    1. 1718 – 1733 Johann Rudolf Reibert

Pfarrer Reiber wurde nach Nieder-Roßbach versetzt

    1. 1733 – 1742 Philipp Reinhold Bechthold

Pfarrer Bechthold wurde nach Homburg / Ohm versetzt

    1. 1742 – 1772 Johannes Müller

Pfarrer Müller starb in Simmersbach, weiteres ist über Ihn nicht bekannt

1742

Seit dem 16. Jahrhundert wurden Totenkronen verstorbener Kindern oder jungen Ledigen beim Totenzug vom Sterbebett zum Grab als Schmuck beigegeben, am Sarg befestigt, ihnen in die Arme oder neben den Kopf gelegt. Nach der Bestattung wurden sie entweder auf dem Grab abgelegt oder als Zeichen der Trauer und Erinnerung in der Kirche aufgehängt. Teilweise wurden sie aber auch mit in die Gräber gelegt. 1742 erlässt der Landgraf ein Verbot zur Herstellung und Nutzung eigener Kronen, da die Totenkronen immer schmuckvoller gestaltet wurden und ließ1765 in den Kirchspielen des Breidenbacher Grunds sechs gleich teure Toten-

Simmersbacher Totenkrone

kronen anfertigen,die sich die Hinterbliebenen ausleihen konnten. Jeweils eine Krone gehörte den Kirchspielen Lixfeld, Obereisenhausen, Oberhörlen, Simmersbach und Wallau sowie dem Sitz des Adelsgeschlechts Breidenstein, Breidenbach erhielt als größte Pfarrei die größere und schönere Krone. Von diesen Kronen sind nur noch die aus Simmersbach und Obereisenhausen erhalten geblieben und im Marburger Universitätsmuseum ausgestellt. 28

    1. 1772 – 1787 Johannes Vigelius

Sohn des Pfarrers Johannes Vigelius, 1772-1787 Adjunkt29 und Pfarrer in Simmersbach, 1787-1810 Pfarrer in Merlau (St.-Alsfeld)

1781 Im Pfarrarchiv Simmersbach befindet sich ein Schreiben aus dem Jahre 1781, mit dem der Gladenbacher Inspektor (Dekan) Hüffel dem Simmersbacher Pfarrer eine Entscheidung des Konsistoriums, der oberen kirchlichen Verwaltungsbehörde, über die finanzielle Unterstützung der Armen aus der Kirchenkasse, mitteilte:

In dem unterm 29. July anni prioris (vorigen Jahres) erstatteten unterthänigen Bericht an das fürstliche, Consistorium(15), die Abgaben der Kirchenkasten zum Armeninstitut zur Unterstützung der würdigen bedürftigen Ortsarmen exclusive- der fremten Bettler und Vagabunden betreffend, trugen Herr Amtmann und ich dahin an, daß obzwar jezo zu Simmersbach keine dürftige Hausarmen sich befanden, nach des Herrn Pfarrers eigenen Bericht, welche dergleichen Unterstützung nötig hätten, es könnte aber in der Folge geschehen, daß wenn der jetzige Verdienst mit dem Baumwollespinnen aufhöre, oder sonsten ein Unfall sich ereignete, Hülfsbedürftige dadurch entstünden, daß in den möglichen Falle drey Gulden jährlich aus dem Kirchenkasten könnten darzu abgegeben werden. Nachdem nun dieser Antrag genehmiget, und 3 fl. gnädig ratificiret, so ist mir dabey aufgegeben worden, deßen meine Herrn Conventualen (Mitglieder des Pfarrkonvents) zu bedeuten und zur jährlichen richtigen Auszahlung an das Armeninstitut anzuweisen. Diesen hohen Befehle unterthänigen Gehorsam zu leisten, habe ich dieses bekannt machen sollen“

Gladenbach, den 3. April Hüffel.)

Auffallend ist, dass die Unterstützung nur für die ortsansässigen Armen beschränkt ist, die ein entsprechendes würdiges Verhalten nachweisen konnten. Bemerkenswert ist aber, dass es in Simmersbach damals überhaupt keine Armen gab, also (relativer) Wohlstand herrschte. Ausschlaggebend dafür waren das Spinnen von Baumwolle und die Landwirtschaft. Dieser Verdienst scheint später weggefallen zu sein, denn in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts kam es zu einer Verarmung von größeren Bevölkerungsteilen und – damit zusammenhängend – zu einer Auswanderungsbewegung.

    1. 1787 – 1798 Christian Wilhelm Salomes Welcker

Aus Udenhausen, Sohn von Ludwig Helwig Christoph Welcker, *1729, †1787, evangelischer Theologe und Philippine Schwarz (6.Jan. 1750)

Geschwister Heinrich Friedrich Philipp Welcker (1756-†1829), Pfarrer

Marie Wilhelmine Friederike Dorothea Berg, geb. Welcker, verheiratet mit Pfarrer Berg in Grünberg

Carl Christian Welcker (*1765-†1828), Pfarrer in Ulfa

Ludwig Wilhelm Christian Welcker (*1767-†1813, Pfarrer in Dreieichenhain, Langgöns

Sophie Elisabeth Philippine Vorberg, geb. Welcker, verheiratet mit Christian Vorberg, Apotheker in Nidda

Von Pfarrer Welker ist ein Brief vom 14. Dez. 1797 erhalten geblieben, in dem er über die Einquartierung der Franzosen30 in Simmersbach berichtet:

1797 In der Nacht wurde dem hiesigen Jakob Michel, bei welchem der Capitain logierte, mehrere Male der Säbel vom Wachtmeister auf die Brust und auf den Hals mit der fürchterlichen Drohung gesetzt, daß früh morgens 7 Uhr 84 Stück französische Kronen von der Gemeinde eingeliefert oder das Dorf Simmersbach geplündert und an drei Ecken angezündet werden sollte. Nun war die Not da, die Bürger wußten keinen Rat mehr und forderten den Pfarrer um Hilfe und Fürsprache.

Tatsächlich aber gelang es dem Pfarrer, auf Grund seiner guten Beziehungen zu den französischen Offizieren nicht nur die Plünderung Simmersbachs zu verhindern, sondern er erreichte auch, dass die Abgaben herabgesetzt wurden. Pfarrer Welcker wurde aus seinem Dienste entlassen, weil es im Pfarrhaus zu größeren Zechgelagen mit den Franzosen gekommen sein soll.

1774 Die Katharinen-Kirche mit dem Turmhelm wurde im Jahre 1774 erbaut, den Turm der früheren Kirche hat man stehen gelassen, im 19. Jahrhundert wurde die Kirche erneuert, über die frühere Kirche sind keine weiteren Unterlagen vorhanden.

1789 ist da hier ein so schreckliches Gewitter mit Hagelschlag gewesen so, daß gleich nachdem es aufhörte, die gesamte Gemeinde in die Kirche eilte und dem Herrn dankte, daß Menschen und Wohnungen verschont worden waren.

    1. 1799 – 1805 Stephan Christian Stausebach

Das jetzige Pfarrhaus wurde in seiner Amtszeit im Jahre 1800 erbaut.

Am 31. Aug. 1805 wurde Pfarrer Stausebach nach Nidda als zweiter Pfarrer versetzt.

1802 wurde der ehemalige Viehstall an der Pfarrscheune erbaut.

1802 den 19. und 20. Mai war eine solch ungewöhnliche Kälte, dass nicht nur alle zarten Gartengewächse, Pflanzen und Frühflachs, sondern auch das junge Laub in Wiesen und Wäldern erfror. Dabei fiel in der Nacht ein so tiefer Schnee, dass er alles, die grünen Blätter der Bäume und die in voller Blüte stehenden Obstbäume erdrückte. Dieser Schnee, welcher sehr langeliegen blieb, verdarb nicht nur die Blüten der Obst- und Waldbäume, sondern brachte auch dem Korn großen Schaden, in dem dasselbe verfaulte.

1805 den 31. Aug. wurde Pfarrer Stausebach nach Nidda als zweiter Pfarrer versetzt und am 10. Nov. hielt Pfarrer Soldan seine Antrittspredigt

    1. 1805 – 1819 Christian Heinrich Christoph Soldan

18. Mai 1775 in Maibach (Butzbach), †01. Februar 1849 in Gießen

1800 Diaconus zu Berstadt. Am 10. Nov. 1805 hielt Pfarrer Soldan seine Antrittspredigt über 2. Tim. 4, 2-5. Am 7. Juli 1819 wurde Pfarrer Soldan als Inspektor des Schulrats Vöhl (Waldeck) und als Pfarrer zu Obernburg und Bergprediger zu Thalitter versetzt.

Einen Namen machte sich der 1805 in Simmersbach amtierende Pfarrer Soldan als Verfasser eines ausgezeichneten Handbuches für den Lehrer.

1819 am 7. Juli, wurde Pfarrer Soldan als Inspektor des Schulrats Vöhl und als Pfarrer zu Obernburg und Bergprediger zu Thalitter befördert.

    1. 1820 – 1834 Friedrich Kann

War vorher Pfarrer in Eimelrod bei Vöhl (1812 – 1819), starb im Februar 1834

1835 Am 4. Jan. Pfarrer Johannes Schönhals vom Dekan Decher zu Gladenbach als Pfarrer eingeführt, Pfarrer Köhler zu Lixfeld und Pfarrer Berger zu Oberhörlen assistierten dem Dekan bei der Amtseinführung.

    1. 1834 – 1885 Johannes Schönhals

* 17. Feb. 1806 in Köddingen, † 1. Nov. 1885 in Simmersbach

stud. Theol. Gießen, am. 25. Sept. 1823, Hassia Giessen

1812 – 1819 Pfarrer zu Eimelrod bei Vöhl

1829 Rektoratsverwalter an der Schule in Grebenau bei Alsfeld

1832 Rektor an der Schule und Mitprediger in Grebenau

1834 bis 1835 Pfarrer in Simmersbach

Sohn von Georg Heinrich Schönhals, *15. März 1773 in Heidelbach, †24. Apr. 1837 in Köddingen, Schullehrer in Köddingen und Anne Maria Fink, *10. Apr. 1785 in Köddingen, † 17. Juli 1843 in Köddingen.

Heiratet am 11. Nov. 1832 in Grünberg Elisabeth Ringel (*21. Aug. 1810 in Grünberg, †5. Dez. 1876 in Simmersbach, Tochter des Johannes Ringel, Müllermeister in Grünberg, und der Anne Elisabeth Viehl

Kinder Georg Schönhals *9. Juni 1835 Simmersbach, †13. März 1898 in Holzhausen, Georg Schönhals war Pfarrer in Holzhausen. Ob das Paar Kinder hatte wurde nicht weiter nachgegangen.

Theodor Schönhals *(4. Juni 1851 in Simmersbach) heiratet am 14. Nov. 1878 Anna Margaretha Eberbach (*30. Juni 1861 †30. Mai 1920), Tochter der Eheleute Johannes und Elisabeth geb. Weigel aus Simmersbach.

Er hatte zwei Kinder

  1. Ernst Rudolf Schönhals (19. Sept. 1833 Grebenau † 30. Apr. 1903 Großen-Linden), 1858 Vikar in Armsheim, 1861 Verwalter des Pfarramtes in Waldmichelbach, 1862 Verwalter des Pfarramtes in Flonheim, 1863 Verwalter des Pfarramtes in Wolfsheim, 1864-1867 Vikar in Partenheim, dann 1864/65 in Waldmichelbach, wieder in Partenheim, 1867 Vikar in Ober-Eisenhausen und seit dem 1. Mai 1868 Pfarrer in Ober-Eisenhausen, 1881 Pfarrer in Allendorf an der Lahn und zweiter Pfarrer in Großen-Linden.

  2. Georg Schönhals (9. Juni 1835 Simmersbach, † 13. März1898 Holzhausen), Pfarrer in Lixfeld (1869-1873) und in Holzhausen.

  3. Theodor Schönhals (4. Juli 1851 †14. Aug. 1886), heiratet am 14. Nov. 1878 Anna Margaretha Eberbach 30. Juni 1861 †30. Mai 1920 (Tochter von Johannes und Elisabeth geb. Weigel)

Bertha Schönhals (*21. Aug. 1881 †2. Feb.1946), Tochter von Theodor Schönhals, heiratete am 7. Juni 1914 den Kaufmann Reinhard Blecher (*17. Mai 1861 †1965) aus Fischelbach, Sohn des Bergmanns Adolf Blecher und seiner Ehefrau Auguste Benfer, Ihre eine Tochter Mathilde Blecher heiratete Emil Krämer aus Roth und ist die Mutter von Dr. Rolf Krämer und Elke Krämer. Ihr Mann Reinhard Blecher war von 1919-1930 Bürgermeister in Simmersbach

Nach mündlicher Überlieferung soll Pfarrer Schönhals, nachdem er mit Freunden Karten spielte, eine Wette abgeschlossen. Er soll gesagt haben, daß er seine nächste Predigt in der Kirche mit „Trumpf“ beginnen würde. So soll er dann die nächste Predigt wie folgt begonnen haben: „Trumpf, sagt der Kartenspieler, wir aber sagen Triumpf“

1845 Im Februar zersprang die große Glocke in hiesiger Kirche. Herr Rinker auf dem Hof Sinn unter Herborn hat die alte Glocke angenommen und eine neue dafür geliefert, welche fast 600 Pfund wiegt. Die Zubuße an Geld betrug fast 400 Gulden.

1859 Am 5. Juli wurde durch Herrn Superintendant Dr. Simon aus Gießen eine Kirchenvisitation abgehalten.

1859 Am 1. Okt. erhielt Pfarrer Johannes Schönhals eine jährliche Zulage von zweihundert (200) Gulden aus dem geistlichen Landkasten zu Gießen bewilligt.

1859 Am 14. Aug. zog der Pfarrer Kleberg zu Oberhörlen als erster Pfarrer nach Münzenberg in der Nähe von Gießen, die Pfarrei bis zur Ankunft des neuen Pfarrverwalters Eduard Koch (22. Okt. 1859) wurde von Pfarrer Johannes Schönhals als Vertretung verwaltet.

1862 Am 24. Aug. (10. So. nach Trinitatis) fand eine Kirchenvisitation durch Herrn Dekan Korndörfer aus Gladenbach statt.

1865 Am 16. Mai wurde durch den Superintendant Dr. Simon aus Gießen eine ordentliche Kirchenvisitation gehalten, der Gottesdienst war sehr gut besucht. Die Visitation war ohne Beanstandungen und viel zur Zufriedenheit aus.

1867 Am 11. Apr. wurden in Gladenbach die Geistlichen des Dezernats Gladenbach durch Dekan Krondörfer aus Gladenbach vereidigt.

1868 Der älteste Sohn des Pfarrers Johannes Schönhals, Ernst Schönhals (19.9.1833 Grebenau † 30.4.1903 Großen-Linden), 1858 Vikar in Armsheim, 1861 Verwalter des Pfarramtes in Waldmichelbach, 1862 Verwalter des Pfarramtes in Flonheim, 1863 Verwalter des Pfarramtes in Wolfsheim, 1864-1867 Vikar in Partenheim, dann 1864/65 in Waldmichelbach, wieder in Partenheim, 1867 Vikar in Ober-Eisenhausen und seit dem 1. Mai 1868 Pfarrer in Ober-Eisenhausen, 1881 Pfarrer in Allendorf an der Lahn und zweiter Pfarrer in Großen-Linden

1869 Am 1. Jan. wird Georg Schönhals (9.6.1835 † 13.3.1898 Holzhausen), der zweite Sohn des Pfarrers Schönhals, Pfarrer in Lixfeld (1869-1873) und Holzhausen.

1873 Auf Verfügung Seiner Exzellenz, des Kultusministers Dr. Falk wurde die Besoldung der Pfarrei, inclusive Wohnung auf 500 Taler erhöht, eine jährliche Zulage von 69 Talern aus der Staatskasse.

1876 Die Kirchenvorsteher Adam Müller II. und Johannes Theiß VI. müssten gemäß der Kirchengemeinde-Ordnung aus dem Kirchenvorstand austreten. Die Kirchengemeinde-Ordnung schreibt vor, dass man nach sechs Jahren als Kirchenvorstand sein Amt abzugeben hat.

1876 Bei der am 05. Jan. erfolgten Wahl wurden Adam Müller II. und Johannes Geil IV. durch Stimmenmehrheit neu gewählt und die Wahl durch den Synodalvorstand bestätigt.

1876 Am 06. Jan. starb der Kirchenvorsteher Daniel Reh (Alwatz), an dessen Stelle wurde am 27. Jan. der frühere Kirchenvorsteher Johannes Theiß VI. gewählt und die Wahl wurde bestätigt.

1877 Am 02. Dez. starb der Kirchenvorsteher Adam Müller II. an der Wassersucht. Nach der Kirchengemeinde-Ordnung mussten die beiden Kirchenvorsteher Jost Heinzel und Johannes Theiß VI. von Ihrem Amt abgeben. Bei der am 03. Dez. stattgefundenen Wahl, es waren drei Kirchenvorsteher zu wählen waren, wurden Jost Heinzel, Johannes Theiß VI. und Johannes Reh IV. gewählt.

1878 Am 13. Jan. (I. nach Epiphanias) wurde beim Hauptgottesdienst vor öffentlicher Gemeinde der am 01. Dez. 1877 wurden die drei gewählten Kirchenvorsteher, 1. Jost Heinzel, Bürgermeister, 2. Johannes Theiß VI. und 3. Johannes Reh IV. verpflichtet und in ihr Amt eingewiesen.

1880 Am 15.09.1880 wurde im Zimmermanschen Saal Gladenbach die Dekanatssynode abgehalten. Als Deputierte vertraten die Kirchengemeinde: 1. Pfarrer Schönhals und 2. Bürgermeister Jost Heinzel.

1880 Am 28. Dez. erfolgte die Wahl zweier Kirchenvorsteher und acht Gemeindevertreter.

1881 Am 28. Dez. (I. Epiphanias) werden die am 28. Dez. 1880 gewählten Kirchenvorsteher eingewiesen.

1883 Die Kräfte von Pfarrer Schönhals nahmen immer mehr ab, so dass er durch Unwohlsein seine Dienstgeschäfte nicht regelmäßig versehen konnte.

    1. Vakanz vom Sommer 1885 bis Okt. !886

Seit dem Sommer 1885 hat Pfarrer Schmidt aus Lixfeld größtenteils den Dienst in der vakanten Pfarrei versehen.

Der Pfarrer von Bergebersbach hielt regelmäßig Gottesdienst in Eibelshausen. Aber durch die Einrichtung der Pfarrei Oberroßbach 1818 verlor Bergebersbach seinen 2. Pfarrer und damit verlor auch Eibelshausen seinen Prediger für den Gottesdienst Dies hat die Gemeinde Eibelshausen nie richtig überwunden. Die Gemeinde Eibelshausen, die sich ständig vergrößerte und bestrebt eine eigene Pfarrei zu bekommen, nutzte wohl die Gelegenheit der vakanten Simmersbacher Pfarrei und stellte den Antrag, mit Simmersbach eine eigene Pfarrei zu bekommen und der Pfarrer von Simmersbach sollte jeden So. an beiden Orten predigen. Der Antrag scheiterte jedoch scheiterte an der Schwierigkeit der Ausführung

1885 Am 01. Nov. starb Pfarrer Johannes Schönhals, nachdem er 50 Jahre im Amt war und Freud und Leid mit der Gemeinde geteilt hatte. Am 04. Nov. fand die Beerdigung unter der Beteiligung der ganzen Gemeinde und mehrerer benachbarten Geistlichen statt. Dekan Schmidt zu Rodheim (Bieber) hielt die Predigt am Grabe.

1886 Die Pfarrgebäude, sowohl Haus als auch Scheuer, waren nach dem Tode von Pfarrer Johannes Schönhals in einem schlechten, wenn nicht erbärmlichen Zustand. Auf Anordnung des Königlichen Konsistori zu Wiesbaden musste das Pfarrhaus einer größeren Renovierung unterzogen werden. Dies geschah im Herbst 1886 vor dem Amtsantritt von Pfarrer Petry. Doch blieb vieles noch Renovier-Bedürftig, Die Dächer des Pfarrhauses und der Pfarrscheuer waren so schlecht, dass eine Ersetzung derselben nicht mehr zu verschieben war.

1886 Auf Antrag der Gemeinde Simmersbach und dem Wunsch von Pfarrer Petry ab dem 01. Okt. 1886 Pfarrer in Simmersbach, zieht am 21. Sept. 1886 ins Pfarrhaus ein und wird am 26. Sept. in seinen Dienst eingewiesen.

    1. 1886 – 1897 Johann Heinrich Wilhelm Petry

02.01.1859 in Hörbach, besucht von Ostern 1865 bis 1870 die Elementarschule Hörbach, ab 1874 die Realschule Herborn und von Ostern 1874 bis Herbst 1879 das Gymnasium Weilburg bis zur Maturitätsprüfung. Studierte Theologie von Herbst 1879 bis Ostern 1881 in Leipzig.

Ab 01. Apr. 1880 – 1881 Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger im 8. Inf. Reg. Prinz Johann Georg Nr. 107.Studierte ab Sommer 1881 in Marburg, vom Herbst 1881 bis Herbst 1882 in Erlangen.

Erste theologische Prüfung „pro licentia Conoionad“31 in Herborn, gehört dem Predigerseminar Herborn als ordentliches Mitglied bis Herbst 1889 an, zweite theologische Prüfung „pro ministerio“32, am 16. Dez. 1889 in der Hauptkirche Wiesbaden durch General Superintendant Dr. Ernst ordiniert, ab diesem Zeitpunkt Pfarrverwalter der Pfarrei Obereisenhausen (hat seit 01. Sept. 1883 als Kandidat in Obereisenhausen gearbeitet). Am 01. Apr. 1884 wird er zum Pfarrer ernannt.

1886 Der Kirchenvorstand, bestand beim Amtsantritt von Pfarrer Petry aus folgenden Mitgliedern: Johannes Theiß VI., Johannes Geil IV., Bürgermeister Adam Wagner VI. und Johannes Reh IV.

1886 Erneuerungswahlen des Kirchenvorstandes und der kirchlichen Gemeindevertretung am 14. Dez., die beiden ausscheidenden Kirchenvorsteher Johannes Geil IV. und Bürgermeister Adam Wagner VI. wurden wieder gewählt.

1887 Im Frühjahr wurde der Pfarrgarten33, neben Jacob Theiß III. (Schlessaschorems) Instandgesetzt. Die Gemeinde sorgte für Zaun und Garten, die Gartenerneuerung übernahm Pfarrer Petry. Das völlig verwahrloste Grundstück konnte so nicht genutzt werden. Die Kosten für die inneren notdürftigsten Arbeiten beliefen sich auf 106 Mark. Im gleichen Jahr wurde auch das Gärtchen vor dem Pfarrhaus neu angelegt, da Mauer und Gärtchen neben dem Pfarrhause vollständig zerfallen waren, wurden diese von Grund auf neu hergerichtet.

1887 Ende des Jahres beschloss der Kirchenvorstand auf Antrag seines Vorsitzenden einen Sylvester-Gottesdienst und den Wechsel der Jahre (nachts 12 Uhr) durch Läuten der Kirchenglocken der Gemeinde anzumelden. Der Gottesdienst wurde am Silvesterabend um 19 Uhr zum ersten Male gehalten und die Glocken läuteten ebenfalls zum ersten Male den Beginn des neuen Jahres ein.

1888 Am 09. März starb Seine Majestät Kaiser Wilhelm I.34, auf Anordnung des Königlichen Konsistoriums zu Wiesbaden wurde 14 Tage mittags von 12 – 1 Uhr mit den Kirchenglocken geläutet. Der Trauergottesdienst wurde auf Kaiser Wilhelms I. Geburtstag am 22. März vormittags um 10 Uhr in der Kirche gehalten.

1888 Nach dem Tode Kaiser Wilhelms I. wurde sein Sohn Kaiser Friedrich III.35 Kaiser, aber nur 99 Tage, er starb am 15. Juni an Kehlkopfkrebs. Nach seinem Tod läuteten 14 Tage mittags von 12 – 1 Uhr die Kirchenglocken aus Anordnung Königlichen Consistori. Der Trauergottesdienst wurde am 24. Juni (4. So. nach Trinitatis) gehalten.

1888 Am Kirchturm musste eine Reparatur vorgenommen werden, der Mastbaum war oben verfault und das Kreuz drohte herunterzufallen, Kosten betrugen 74 Mark.

Die Pfarrscheune wird auf beiden Seiten mit Schiefer gedeckt, das alte Strohdach war nicht mehr zu reparieren, die Rechnung für das schieferdecken des Daches lag bei 526 Mark.

1889 wurde das „Gesangbuch für die Evangelische Kirche im Großherzogtum Hessen“ eingeführt, das alte Gesangbuch wurde nur noch gelegentlich benutzt.

1889 Seit seinem Antritt versucht Pfarrer Petry, die bisherige Unsitte des üblichen Leichenschmauses abzustellen. Er konnte den Kirchenvorstand und die kirchliche Gemeindevertretung, als auch den Gemeinderat für die gänzliche Beseitigung dieser, seiner Meinung nach „Unsitte“ zu überzeugen. Ab März 1889 wurde der sonst übliche „Leichenschmaus“ nicht mehr begangen.

1889 Erfolgte die Trennung der niederen Kirchendienste (Glöckner und Küster) von dem Schuldienst. Die Dienstleistungen eines Glöckners und Küsters wurden dem Polizeidiener Johannes Theiß VIII. für eine jährliche Vergütung von 44 Mark übertragen, für Organisten- und Vorsängerdienst wurde auf Antrag des Lehrers Hofmann eine jährliche Vergütung von 68 Mark festgesetzt.

1889 Erneuerungswahlen des Kirchenvorstandes und der kirchlichen Gemeindevertretung am 30. Dez., die beiden ausgeschiedenen Mitglieder des Kirchenvorstandes Johannes Theiß VI. und Johannes Reh IV. wurden wiedergewählt

1889 Der liturgische Heilig-Abende-Gottesdienst in der Kirche wurde zum ersten Male unter einem geschmückten Weihnachtsbaum gefeiert. Die Heilig-Abend-Feier wurde von der Gemeinde sehr gut aufgenommen.

1890 Im Frühjahr wurde das Pfarrhaus auf beiden Seiten mit Schiefer neu eingedeckt, das Königliche Consistorium Wiesbaden bewilligte für die Reparatur aus dem Zentralkirchenfonds 500 Mark. Der untere Giebel der Pfarrscheuer wurde mit Schiefer beschlagen und das Fachwerk der Scheune ausgebessert und erneuert.

1890 Am 02. Juni 1890 schlug abends 1/2 8 Uhr ein Blitz in den Kirchturm ein, aber es kam zu keinem Brand. Der Turm war auf einer Seite stark beschädigt und der Schaden, verursacht durch den Blitzeinschlag, belief sich auf 890 Mark und wurde, soweit durch den Blitzschlag verursacht, aus der Nassauischen Brandkasse gedeckt.

1892 Simmersbach feiert am 11. Sept. 1892 zum ersten Mal ein Missionsfest im Pfarrgarten. Dorf und Festplatz wurden am Tage vor dem Feste Maße geschmückt. In der Morgenfrühe hing der Himmel noch voller Regenwolken und etwas später ging ein feiner Nebelregen auf den Pfarrgarten nieder. Doch mit den Glocken, die zum Fest riefen, füllte sich der Pfarrgarten mit über 1.000 Besuchern und der Regen versiegte.

Es predigten Pfarrer Heckenroth (Niederdresseldorf) schilderte die Aufgaben der Mission, Pfarrer Löhr (Hohensolms) hielt am Nachmittag eine volkstümlichen Predigt und Pfarrer Hahn (Hirzenhain) ermahnte die Gemeinde den Frieden Gottes mit nach Hause zu nehmen, beendet wurde das Fest durch Pfarrer Petry. Die Gemeinde war über das Missionsfest so begeistert und man fasste den Entschluss, das Fest jährlich zu wiederholen. Die Kollekte betrug 186 Mark

1893 Erneuerungswahlen der Kirchenvertreter und Gemeindevertreter am 21. Dez., die ausscheidenden Kirchenvorsteher Johannes Geil IV. und Bürgermeister Adam Wagner VI. wurden wiedergewählt.

1893 Der bisherige Kirchenvorsteher Lehrer a. D. Anton Dintelmann legt am 31. Dez. sein Amt nieder, zu seinem Nachfolger im Amt wird Daniel Theiß vom Kirchenvorstand und der Kirchengemeindevertretung gewählt und die Wahl vom Landratsamt in Biedenkopf bestätigt.

1893 Bürgermeister Adam Wagner VI. wird weltlicher Abgeordneter zur Kreissynode Gladenbach und stellvertretender Vorsitzender im Kirchenvorstande.

1893 Am 17. Sept. wurde das zweite Missionsfest, trotz Regen und Sturm in der Nacht gefeiert. Aber am So. schien die Sonne. Predigten und Ansprachen hielten Missionar Judt, der infolge von Kriegsunruhen aus Afrika (Hachanas im Namaland) zurückgekehrt war, Pfarrer Bergfeld (Frohnhausen Dill) und Pfarrer Schmidt (Lixfeld). Begleitet wird das Fest vom Posaunenchor aus Frohnhausen. Die Festkollekte betrug 150 Mark, die der Rheinischen Mission zugewiesen wurde.

1894 Am 29. Juli 1894 wurde das dritte Missionsfest bei gutem Wetter gefeiert. Am Vormittag predigte Pfarrer Hauhsen (Herborn) und am Nachmittag Pfarrer Löhr (Elberfeld). Die Festkollekte betrug 186 Mark und 14 Pfg., die zur Hälfte an die Rheinischen Mission und die Hermannsburger Mission überwiesen wurde.

1895 Der 15. Jan. wurde die evangelische Kirchengemeinde große Unruhe versetzt. Der abgesetzte Pastor Idel aus Velbert bei Elberfeld, der vom Königlichen Konsistorium zu Koblenz wegen gröblicher Beleidigung der evangelischen Geistlichen der Landeskirche seines Amtes enthoben worden war, hatte in das Dietzhölztal eine Evangelisationsreise unternommen.

Die mit dem Elberfelder Bruderverein sympathisierenden Gemeindeglieder haben den abgesetzten Pastor eingeladen. Er kam zu Pfarrer Petry in der Meinung, mit Genehmigung des Kirchenvorstandes oder Schulvorstandes in der Kirche oder im Schulsaale sprechen zu dürfen, wie dies kurz vorher in Eiershausen und Hirzenhain der Fall gewesen war. Die Vorstände aber hatten ein dahingehendes Ansuchen abgelehnt. So hielt der abgesetzte Pastor Idel am Abend des 15. Jan. 1895 in der Wohnung des Philipp Theiß (Deis) eine religiöse Versammlung ab, die nach Bericht methodistisch verlaufen ist.

Im Februar hielt Pastor Idels Nachfolger in Velbert, Hilfsprediger Fries, dieselbe „Evangelisationsreise“. Diese Reisen sollten allerdings auch noch für die betreffenden Prediger den nötigen Lebensunterhalt verschaffen. Die bei den Versammlungen erhobenen Kollekten haben sich in einzelnen Orten pro Versammlung auf 50 – 60 Mark berechnet. Hilfsprediger Fries hielt am 14. Feb. eine religiöse Versammlung in Simmersbach ab.

1895 Am 09. Juni feierte man jetzt schon zum vierten Male ein Missionsfest. Ansprachen und Predigten hielten Missionsinspektor Professor Plath (Berlin), Pfarrer Geibel (Dutenhofen) und Pfarrer Hachtmann (Oberhörlen) hielt das Schlußgebet. Die Festkollekte betrug 161 Mark und wurde zum Teil der Goßmerschen und der Hermannsburger Mission überwiesen.

1895 Der Schreinermeister Adam Klein II. (Hessels) fertigte für 56 Mark einen neuen Aktenschrank für die Pfarrei.

1895 Am 11. Aug. fand eine ordentliche Kirchenvisitation durch den königlichen Dekan des Dekanats Gladenbach Herr Schmidt in Rodheim a. d. Bieber statt, bei der der Visitator eine Ansprache hielt. Im Vormittagsgottesdienst erfolgte die Prüfung der konfirmierten Jugend (vom 14. bis 19. Lebensjahr), im Nachmittagsgottesdienst die der 4 obersten Jahrgänge der Schulkinder. Dekan Schmidt sprach in der nachfolgenden Kirchenvorstandssitzung seine vollste Zufriedenheit und Anerkennung aus. Er verließ Simmersbach mit den Worten: ,,Wegen meines vorgerückten Alters werde ich wohl in Simmersbach keine Kirchenvisitation mehr halten. Aber ich wünsche jedem meiner Nachfolger, dass es ihnen so gut in Simmersbach gefallen möge, wie es mir heute gefallen hat.“

1895 Am 01. Sep. fand eine kirchliche Feier der 25-jährigen Wiederkehr des Tages von Sedan36( statt.

1895 Im Okt. dieses Jahres wurde der Kirchengemeinde, auf Veranlassung des Pfarrers, von Gustav Jung (Neuhütte Ewersbach) und Ferdinand Jung (Steinbrücken) für die Kirche ein Ofen zum Geschenk gemacht. Der Ofen wurde am 29. Nov. 1895 aufgestellt und am Totensonntag in Gebrauch genommen. Die Kosten für den erforderlichen Schornstein und eines Hitzeschirmes betrugen 77,43 Mark.

1895 Erneuerungswahlen der Kirchenvorstände und Gemeindevertreter am 27. Dez.

1896 Mit einem Gottesdienst am 19. Jan. wird an die Gründung des deutschen Reiches37 vor 25 Jahren erinnert.

1896 Die Kirche ist reparaturbedürftig und durch große Opfer der kirchlichen Organe gelang es mit Genehmigung des Königlichen Consistoriums, das Gotteshaus im Inneren und Äußeren neu zu gestalten. Der vom Architekten L. Hofmann (Herborn) aufgestellte Kostenvoranschlag mit Plan belief sich auf 1.720 Mark.

1896 Am 12. April (So. nach Ostern) wurde der letzte Gottesdienst in der reparaturbedürftigen Kirch gehalten.

1896 Am 13. April wurde mit Arbeiten begonnen. Die Umänderungen wurden hauptsächlich im Altarraum vorgenommen. Der Kanzel gegenüber wurde die Bühne vorgerückt, damit 2 neue Bänke eingefügt werden konnten. Außerdem wurden sieben neue Fenster angeschafft in einfarbigem Kathedralglas mit schmalen farbigen Randstreifen und ermöglichen eine gute Ventilation. Zur Deckung der Kosten von 1.517,04 Mark wurde eine einmalige außerordentliche Unterstützung von 600 Mark bewilligt.

Die Reparaturarbeiten wurden ausgeführt von:

Maurerarbeiten durch Johannes Reh VI. (Meuasch)

Anstreicher- und Weißbindearbeiten durch Carl Vogt (Biedenkopf)

Fenster wurden von der Glaserei von Ritzel (St. Goarshausen) geliefert.

Schreinerarbeiten durch Adam Klein III. (Hessels).

Während der Reparatur wurde der Gottesdienst im Pfarrgarten abgehalten.

1896 Am 17. Mai (Exaudi) wurde in der neu restaurierten Kirche wieder der Gottesdienst abgehalten.

1896 Auf Beschluß des Kirchenvorstandes und der kirchlichen Gemeindevertretung werden ab den (Exaudi) die Kirchenplätze, die früher alle 6 Jahre neu verlost wurden, wieder freigegeben.

1896 Am 2. Aug. wurde das Missionsfest gefeiert, Ansprachen und Predigten hielten Pastor Petrenz (Elberfeld) und Pfarrer Krämer aus Dörsdorf. Da es den ganzen Tag regnete, konnte das Fest nicht im festlich geschmückten Pfarrgarten stattfinden, die Kollekte betrug 131,80 Mark.

1896 Am 14. Dez. traf die neue Orgel des Orgelbauers Raßmann aus Möttau bei Weilmünster ein. In der Woche vom 14. – 19. Dez. wurde die Orgel aufgestellt und am 20. Dez. (4. Advent), durch den Seminar-Musiklehrer Wolfram aus Dillenburg abgenommen und nach dem Nachmittagsgottesdienst durch Herrn Wolfram der Gemeinde in ihrer Wirkung vorgestellt. Die Kosten für die Orgel betrugen 2.300 Mark. Der Anstreicher Rapenns (Straßebersbach) führte den Anstrich mit Vergoldung für 32 Mark aus. Am 26. Dez. (2. Weihnachtsfeiertag) wurde die Orgelweihe mit einem Gottesdienst eingeweiht.

1897 Am 12. Jan. hielt Pfarrer Petry einen Vortrag über Pfennig Sparkasse. 31 Glieder der Gemeinde meldeten sich zur Beteiligung und es wurde sofort ein Vorstand gebildet und den darauffolgenden Freitag wurden Einlagen entgegengenommen. Das Amt des Kassierers übernimmt Pfarrer Petry, sein Stellvertreter ist Lehrer Moses.

1897 Am 14. Feb. wurde in der Kirche ein Gottesdienst zum Andenken an den 400. Geburtstag des Reformators Philipp Melanchthon38 gehalten

1897 Zur Erinnerung an den 100. Geburtstag Kaiser Wilhelm I. wurde am 24. März (Oculi) eine Gedächtnisfeier gehalten

1897 Am 8. Aug. wurde das Missionsfest gefeiert. Es predigten Pastor Kriele, Barmen und Pfarrer Schmidt, Michlen. Kollekte: 162,73 Mark und für 23,70 Mark wurden Missionsschriften verkauft.

1897 In der Sitzung am 5. Aug. wurde die bisherige Fruchtbesoldung in Geldbesoldung umgewandelt, wenn auch nur vorläufig auf zwei Jahre. Pro bewohntes Haus wird nun statt 1 Meste Korn – 3 Mark, statt 1 Meste Hafer – 1,50 Mark, zusammen 4,50 Mark bezahlt.

1897 Pfarrer Petry verlässt Simmersbach am 10. Okt. und Pfarrer Schmidt (Lixfeld) wurde die vorläufige Verwaltung als Specialvikar übertragen. Die Gottesdienste wurden abwechselnd von den benachbarten Pfarrern gehalten. Nachdem Pfarrer Schmidt sich um die vakante Pfarrstelle beworben hatte, übertrug das Königliche Konsistorium in Wiesbaden durch ein Dekret vom 29. Nov. 1887, Nr. 6254, Ihm die Pfarrstelle mit Wirkung vom 16. Dez. 1897.

1897 Am 19. Dez. (4. Advent) wurde Pfarrer Gotthold Schmidt durch Dekan Schmidt (seinen Vater) aus Rodheim a. d. Bieber eingeführt, dabei assistierten Pfarrer Hachtmann (Oberhörlen) und Pfarrer Grünstag (Berg-Ebersbach).

    1. 1897 – 1909 Gotthold Schmidt

10.12.1858 zu Gelnhaar im Kreis Büdingen, Sohn des Pfarrer Christof Schmidt und Anna Elisabeth geb. Lauber. Besucht die Volksschule Gelnhaar und Rodheim, wird nebenbei von seinem Vater im Latein unterrichtet. Wechselt im Sept. 1869 in das Privatinstitut des Pfarrers G. Chr. Dieffenbach und K. Euler in Schlitz. Besucht ab Ostern 1873 das Gymnasium in Wetzlar bis zur Abgangsprüfung Ostern 1879. Studiert anschließend 3 Semester Theologie in Gießen und 5 in Leipzig. Leistet ab Okt. 1879 bis 1880 in Gießen seine Militärpflicht beim 2. Großherzoglichen Hessischen Infanterie Regiment Nr. 116 (später Inf. Reg. Kaiser Wilhelm II.).

Ostern 1883 in Herborn die Prüfung zum pro „licentia Conoionadi“ wird am dortigen theologischen Seminar bis Ostern 1884 aufgenommen.

Verlässt im Juni 1884 Herborn und absolviert die Prüfung „pro ministerio“ in Wiesbaden, erhält unmittelbar nach der Prüfung am 28. Juni das Dekret, das ihn berechtigt am 1. Juli1884 die Pfarrstelle in Lixfeld zu übernehmen, wird am 29. Juni 1884 durch General-Superintendant Dr. Ernst in der Bergkirche zu Wiesbaden ordiniert und am 13. Juli 1884 durch seinen Vater als Pfarrer in Lixfeld eingeführt. Heiratet am 07. Okt. 1884 Karolina Elise Marie Katharina Seipel (†05. Februar 1860 in Wahlen, Kreise Alsfeld), Tochter des Pfarrers Friedrich Seipel (†1883 in Waldgirmes)

1898 Am 02. Februar starb Johannes Geil IV., er war fast 30 Jahre Kirchenvorsteher, als sein Nachfolger tritt Johannes Ciliox III. in den Kirchenvorstand ein.

1898 Am 19. Juni (2. So. n. Trinitatis) wurde wieder ein Missionsfest. Gefeiert, Festprediger der Dekan Schmidt (Vater des Pfarrers G. Schmidt) zu Rodheim und Pfarrer Walz zu Langgöns bei Gießen. Die Kollekte, welche für die evangelisch-lutherische Missionsanstalt zu Hermannsburg bestimmt war, betrug 112 Mark.

1898 Am Nachmittag des 18. Sep. (15. n. Tr.) wurde in Simmersbach das Jahresfest des Gustav-Adolf-Zweigvereins39 Gladenbach gefeiert. Pfarrer Ohly aus Breidenbach hielt die Festpredigt und Pfarrer Hachtmann von Oberhörlen erstattete den Jahresbericht. Die Kollekte betrug 40,30 Mark.

1898 Im Aug. 1897 wurde die zur Pfarrbesoldung gehörige Fruchtlieferung in Geld umgewandelt, vorläufig aber nur auf zwei Jahre. Der Kirchenvorstand und die kirchliche Gemeindevertretung beschlossen nun am 20. Dez., daß diese Änderung beibehalten werden solle. Man hielt sich aber die Möglichkeit offen, diese Änderung später wieder rückgängig zu machen und die Höhe der Geldnote je nach den bestehenden Fruchtpreisen zu ändern.

1898 Ende des Jahres scheiden Bürgermeister Adam Wagner und Johannes Ciliox III. aus dem Kirchenvorstand aus, beide wurden aber am 28. Dez. wiedergewählt.

1899 In der 2. Hälfte des Februars erkrankten hier fast alle Kinder und jungen Leute bis zu ihren 16 Jahren an den Masern. Die Schule wurde vom 21. Feb. bis zu den Osterferien geschlossen. Um festzustellen, wie viele Kinder krank seien, wurde eines Tages zur Schule geläutet. Von der Ober- und Mittelstufe kamen nur 2 Kinder. So., den 05. März. war von diesen Schulkindern nur eins im Gottesdienst. Gefährlich Kranke hat aber, Gott sei Dank, diese Krankheit nicht eingenommen.

1899 Am 01. April trat das Kirchengesetz über das Diensteinkommen der evangelischen Geistlichen im Kommissionalbezirk Wiesbaden vom 02. Juli 1898 in Kraft (Kirchliches Amtsblatt 1898, S. 37-46, 49-51, 65-88). Das am 01. Okt. vorhandene Einkommen der hiesigen Pfarrstelle wurde auf 1.293,58 Mark (1.328,08 Mark abzüglich 34,50 Mark Kosten) berechnet.

1899 Von dem Stelleneinkommen übernahm ich 8 Raummeter (rm) Buche Schnittholz á 5,80 Mark = 46,40 Mark und 3 rm Buche-Reiser á 1,40 Mark = 4,2 von 1.800 Mark. In die Alterzulagenkasse hat die Pfarrei jährlich 1.500 Mark zu zahlen. Alles, was zu diesem Betrag fehlt, erhielt sie bisher aus dem konsistorischen Zuschußfonds. Für das Rechnungsjahr 1899 z.B. 2.098 Mark.

1899 An die Konfirmation am 2. Pfingstfeiertag schließt sich herkömmlich die Abendmahlsfeier für die Neukonfirmanden an. Es war üblich, dass bei den Konfirmanden nur die Neukonfirmanden zum Abendmahl gingen. Dies wird in der Sitzung des Kirchenvorstandes vom 17. Jan. 1899 angesprochen. Man hielt es gut, wenn auch wenigstens noch die Eltern mit Ihren Kindern zum Abendmahl gehen und es den übrigen Gemeindegliedern freisteht, an dieser Abendmahlsfeier teilzunehmen. Dies wird der Gemeinde in nächsten Gottesdienst mitgeteilt, findet Anklang und wird ausgeführt.

1899 Am 7. So. n. Tr. (16.07.) wurde wieder ein Missionsfest gefeiert. Am Vormittag predigte Pfarrer Nies aus Mehlbach bei Friedberg und am Nachmittag Pfarrer Euler von Gießen. Die Kollekte betrug 156 Mark.

1899 Es hat sich ein Verein zur Förderung christlichen Lebens40 durch Bibel- und Erbauungsstunden gebildet. Die Mitglieder dieses Vereins weihten am 11. So. n. Tr. (13.08.) einen Betsaal ein in dem neu erbauten Hause des Schreiners Adam Simon (Simons).

1900 Gemäß dem Beschluss unserer Kreissynode von 1899 wurde vom Königlichen Konsistorium am 04. Aprz.1899 verfügt, dass mit dem 01. Apr. 1900 für die Kirchenrechnungen und Voranschläge statt des seither gebräuchlichen Formulars das im früheren Herzogtum Nassau gebräuchliche eingeführt wird. Gleichzeitig wird auch unsere Rechnungsperiode geändert. Diese begann seither am 01. Jan. und dauerte 3 Jahre, jetzt beginnt sie ab dem 1. Apr. und dauert nur ein Jahr. Die Wertpapiere der Kirche und Pfarrei werden zurzeit in einem doppelt verschlossenen Kasten im Pfarrhaus aufbewahrt, durch die Einführung des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGG) wird ab dem 01. Jan.1900 die Sichtung geändert. Der Kirchenvorstand am beschließt am 21.Jan. diese bei der Nassauischen Landesbank zu Wiesbaden zu hinterlegen und dieser Beschluss wird zeitnah in die Tat umgesetzt. Bei der Rücksendung der Voranschläge für die Kirche und Pfarrei für 1900 verfügte das Königliche Konsistorium am 03. April 1900, daß künftig die Beträge für kirchliche Zwecke, die bisher unmittelbar von der Zivilgemeinde gezahlt wurden, künftig über die Kirchenkasse laufen sollen. Es handelt sich um etwa 280 Mark, dies kam aber erst am 01. Apr. 1901 umgesetzt werden. Der Landesausschuß zu Wiesbaden bewilligte im Frühjahr der hiesigen Gemeinde 200 Mark für Unterhaltung der Vicinalwege41

1900 Das Missionsfest wurde am 22. Juli (6. So. n. Tr.) gefeiert. Die Predigt wurde gehalten von Missions-Direktor Haccios zu Hermannsburg und Pfarrer Bücking zu Lohra.

1900 Nach einer Bekanntmachung des Amtsgerichts zu Biedenkopf im Amtsblatt der Königlichen Regierung ist das Grundbuch mit dem 12. Nov. des Jahres als angelegt anzusehen.

1901 Im Frühjahr 1900 starb der Leichenbeschauer Heinrich Theiß III. Die Stelle wurde durch den Leichenbeschauer zu Roth mitversehen, bis im Frühjahr 1901 der Schreiner Wilhelm Theiß II. dies Amt übernahm.

1901 Am 22. Sep. (16. So. n. Tr.) wurde Missionsfest gefeiert. Festprediger waren Pfarrer Bartels aus Berkhausen in der Provinz Hannover und Pfarrer Weber aus Langgöns bei Gießen. Die Kollekte betrug 212,50 Mark.

1901 Mit Ende des Jahres scheiden Johannes Reh IV. und Johannes Theiß VI. aus dem Kirchenvorstand aus. Johannes Reh IV. wurde wiedergewählt. Johannes Theiß VI. wird auf seinem Wunsch wegen seines hohen Alters (77 1/2 Jahre) nicht wiedergewählt, an seine Stelle tritt Adam Reh.

    1. 1909 – 1914 Wilhelm Friedrich Rehberg

* 20. Sep. 1881 Haarburg an der Elbe

Nach dem zweiten theologischen Examen arbeitete er als Erziehungshelfer in einem Rettungshaus bei Wiesbaden. Ordination am 22. März 1908. Vikariat ab 1908 in Weilburg, Kettenbach und Heddernheim. Pfarrvikar in Arnoldshain ab 1908. Pfarrvikar in Simmersbach und seit 1901 Pfarrer. Ab 1914 bis 1931 Pfarrer in Niederweidbach, anschließend von 1932 bis 1944 Pfarrer in Usingen 42

1910 Einweihung des Gedenksteines an der Philippsbuche am 11. Sept 43

Mit den frohen Festklängen von „Allein Gott in der Höh‘ sei Ehr‘!“ begann gegen ½ 2 Uhr der Gottesdienst in der kleinen schmucken Dorfkirche. Die Liturgie hielt der Ortsgeistliche, Pfarrer Rehberg, mit Verlesung der Epistel vom 16. So. nach Trinitatis, Epheser 3, 13-21. Der Festpredigt des Pfarrers Balzer von Eckelshausen (Vorsitzenden des Geschichtsvereins Biedenkopf), des verdienten Leiter des Festes, lagen des Landgrafen Philipp Trostspruch: „Hoffnung läßt nicht zuschanden werden“ (Römer 5, 5)

Und sein Wahlspruch: „Des Herrn Wort bleibet in Ewigkeit“ (1. Petrie 1, 25) zugrunde. Das Lutherlied, gesungen von der Festgemeinde, rahmte die Predigt ein.

1909 Da die große, im Jahre 1845 von der Firma Rinker (Sinn) gegossene Glocke zersprungen ist und zu einem des Gottesdienst-Geläute unbrauchbar wurde, wird nach Beschluss der kirchlichen und bürgerlichen Gemeindevertretung vom 15. Feb. die Glockengießerei F. W. Rinker (Sinn) mit dem Gießen einer neuen und dem Drehen der kleinen Glocke beauftragt. Die neue Glocke trägt den Spruch Hebr. 13,8, wiegt 263 kg und wurde am 29./30. März unter Leitung eines Monteurs aus Sinn durch die äußere Wand in den Glockenstuhl zum Aufhängen gebracht. Zu den Gesamtkosten für Glocken 458 Mark, 10 Pfg. wurden der Gemeinde auf ihr Gesuch vom 01. Apr. 1909 vom Königlichen Konsistorium zu Wiesbaden 200 Mark aus den Mitteln des Zentralkirchenfonds bewilligt.

1914 Die im Vorjahr begonnene halbseitige Dachreparatur wird ausgeführt. In der Kirche wird der Schornstein für den Ofen tiefer gemauert und der Ofen aus der Mitte der Kirche an die Wand gerückt, die Fortsetzung weiterer Arbeiten werden jedoch durch die Kriegs-Ereignisse verhindert.

    1. 1914 – 1920 Wilhelm Gustav Loew

* 20. Juli 1887 in Camberg, † 18. Dez. 1977 in Saarbrücken

Theologe und Arzt, ∞1914 Elisabeth Maria Naumann (*1894-†1980),

Kinder:: Henriette (*1915), Friedrich (*1920), Marianne (*1922), Martin (*1924), Konrad (*1925), Christoph (*1929)

Besucht das Gymnasium Dillenburg, 1906-1909, Studium der Philosophie in Freiburg/Breisgau und der Theologie in Halle und Marburg, 13. Okt. 1909 Erstes Theologisches Examen in Herborn, 1910-1911 Vikar in der reformierten Gemeinde in Frankfurt/Main, 24. März 1911, 2. Theologisches Examen in Wiesbaden, 1912-1913 Militärdienst, 9. Nov. 1913 Ordination in Dotzheim, 1913 Synodalvikar44 in Hachenburg, 1913-1914 Hilfsprediger in Grävenwiesbach, 1914 Lic.45 theol. in Marburg, Von 1915-1918 Feldgeistlicher im Ersten Weltkrieg, 1920-1927 Pfarrer in Remscheid, 1927-1937 Pfarrer in Trarbach, 1937 Versetzung in den Ruhestand, 1937-1939 Studiendirektor des Predigerseminars in Düsseldorf, 1939-1940 Beschäftigungsauftragter in Heerdt-Oberkassel, 1940-1945 Krankenhausseelsorger in Graz; Studium der Medizin, 1945 Dr. med. in Graz. Von 1945-1950 Volontärarzt im Diakonissenkrankenhaus Graz, 1950-1963 Lehrtätigkeit in der Praktischen Theologie an der Universität Mainz, 1954 Ernennung zum Honorarprofessor, 1958-1963 zugleich Lehrtätigkeit an der Universität des Saarlandes, 1961 Dr. theol. h.c. in Bonn, 1963 emeritiert, 1973 Umzug nach Saarbrücken46

1914 Am 2. Aug. wurde morgens um 9 Uhr bei einem ungewöhnlich starken Kirchenbesuch eine Predigt gehalten. Mittags um 14 Uhr hatte Pfarrer Loew die Vertretung in Gönnern (die Pfarrei Obereisenhausen war unbesetzt) und hielt das Heilige Abendmahl mit den Einberufenen und ihren Angehörigen. Abends um 20 Uhr wurde das Abendmahl in Simmersbach gefeiert. Der Besuch des Abendmals Kirche war so gut besucht wie sonst nie, denn am nächsten Tag mussten sich Einberufenen von Ihren Familien verabschieden.

1914 Für Mittwoch, den 5. Aug. wurde ein allgemeiner Bettag angeordnet

1914 Seit dem 12. Aug. wird regelmäßig Mittwochsabend um 9 Uhr eine Kriegsbetstunde in der Kirche gehalten. Dabei wird ein Lied gesungen, ein längerer Schriftabschnitt verlesen und ein Gebet gesprochen

1914 Pfarrer Loew wird während seiner Abwesenheit durch Pfarrer Lindenbaum, Oberhörlen, Pfarrer Kranz, Lixfeld und Pfarrer Huth, Eibelshausen vertreten, außerdem predigt manchmal ein Gemeinschaftspfleger aus Herborn. Die Konfirmanden mussten zur Konfirmandenstunde zuerst nach Lixfeld und später nach Oberhörlen gehen.

1916 Pfarrer Wilhelm Loew war bis Ende 1916 als Unteroffizier und Offizier beim Frontheer und dann bis zum Ende des Krieges als Feldgeistlicher bei einer Division. Er kam Anfang Jan. 1919 aus Berlin wieder zurück nach Simmersbach.

1917 Die 1909 gegossene Glocke hat am 13. Juli 1917 bei der Beerdigung von Jakob Wagner I. zum letzten Mal geläutet.

1919 Zum ersten Mal seit 1913 wurde am 24. Aug. wieder ein Missionsfest gefeiert

1920 Das Missionsfest wurde am 13. Juni gefeiert, die Festkollekte am 13. und 14. März 1920 betrug über 1.200 Mark.

1920 Am 14. März, wurde für die im Krieg gebliebenen ein Gedächtnisgottesdienst und für die aus Gefangenschaft Heimgekehrten ein Dankgottesdienst gehalten. Sieben Männer sind aus der Gefangenschaft heimgekehrt, die Vermissten werden zu den Gefallenen im Krieg gezählt.

1920 Anfang Februar 1920 wird Pfarrer Loew in Remscheid zum Pfarrer gewählt und hat dieses Amt am 1. Juli 1920 angetreten. Nicht die schwierigen Gemeindeverhältnisse in Simmersbach sind der Grund für die Aufgabe des Amtes, sondern der der Wunsch nach einer größeren Tätigkeit in städtischer Gemeinde.

1920 Die Gemeindevertretung und der Kirchenvorstand haben Erkundungen über Synodalvikar Schulz in Herborn während der letzten Amtswochen von Pfarrer Loew eingeholt.

Synodalvikar Schulz wurde angefragt, ob er nach Simmersbach kommen würde, um nach dem Frei werden die Stelle als Pfarrer oder zunächst als Verwalter zu übernehmen.

Nach einigen Verhandlungen hat Synodalvikar Schulz dem Wunsch der Gemeinde entsprochen und wurde ab dem 1. Aug. 1920 als Pfarrverwalter bestellt.

    1. 1920 – 1926 Adolf Schulz

Adolf Schulz *21. März 1886 im Taunus. Ein begonnenes Theologiestudium musste er 1914 wegen des Einzugs zum Kriegsdienst unterbrechen, schloss es aber 1920 ab. Im Jan. 1922 trat er seine erste Pfarrstelle in Simmersbach an; 1926 wechselte er nach Krumbach. 1931 zog er mit seiner Familie nach Harpstedt, wo er am 22. Dez. seine Antrittspredigt hielt und bis zu seinem Tode am 2. Sept. 1935 Pfarrer war. 47

1921 Das Kriegsmahnmal (Gedenkstein) vor der Kirche wird eingeweiht und soll als Erinnerung für die opferreiche Zeit des Weltkriegs 1914 – 1918 bleiben.

1921 Dem Wunsch der Vereinsmitglieder entsprechend wurde der „Gemeinschaftsverein Simmersbach“48, im sich die einzelnen Vereine zusammen fanden, gegründet und eingetragen. Es wurde beschlossen, ein neues Vereinshauses im Girmesbach zu bauen. Durch Engagement und Fleiß haben Jung und Alt, Männer und Frauen, mitgeholfen, dass im Herbst in kurzer Zeit der Bau bis aufs Dach vollendet war. Die rauen Steine wurden am kleinen Böll gebrochen und, das erforderliche Baumaterial wurde per Achse und mit der Hand von Eibelshausen transportiert, da dort die Maul- und Klauenseuche49 herrschte.

1921 Am 27. Okt. wurden Dachziegel an der Bahn abgeholt und die schon angefahrenen Dachziegel auf die Dachlatten gelegt. Am Abend des 27. Okt. kurz nach Fertigstellung bricht das Vereinshaus in sich zusammen. Bei diesem Unglück wird Rosine Becker (22.12.1905 †27.10.1921), Tochter von Eduard und Elisabeth Becker, geb. Wagner, tödlich verletzt und Lenchen Weigel aus Oberhörlen, die in „Liersch“ diente, erlitt einen schweren Beckenbruch.

1921 Am dem darauffolgenden So., den 30. Okt., wird Rosine Becker, die nur 15 Jahre alt wurde, unter außerordentlich großer Beteiligung von Pfarrer Schulz beerdigt. Lenchen Weigel war schnell wieder genesen. Waren die Opfer auch außerordentlich schmerzlich, so mussten wir dem Herrn noch sehr danken, dass er es noch so gnädig hat abgehen lassen, da man im ersten Augenblick dachte, es müssten mindestens 15 – 20 Menschen bei diesem Unglück tot sein. Das Vereinshaus wurde wieder aufgerichtet und zu einem späteren Zeitpunkt eingeweiht.

1921 hat der Posaunenchor unter der Mitwirkung Pfarrer Schulz und großer Opferbereitschaft der Mitglieder 10 Hörner angeschafft.

1921 Die Zahl der Mitglieder im „Gemeinschaftsverein Simmersbach“ wurden immer mehr und es wurde ein Männerchor gegründet. Ende 1921 hatte der Männer- und Jünglingsverein bereits 55 Mitglieder, der Jungfrauenverein ca. 35 Frauen und Mädchen und es folgte ein Zusammenschluss aller in einen Männer- und Jünglingsverein. Den Männerchor leite zunächst der Pfarrer, etwas später lernte Reinhard Kuhn (Hirte) Harmonium zu spielen um den Chor zu leiten. Für die Mädchen wurde ein Jungfrauenverein in Leben gerufen, in der Frau Pfarrer Loew schon früher den Grundstein gelegt hatte und an zu laxer Haltung scheiterte. Heinrich Clemens VI. hat sich sehr um die Jugend verdient gemacht, Stützen waren der Posaunendirigent Karl Rein (Felde Karl) und Albrecht Geil (Orems).

1921 Im Kriege musste eine Glocke geopfert werden50. Nach dem Krieg wurden bei der Fa. Rinker in Sinn zwei neue Glocken bestellt, so dass Simmersbach nun seit dem Herbst 1921 drei Kirchenglocken hatte und zum ersten Mal über Simmersbach ein Dreigeläut erscholl. Der finanzielle Aufwand für zwei neue Glocken war mit 20.000 Mark nicht unerheblich. Es musste außerdem ein kompletter Satz neuer Orgel-Prospektpfeifen – ebenfalls im Krieg geopfert – für 5.000 Mark bestellt und eingebaut werden.

1921 Am 6. Aug. wurde das Mahnmal für die Opfer des Krieges (Gedenkstein) vor der Kirche beschafft und als bleibendes Erinnerungszeichen für die opferreiche Zeit des Weltkriegs 1914 – 1918 eingeweiht, die Weiherede hielt Pfarrer Schulz. Der Platz vor der Kirche, vor der neuen Gestaltung unansehnlich, wurde unter Beteiligung des Bürgermeisters Reinhard Blecher, des Försters Albert Reh (Clämels), der Vor- und diesjährigen Konfirmanden und des Pfarrers in einen freundlichen Ort verwandelt. Diese Leistungen sind direkt oder indirekt im Interesse der Kirche zur Hebung des kirchlichen und dörflichen Bewusstseins erstellt worden. Besonders weitblickend und tatkräftig unterstützte diese Bestrebungen der Bürgermeister, Reinhard Blecher, ein gebürtiger Fischelbacher und Ehemann von Berta Schönhals, die Enkelin des Pfarrers Schönhals.

1922 Nach Verhandlungen zwischen Kirche und Staat wurde wieder die Besetzung kirchlicher Stellen mit Kriegsteilnehmern freigegeben und nach einstimmiger Wahl wurde Pfarrer Schulz ab 1. Jan. 1922 als Pfarrer angestellt.

1922 Unter mancherlei Schwierigkeiten wurde das Vereinshaus wieder mit großen Opfern aufgebaut und am 1. Advent 1922 eingeweiht, die Festpredigt hielt Herr Pfarrer Jäger.

1923 Vom 20. März 1923 wurde das Vereinshaus durch den Schlackenverkauf an Wilhelm Jacobi (Lenze), die Schlacken wurden von den Mitgliedern gesammelt und gewaschen und auf einer Wiese von Christian Hinn (Schmitz) gelagert, schuldenfrei. Nun hat die Jugend ein Heim und die Gemeinde ein Haus für viele kirchliche Veranstaltungen. Als nächstes ist geplant, das Kircheninnere zu verschönen.

1925 Die Kirche wird innen neu gestrichen, die Hälfte der entstandenen Kosten wurde über eine einmalige Sammlung im Ort gedeckt.

1925 Das Monumentalbild „Leonardo da Vinci“ wurde als Gedenkzeichen, angeregt durch den Pfarrer, durch freiwillige Gaben gestiftet und zum Gedenken für die gefallenen Söhne und Brüder am ersten Volkstrauertag überreicht

1926 Auf den gelegentlichen Dienst von Pfarrer Schulz bei einer Vakanz in Krumbach hat diese Gemeinde auf die Zusage von Pfarrer Adolf Schulz, zu ihr zu kommen, auf weitere Bewerbungen und eine Wahl verzichtet und mit einstimmigen Beschluss um seine Versetzung gebeten, was zum 1. Okt. 1926 bewilligt wurde.

Am 10. Okt. feiert Pfarrer Schulz das Erntedankfest und verabschiedet sich von Simmersbach und zieht am 19. Okt. 1926 mit seiner Familie nach Krumbach.

1926 Nach dem Abschied des Pfarrers Adolf Schulz von Simmersbach nach Krumbach im Okt. 1926 wurde Richard Rumpf, aus Rambach bei Wiesbaden, als Pfarrverwalter nach Simmersbach versetzt, um auf Wunsch des Landesbischofs die Pfarrstelle zunächst versuchsweise verwalten.

    1. 1926 – 1929 Richard Rumpf

5. Nov. 1900 in Heckholzhausen (Oberlahnkreis), Sohn des Pfarrers Reinhard Rumpf

besucht das Gymnasium in Montabaur (Westerwald) bis zum Abitur. Studiert Theologie in Bonn und Marburg, erstes. theologisches Examen im Herbst 1923, besucht ein Jahr das Predigerseminar in Herborn, zweites theologisches Examen Ostern 1925. Vikar in Hohenstein (Taunus), ernannt als Hilfsprediger der Kirchengemeinde Sonnenberg (mit Wohnsitz in Rambach) bis zum 15. Feb. 1926 und wird am 21. Feb. 1926 in Niederbachheim ordiniert.

Bei seinem Amtsantritt hielt der bestehende „Gemeinschaftsverein Simmersbach“ halten regelmäßig Vereinsabende ab. Von den Jugendlichen gehören dem Jünglingsverein 34 und dem Jungfrauenverein 48 Mitglieder an. Die Gesamtzahl aller Jugendlichen im Alter von 14 – 21 Jahren liegt bei 108 Personen, davon gehören zum

1.) kirchlichen Jünglingsverein 26
2.) kirchlichen Jungfrauenverein 34
3.) freikirchlichen Jünglingsverein 17
4.) freikirchlichen Jungfrauenverein 18
5.) keinem Verein angehören, männlich 12
6.) keinem Verein angehören, weiblich 1

1926 Bei der Weihnachtsfeier am 19. Dez. wurde von den Kindern in der Kirche Spitta’s Weihnachtsspiel aufgeführt. die beiden Lehrer haben dieses Spiel mit den Kindern eingeübt.

1926 Am 24. Dez. wurde abends ein liturgischer Gottesdienst in der Kirche mit Predigt unter dem brennenden Christbaum gefeiert.

1927 Am 16. Jan. 1927 fand eine Gemeinschaftskonferenz im Vereinshaus mit Bibelbesprechung, Gebetsgemeinschaft und Abendmahlsfeier statt. Die Konferenz leitete Pfarrer Huth (Eibelshausen), Teilnehmer waren Pfarrer Rumpf, Kaufmann Klingelhöfer (Dillenburg) und Gemeinschaftspfleger Link (Mandeln).

1927 Der Bundesgauwart Keller (Feudingen) hält vom 15. – 20. März 1927 eine Evangelisation in der Kirche.

1927 Nach einigen Monaten in Simmersbach hat sich Pfarrer Richard Rumpf fest anstellen lassen und wird am 1. Apr. 1927 zum Pfarrer ernannt.

1927 Dekan Lehr aus Gladenbach hält am 1. Mai eine Kirchenvisitation, der Bescheid des Landesbischofs lautete: „Ich freue mich über den Verlauf und die Ergebnisse der stillen Kirchenvisitation und spreche dem Pfarrer Rumpf meinen Dank für seine Treue aus. Gott erhalte ihm die Kraft und Freudigkeit zu seinem Dienst an der Gemeinde.“

1927 nach einem Festzug durchs Dorf am Jugendsonntag (26. Juni 1927), voran die Posaunen und die Schuljugend, wurde im Vereinshaus das Pfingstspiel von Spitta von den Kindern aufgeführt, auf das Spiel der Schuljugend führten die Kleinsten einen Elfenreigen vor.

1927 Am 31. Juli wird im Pfarrgarten bei schönem Wetter das Missionsfest gefeiert. Festprediger sind Missionar Dassel (Barmen) und Dekan Brandenburger (Dillenburg). Die Kollekte für die Rheinische Mission betrug 315 Mark.

1927 Am 11. Dez. 1927 findet eine Gemeinschaftskonferenz statt. Die Konferenz leitet Pfarrer Huth (Eibelshausen), weitere Teilnehmer sind Pfarrer Rumpf, Gemeinschaftspfleger Link (Mandeln) und Lehrer Müller (Wissenbach).

1927 Bei der Weihnachtsfeier der Kinder am 18. Dez. in der Kirche wurde von den Kindern das Weihnachtsfestspiel „Ehre sei Gott“ von Dr. Herrmann Vortisch (18. Juni 1874 †2. Mai 1944) aufgeführt.

1928 Paul Lehr (Gladenbach) führt am 4. Jan. den Film „Glaube und Heimat“ in der Kirche vor.

1928 Vom 15. – 19. Februar hält Prediger Ruprecht (Plochingen/Württemberg) eine Evangelisation in der Kirche ab.

1928 Am 27. Juli wird das Missionsfest gefeiert, Festprediger sind Pfarrer Werner (Eisemroth) und Pfarrer Burmeister (Haiger). Die Kollekte für die Rheinische Mission beträgt 285 Mark.

1928 Wegen einer Masern-Epidemie unter den Kindern konnte der Jugendsonntag erst am 19. Aug. gefeiert werden. Nach dem Festzug wurden auf dem Hohen Rain zwei Bilder aus dem Leben des Apostels Paulus und ein Elfenreigen aufgeführt.

1928 Am 2. Dez. wird wieder eine Gemeinschaftskonferenz abgehalten, geleitet von Pfarrer Hanstein (Hirzenhain), weitere Teilnehmer sind Pfarrer Rumpf und Gemeinschaftspfleger Landskron (Steinbrücken), Abends wird ein Familienabend über die Mission gehalten.

1928 Vom 6. bis 12. Dez. hält Bundesgauwart Keller (Feudingen) im Vereinshaus einen Bibelkursus mit Bibelstunden und Evangelisationsvorträgen.

1928 Bei der Weihnachtsfeier der Kinder am 16. Dez. in der Kirche wird das Weihnachtsspiel von Dr. Herrmann Vortisch (18. Juni 1874 †2. Mai 1944) „Jesu unser Heiland“ aufgeführt.

1928 Nach dem Silvester-Gottesdienst in der Kirche die Silvester wird anschließend im Vereinshaus, der Pfarrer hält eine Ansprache, mit einem etwa dreistündigen Programm mit 45 Nummern aufgewartet, gefeiert.

1929 Paul Lehr aus Gladenbach führt am 2. Jan. den Lutherfilm51 in der Kirche vor.

1929 Die Beteiligung der Jugendlichen an den kirchlichen Abendmahlsfeiern ist sehr gering. Besonders deutlich wurde dies bei dem Jugend-Abendmahl Pfingsten 1929 (19. Mai), da von den 60 Jugendlichen des „Gemeinschaftsverein Simmersbach“ feierten nur 4 Mädchen das Abendmahl. Die Geringschätzung des Abendmahls nimmt in den letzten Jahren unter den Erwachsenen in auffallender Weise stetig zu, diese Klagen werden aber im ganzen Dillkreis geführt.

1929 Am 28. Juli war Missionsfest, Festprediger waren: Pfarrer Schüssler (Driedorf) und Pfarrer Neuenburg (Oberroßbach), die Kollekte für die Rheinische Mission betrug 280 Mark.

1929 Pfarrer Richard Rumpf war mit den kirchlichen und religiösen Verhältnisse unzufrieden und er bewarb sich um die freigewordene Pfarrstelle in Altenweilnau (Taunus). Er wurde von der Landeskirchenregierung mit Wirkung vom 16. Sept. 1929 zum Pfarrer von Altenweilau (Kreis Usingen) ernannt

1929 Pfarrer Richard Rumpf hielt nach nur 3 Jahren am 8. Sept. 1929 seine Abschiedspredigt

1929 Im Okt. 1929 wurde Pfarrer Heinrich Hartmann nach Simmersbach versetzt und zog am 30. Okt. mit seiner Frau ins Simmersbacher Pfarrhaus ein.

    1. 1929 -1932 Heinrich Hartmann

11. Juli 1900 in Höchst, Sohn des Chemikers Dr. Christoph Hartmann besucht das Gymnasium in Höchst, studierte in Marburg – Tübingen – Marburg, Besuch des Herborner Seminars, nach vorübergehender Vakanz in Wiesbaden (Erziehungsheime auf dem Geisberg) und Oberauroff, Hilfsprediger in Straßebersbach.

1929 Am 31. Okt. abends um 8 Uhr wurde Pfarrer Hartmann in der Kirche durch Dekan Lehr (Gladenbach) unter Assistenz von Pfarrer Weber (Straßebersbach) in sein neues Amt eingeführt.

1930 An der Gemeinschaftskonferenz im Vereinshaus am 19. Jan. mit Abendmahl nahmen 49 Personen teil. Pfarrer Hartmann teilte das Abendmahl erst aus, als er seinen Talar angezogen hatte, dies sorgte für eine „heimliche“ Entrüstung. Entgegen Dekan Lehrs Meinung und gegen die Kirchenverordnung wurde das Abendmahl, jedoch mit Zustimmung des Landesbischofs, im Vereinshaus abgehalten.

1930 Die Aufnahme der Neukonfirmierten in den „Gemeinschaftsverein Simmersbach“ wurde am 4. Mai mit einem Empfangsabend gefeiert. Es wurde ein buntes Programm geboten, darunter auch ein Bauernschwank, der zwar Heiterkeit erregte, aber „hintenherum“ für Entrüstung über den gottlosen neuen Geist im Vereinshaus sorgte, auch ein Volkslied (Der Winter ist vergangen…), das Pfarrer Hartmann mit den Mädchen eingeübt hatte, trug dazu bei.

1930 Missionsfest wurde am 27. Juli gefeiert, Prediger waren Pfarrer Arndt (Weidenau) und Missionar Goede (Hermannsburger Mission), der im Winter einmal eine Bibelstunde gehalten hatte. Das gut besuchte Missionsfest brachte eine Kollekte von 325,- Mark ein, nach Abzug von 25,- Mark Unkosten wurde der Hermannsburger und der Barmer Mission zu gleichen Teilen je 150,- Mark überwiesen.

1930 Am 9. Nov. findet in der „alten Schule“ eine beratende Sitzung der zivilen und kirchlichen Gemeindevertretung statt. Der Pfarrer hat eingeladen, um nach langer Vorarbeit den Plan zur Anstellung einer Gemeindeschwester vorzulegen. Der stellvertretende Vorsitzende des Kirchenvorstandes Heinrich Conrad VII. befürwortete die Anstellung der Freikirchlichen und in Simmersbach geborenen Schwester Karoline Geil (Zwaschdasch).

1930 Roth wird wieder mit Simmersbach und Niederhörlen mit Oberhörlen seelsorgerlich verbunden. Diese Neuordnung fand statt, um Simmersbach als selbständige Pfarrei auf die Dauer zu erhalten. 52

Quelle Geschichte der evangelischen Kirche Oberhörlen

1930 Pfarrer Hartmann hielt am 8. Dez. seine erste Predigt in Roth zur seiner Antrittspredigt begleiteten den Pfarrer freiwillig etwa 120 junge Leute.

1930 Am 13. Dez. wurde im Simmersbacher Vereinshaus eine gemeinsame Sitzung mit der Kirchenvertretung von Roth abgehalten.

1930 Satzungsgemäß Ergänzungswahl zum Kirchenvorstand im Dez., es schieden gemäß der Satzung aus dem Kirchenvorstand Wilhelm Reh III. und Adam Schmidt aus. Adam Schmidt verzichtete eine Wiederwahl in Anbetracht seines Alters und als Ersatz wurde Heinrich Wagner IV. vorgeschlagen. Die kirchliche Vertretung bleibt hat sich nicht geändert, außer dass für Heinrich Wagner IV. Albrecht Geil neu gewählt wurde.

1931 Eine Allianzgebetswoche findet vom 3. – 10. Jan. statt. Pfarrer Hartmann schlug vor, diese Gebetswoche gemeinsam mit der Freie Gemeinde zu veranstalten, nach anfänglichem Zögern ging die Freie Gemeinde auf den Vorschlag ein.

1931 Am 29. März feierten Lina Müller (Weyels), Bertha Konrad (Pennerschmanns), Erich Rudolf Wagner (Kalenz), Heinrich Fuchs (Schreinersch), Margarethe Theis, Erna Clemens (Raue), und Richard Jacobi (Baldersch) ihre Konfirmation.

1931 Am 6. Mai wird Schwester Karoline Geil (Zwaschdasch) als Gemeindeschwester eingeführt, an dem Diakonieverein beteiligten sich nur wenige Mitglieder der Kirchengemeinde.

1931 Bei einem Gemeindeabend im Vereinshaus am 14. Juni berichtete Pfarrer Hartman aus der Kirchenchronik, was reges Interesse fand. Das Hans Sachs-Spiel vom „fahrenden Schüler im Paradeis“ bildete den Abschluss des Abends.

1931 Am 5. Juli fand ein Gemeindeabend mit dem Thema „Aufklärung und Schulung über die von Russland her eindringende kommunistisch-bolschewistische Gottlosenbewegung“ in der Kirche statt.

1931 Am 26. Juli war Missionsfest in Simmersbach. Redner waren der Nias-Missionar Sartor (Barmen) und Pfarrer Bass (Breitscheid). Die Chöre aus Oberdieten und Simmersbach trugen mit Ihrem Gesang zum Gelingen des Missionsfestes bei. Die Einnahmen betragen 292,— Mark, in Anbetracht der immer schwerer werdenden Zeiten eine doch recht hohe Kollekte

1931 Am 3. Advent spielten die 17-jährigen Mädchen in der Kirche das Spiel von den 10 Jungfrauen.

1931 Am Heiligen Abend feierten die Schulkinder in der Kirche, am 2. Feiertag spielten die Jungen und 2 Mädchen das „Krippenspiel aus dem bayerischen Wald“.

1931 Am 2. Nov. 1931 verlässt Pfarrer Weller seine Gemeinde Oberhörlen um eine neue Pfarrstelle im Taunus (Ansbach) anzutreten. Bis zur Einführung seines Nachfolgers, Pfarrer Herbert, hat Pfarrer Hartmann die Vertretung übernommen. Am 3. Jan. 1932 wurde Pfarrer Herberth in Hörlen eingeführt.

1931 Seit Dez. 1931 gibt es einen Frauenabend, an dem die Mütter einmal Ihre Sorgen loslassen, sich ausruhen, um neue Kraft für ihr Alltagsgeschäft zu sammeln.

1932 Am 7. Jan. 1932 starb der Schreiner Adam Simon (Simons), der vor 39 Jahren die freikirchliche Gemeinschaft gegründet hat. Er wurde kirchlich beerdigt, da er sich mit seiner freikirchlichen Gemeinschaft so zerstritten hat, dass diese nichts mehr mit ihm zu tun haben will.

1932 Anfang Jan. wird wieder Allianzgebetswoche veranstaltet, die letztes Jahr gemeinsam mit den Freikirchlichen gestaltet wurde. Aber die Gegensätze waren so groß, dass nur die evangelische Kirche die Gebetswochen durchführt. In der Gebetswoche wird an jeden Abend gemeinsam um Familien, Kirche, innere und äußere Mission etc. gebetet

1932 Vom 29. Jan. bis 15. Februar hat Frau Hartmann in der Gemeinde einen Kursus über Säuglingspflege, Ernährung, Krankheiten, Tuberkulose etc. gehalten. Der Kursus wurde von rund 70 Frauen und Mädchen besucht, auch viele Frauen und Mädchen der freikirchlichen Gemeinschaft nahmen teil.

1933 Pfarrer Hartmann wird am 15. Jan. 1933 aus der nassauischen Landeskirche entlassen und übernimmt die 2. Pfarrstelle in Bad Wimpfen am Neckar.

1933 Vakanz der Pfarrei

Von Jan. bis April 1933 ist die Pfarrei vakant, Pfarramtlich wird Simmersbach durch Pfarrer Wagner (Eibelshausen) vertretungsweise versorgt.

    1. 1932 – 1936 Hans Ludolph

 18. Dez. 1907 in Hanau, Sohn des Lehrers Adolf und Evelina Ludolph, geb. Pauli, besucht die Mittelpunktschule in Wiesbaden und das Humanistische Gymnasium, wo er sämtliche, für das theologisches Studium notwendigen Sprachkenntnisse erwirbt. Abitur im Frühjahr 1927 zusammen mit seinem Bruder Kurt (Pfarrverwalter in Niederweidbach), studiert 7 Semestern Theologie in Marburg, Berlin und Tübingen. Legt Im Herbst 1930 das 1. theologisches Examen am Theologischen Landesseminar in Herborn ab und verbringt ein Jahr

als Kandidat zur geistlichen Vorbildung auf das Pfarramt. Als Lehrvikar wird er Dekan Martin in Dienethal zugewiesen, versieht Dienste in der Anstalt Scheuern bei Nassau (Lahn). Im Apr. 1932 2. Theologische Prüfung in Wiesbaden und bliebt ein viertel Jahr wegen Stellenmangel in der Nassauischen Landeskirche ohne Amt, Ordination am 19. Juni 1932 in Frankfurt a. Main – Griesheim. Vermittlung durch Landesbischof D. Kortheuer aushilfsweise als Pfarrassistent bei Pfarrer Graf (Gambach bei Butzbach, Oberhessen), vom 1. Juli 1932 bis 30. April 1933 in den Gemeinden Gambach und Oberhörgern und predigte im „Dom der Wetterau“.

Familie Hans und Elisabeth Ludolph mit Familie im Aug. 1942, links die älteste Tochter Gertrud

Pfarrer Hans und Elisabeth Ludolf im Februar 1984

1933 Die Pfarrei Simmersbach wird am 1. Mai 1933 durch die Landeskirchenregierung in Wiesbaden neu besetzt, da die Kirchenvorstände von Simmersbach und Roth auf ihr Wahlrecht verzichteten. Der Pfarrassistent Hans Ludolph aus Glaubach (Oberhessen) wird zum Pfarrer (bzw. Hilfsprediger), auf Grund einer vorläufig durch Notverordnung vom Jan. 1933 bestimmten Anstellungssperre der Pfarrei Simmersbach ernannt.

1933 Vor dem Einzug Pfarrer Ludolph´s ins Pfarrhaus werden Küche und Amtszimmer renoviert; der Gartenzaun um den Grasgarten oberhalb des Pfarrhauses wird neu hergerichtet. Der Gemüsegarten und die Pfarrscheune sind an Gemeindeglieder verpachtet.

1935 Abendlicher Sondergottesdienst am 30. Jan. anlässlich der Machtübernahme durch Adolf Hitler, an dem die politische Jugend teilnahm. Pfarrer Ludolph hält eine Ansprache und der gemischte Chor untermalte den Gottesdienst mit Liedvorträgen.

1935 Liturgischer Abend-Gottesdienst am 28.Februar.

1935 Evangelisationswoche Vom 10. bis 17. Februar 1935, bei der Evangelist Wilhelm Weber (Barmen) Gottesdienste und Vorträge hält. Die Bibelstunden werden mittags in der alten Schule abgehalten.

1935 Der Landjäger Broscheit beschlagnahmt am 8. März 1935 aus der Bibliothek der Kirchengemeinde das Buch von Renn „Der Krieg“.

1935 Am 13. März 1935 führt Missionar Kreck (Bergebersbach), der oft in Simmersbach Missionsbibelstunden hält und auf die Ausreise in die Missionsarbeit nach Sumatra wartet, in der Kirche den China-Film (Mentawei) der Rheinischen Mission vor.

1933 Seine Antrittspredigt hält Pfarrer Ludolph am 7. Mai (So. Jubilate) und wird vom Gemischten Chor, den Posaunenchor und Lehrer Wilhelm Lotz Begrüßt und anschließend unter Assistenz von Pfarrer Wagner (Eibelshausen) und Dekan Lehr (Gladenbach) feierlich in sein neues Amt eingeführt.

1933 Die Umpfarrung von Roth nach Simmersbach (aus dem Kirchspiel Oberhörlen) ist immer noch nicht entschieden. Um die Umpfarrung nach Oberhörlen zu erzwingen, droht Roth Anfang Mai 1933 dem Pfarrer von Simmersbach – einerlei wer es ist – die Kirche zu verschließen.

1933 Beim Einführungsgottesdienst wird eine neue grüne Kanzel-Bekleidung als zukünftiger Schmuck der Kirche in Aussicht gestellt, ist aber bereits seit dem 14. Mai (So. Cantate) im Besitz der Kirche.

1933 In einem Brief vom 7. Mai 1933 schreibt Karoline Wagner (geb. Theis) aus Kalenz an Ihre Tochter Marie Wagner unter anderem

Liebes Mariechen!

Habe Dir die Woche geschrieben und will Dir nun heute am Sonntagmittag schreiben. Es ist ½ 12 Uhr und die Glocken haben soeben geläutet. Heute hatten wir wieder zum ersten Mal Kirche seit Weihnachten. Unser neuer Pfarrer (Pfarrer Ludolph) wurde heute eingesetzt. Die Leute sagten, der Herr Dekan hätte gesagt, es gäbe kein Dorf, wo der Pfarrer so oft wechselt wie bei uns. Er habe noch gesagt, der Pfarrer Hartmann hätte seine Schuldigkeit getan. Ich hätte mich geschämt, wenn ein Pfarrer durch meine Schuld fortgemusst hätte.

1933 Als Pfarrer Ludolph seinen Dienst als Pfarrer antrat, befand sich der gotische Taufstein (achteckig mit Meßwerkblenden) in einem erbarmungswürdigen Zustand inmitten eines Blumenrondells vor dem Kircheneingang. Die Kirchenvorsteher berichteten, dass der Taufstein lange Zeit neben der Kirche, oft von Brennnesseln überwuchert, gelegen hat. Es wurde beschlossen, den Taufstein den wieder in der Kirche an seinem ursprünglichen Platze aufzustellen. Der Taufstein wurde mit einem angepassten Steinfuß versehen und linksseitig vom Altar aufgestellt. Eine passende kupferne Taufschale, von Meisterhand hergestellt, hatte Heinrich Clemens, Sohn eines Kirchenvorstandsmitgliedes, in Biedenkopf beschafft. In der Weihnachtszeit wird die Weihnachtskrippe auf dem Taufstein präsentiert.

1933 Die kirchliche Gemeindevertretung wurde am 23. Juli neu gewählt, man einigt man sich auf eine Einheitsliste, so dass sich eine Wahl erübrigt. Kirchenvorsteher werden Heinrich Konrad VII., Bürgermeister Friedrich Reh (Annatsches), Heinrich Clemens VI., Ewald Geil (Grittsches), Christian Hinn (Schmitz) und Lehrer Wilhelm Lotz.

1933 Im Juli 1933 wird für die Kirche eine Kirchenfahne angeschafft und offiziell beim Missionsfest am 30. Juli vorgestellt.

1933 Da beide Lehrer nicht bereit sind, das Amt des Organisten zu übernehmen, versieht dies schon seit längerer Zeit Rudolf Müller (Raue), der auch den Posaunen- und des Gemischten Chores leitet, beide Chöre sind innerlich mit dem Gemeinschaftsverein verbunden.

1933 das Pfingstabendmahl am 4. Juni 1933 feiern 53 Personen, eine seit Pfingsten 1919 (57 Personen) nicht mehr erreichte Anzahl bei einem Abendmahl.

1933 Das Missionsfest im Pfarrgarten am 30. Juli wird auch von benachbarten Orten gerne besucht. Redner sind Pfarrer Lic: Hoffmann (Fischelbach) und Missionar Maus aus (Buschhütten), die Missionskollekte beträgt 148,95 RM.

1933 Am Erntedankfest-Gottesdienst am 1. Okt. tritt die S.A. in Uniform geschlossen in der Kirche an, die Kollekte betrug 71,— RM.

1933 Am 19. Nov. 1933 wird der „Deutsche Luthertag“ gefeiert. Ein Festgottesdienst am Vormittag und ab 2 Uhr mittags Gottesdienst im Freien. Zur Erinnerung an Martin Luther wird eine Luther-Eiche am „Hohenrain“ gepflanzt (im Winter erfroren, im folgenden Jahr nachgepflanzt!). An der Feier nehmen alle Dorfbewohner, Ansprachen hielten:

  • Lehrer Wilhelm Lotz: zum Thema „Luther als Erzieher“

  • Lehrer Friedrich: zum Thema „Luther als Mann des deutschen Volkes“

  • Pfarrverwalter Hans Ludolph: zum Thema „Luthers religiöse und sittliche Bedeutung“

Die Schulkinder tragen mit Gedichtvorträgen und Sprechchören, der gemischte Chor und der freikirchliche Chor mit ihren mit Liedvorträgen zum Gelingen der Feier bei.

Abends um 8 Uhr findet im Vereinshaus ein Gemeindeabend statt, in dem u.a. das Reformationsspiel von Hugo Landgraf „Die Krone des Lebens“ zur Aufführung gelangt.

1933 Ab Nov. kommt die evangelische Frauenhilfe wieder regelmäßig wöchentlich unter Leitung von Pfarrer Hans Ludolph zusammen, die Mitgliederzahl wächst im Laufe der Wintermonate kontinuierlich.

1933 Für die Jugend hält Pfarrer Hans Ludolph im Winter 1933/34 regelmäßig kirchliche Schulungsabende im Vereinshaus, in denen über religiöse Fragen der Zeit gesprochen und die auch von Angehörigen der politischen Formationen (SA, HJ, BDM), zum Teil geschlossen, besucht wird.

1933 Der zweijährige Konfirmandenunterricht wird wie bisher nur im Winterhalbjahr erteilt, Pfarrer Hans Ludolph hält wöchentlich Katechismus-Unterricht in der Schule.

1933 Besondere Kinder- und Jugendweihnachtsfeiern werden in den Weihnachtstagen gehalten. Der Kindergottesdienst hat seine Feier, die Einstudierung des Weihnachtsspieles war für den Lehrer Wilhelm Lotz sehr wichtig, mit der Gemeindefeier am Heiligen Abend in der Kirche verbunden. Die Gemeinde feiert am 2. Weihnachtstag zusammen mit den jugendlichen das „Die Weihnachtsfee“ in der Kirche.

1933 Das Jahr klingt mit einer liturgischen Silvester-Andacht und dem Spiel des Posaunenchores, der das „Neue Jahr“ musikalisch begrüßt, aus.

1934 schreibt Pfarrer Ludolph im Kirchenbuch: „Das Simmersbacher Pfarrhaus, obwohl 1800/1 erbaut, befindet sich noch in gutem Zustand.

1934 Im Auftrage der nationalsozialistischen Partei, Ortsgruppe Simmersbach, wurde Pfarrer Hans Ludolph am 10. Jan. 1934 in einem Schulungsabend befohlen, einen Vortrag über „Namen- und Familienforschung“ zu halten.

1934 Am 30. Jan. 1934 wurde Pfarrer Hans Ludolph um 8 Uhr befohlen, abends in der Kirche einen besonderen Gottesdienst anlässlich des Tages der nationalen Erhebung halten, in der H.J. und B.D.M. (die NS-Jugendorganisationen) geschlossen anwesend sind.

1934 Das Pfarrhaus wird einer gründlichen Renovierung unterzogen: das Treppenhaus, die Wohn- und Schlafzimmer werden neu hergerichtet und tapeziert. Die Schornsteine, die sehr schadhaft und brandgefährlich sind, werden in Ordnung gebracht, Diese Arbeiten sind im Februar 1934 beendet, der Gemüsegarten im Girnbachtal erhält teilweise eine neue Umzäunung.

1934 Am 27. Februar 1934 heiratet Pfarrer Hans Ludolph in Nassau Elisabeth Todt aus Scheuern, und zieht am 5. März mit Ihr ins Pfarrhaus ein, begrüßt durch den Gemischten- und Posaunenchor, die B.D.M-Mädchen haben zu diesen Anlass das Pfarrhaus geschmückt.

1934 Frau Ludolph leitet die Arbeit im Jungmädchenverein und der evangelischen Frauenhilfe.

1934 Zum ersten Mal wird am 10. April 1934 vormittags von 9 – 10 Uhr in der Kirche ein Schulanfänger-Gottesdienst gehalten, die diesen Tag gemeinsam mit den Schulneulingen, den Lehrern, den Eltern und Paten der Schulneulingen, sowie den Kirchenvorsteher und Gemeindeglieder feiern.

1934 Der Reformations-Schulgottesdienst wird am 31. Okt. 1934 in der Kirche in Simmersbach, unter Teilnahme und Mitwirkung der Schulen von Simmersbach und Roth, gefeiert.

1934 Der Evangelische Filmdienst führt am 13. Apr. 1934 abends in der Kirche der Waldenser-Film „Ein Märtyrervolk“ in gottesdienstlicher Umgebung vor.

1934 Am 13. Mai 1934 (Muttertag) gratuliert die Frauenhilfe und der Gemischte Chor der Hebamme Anna Margaretha Wagner geb. Rein (Zwaschdasch) zu Ihrem 75. Geburtstag mit Liedvorträgen.

1934 Die Evangelische Frauenhilfe unternimmt am 11. Juli 1934 einen Tages-Ausflug zur Besichtigung des Limburger Doms, der Anstalt Scheuern und des Deutschen Ecks bei Koblenz. Die Fahrt geht über Herborn-Rennerod-Limburg-Nassau-Bad Ems-Niederlahnstein-Koblenz-Bendorf-Dierdorf-Selters-Rennerod-Herborn.

1934 Die Konfirmanden aus Simmersbach und Roth feiern am 25. März 1934 (Palmarum) ihre Konfirmation.

1934 Am Vorabend des Tages der nationalen Arbeit wurde ein Sondergottesdienst befohlen, an dem S.A., H.J. und B.D.M. teilnehmen.

Am 1. Mai 1934 muss Pfarrer Hans Ludolph, obwohl nicht Parteimitglied (beide Lehrer sind Parteimitglieder), bei der örtlichen Kundgebung auf „Wunsch“ der N.S.D.A.P. die Ansprache übernehmen.

1934 Am 3. Juni 1934 wird der neue Propst der Propstei Nassau, Pfarrer Lic:* Peter in Darmstadt in sein Amt eingeführt. Die Landeskirchenregierung hat ihren Sitz in Darmstadt, die Propstei in Wiesbaden.

1934 Im Interesse des Dienstes und der leichteren Verständigung mit der Filialgemeinde Roth wird am 12. Juli 1934 im Pfarrhaus ein Telephon-Apparat aufgestellt.

1934 Das Missionsfest wird am 29. Juli 1934 gefeiert; Festprediger sind Pfarrer Hahn (Marienfels) und Missionar Sartor (Wahlbach), die Chöre aus Simmersbach, Roth und Oberdieten tragen zum Gelingen des Festes mit ihren Liedern bei. Der Ertrag der Kollekte des Tages beträgt 162,33 RM und wird der Hermannsburger Mission übergeben.

1934 Das Erntedankfest am 30. Sep. wird von den Jugendlichen besonders gefeiert. In Simmersbach und Roth zeigten sich die jungen Mädchen in der alten Tracht (Mieder, buntes Halstuch, weite Röcke und Schürzen, weiße schafwollene Strümpfe) und ein Erntefestzug, mit Darstellung einer Spinnstube, bewegte sich durchs Dorf.

Teilnehmerinnen des Festzugs am Ernte-Dankzug in Tracht

1934 Im Nov. 1934 hält Pfarrer Ludolph aufklärende Vorträge der Bekennenden Kirche53 in Simmersbach und Roth. Der Oberlandjäger Broscheit stellte sich öfters – zeitweise täglich – im Simmersbacher Pfarrhaus ein, um Pfarrer Ludolph zu vernehmen oder staatliche Verbote bekannt zu geben. Das kirchliche Leben im Kirchspiel erhielt einen großen Auftrieb. Die Verbundenheit des Pfarrers mit der Gemeinde wurde intensiver, jedoch die Freikirchlichen stehen dem ganzen Geschehen in der evangelischen Kirche ohne Anteilnahme gegenüber.

1934 Im Okt. 1934 wird die Vereinsarbeit wieder aufgenommen. Die Evangelische Frauenhilfe liest aus dem Buch von L. Harbeck „Ursula Redel“, im Jungmännerkreis wird von Gustav Adolf Gedat aus dem Buch „Ein Christ erlebt die Probleme der Welt“ gelesen und der Jungmädchenverein bekommt neuen Zuzug. Die Evangelische Frauenhilfe stellt im Verein zusammen mit den Mädchen für die Anstalt Scheuern ein Sachspendenpaket (Strümpfe, Kleidungsstücke, Stoffe usw.) für Weihnachten 1934 zusammen.

1934 Ende April 1934 ernennt Ortsstützpunktleiter Heinrich Albert Clemens Pfarrer Ludolph zum Ortsamtsleiter der N.S.-Volkswohlfahrt und zum Ortsbeauftragten für das Winterhilfswerk, ein Amt, das Pfarrer Ludolph bis zu seinem Scheiden aus Simmersbach inne hat.

Ganz heimlich und unauffällig zog sich die Partei dann mehr und mehr von Pfarrer zurück. Das Verlangen nach Sondergottesdiensten hörte auf; die politischen Organisationen erschienen immer seltener zum Gottesdienst und zuletzt gar nicht mehr. Dagegen war der Gottesdienstbesuch der unpolitischen Gemeindemitglieder, auch der Jugend, nach wie vor gut.

1934 Eine Frau aus Höhn im Westerwald war plötzlich in Simmersbach verstorben, Obwohl sie katholischen Glaubens war, ließ es sich die evangelische Gemeinde nicht nehmen, sie in würdiger Weise zu Grabe zu tragen. Pfarrer Ludolph nahm die Einsegnung der Leiche trotz aller konfessionellen Schranken vor und der Mädchenverein begleitete die Verstorbene auf ihrem letzten Gang. 54

1934 Aus Anlass der Feier des 400-jährigen Lutherbibeljubiläums wurde mit Hilfe der Konfirmanden eine Bibelausstellung im Vereinshaus veranstaltete, bei der sich die Gemeinde mit großem Interesse in den Dienst der Ausstellung gestellt hat. Wurde im Rahmen des Gemeindeabends der evangelischen Kirche am 31. Okt. 1934 die Ausstellung eröffnet und Pfarrer Ludolph hielt dabei einen Vortrag über die Entstehung und Geschichte der deutschen Bibel und führte durch die Ausstellung. Nicht nur die Schulen schenkten der Ausstellung große Aufmerksamkeit, sondern auch viele auswärtige Besucher.

Bei der Ausstellung wurden alle alten Bibeln, Gesang- und Andachtsbücher, Schriften usw., die sich im Besitz einzelner Familien befinden, geholt, geordnet und zur Schau gestellt. Besitzer und Beschreibung wurden jeweils auf einem Zettel neben dem ausgelegten Buch gelegt. Die Vorbereitung war eine mühevolle Arbeit. Nachbildungen von Erstwerken deutscher Bibeln aus dem 15. Jahrhundert, Bilder aus der Reformationszeit, Lutherhandschriften, Urtexte der Bibel (hebräisch und griechisch), lutherische Übersetzungen, Blindenbibel, neueste Prachtausgaben, Bilderbibeln, Bibelauslegungen großer Kirchenmänner, 25-Pfennig-Testamente, dies alles war unter anderem zu sehen und zu bestaunen. Als größte Kostbarkeit Die Ausstellung enthielt als größte Kostbarkeit die dem Pfarramt Simmersbach gehörige Erstausgabe von Luthers Schriften, beginnend mit dem ersten Band aus dem Jahre 1552. (Vollständige Ausgabe!) Daneben war aus dem Eigentum des Pfarramtes noch ein Ev.-luth. Kirchenbuch, gedruckt 1574 in Marburg, zu sehen, ferner ein Kirchenbuch, gedruckt 1681 in Leipzig. Die älteste noch in Simmersbach vorhandene Lutherbibel aus dem Jahre 1703, verlegt bei Balthasar Christoph Wustens d. Ält. in Frankfurt a. M., stellte Ortsgerichtsvorsteher Heinrich Beck für die Ausstellung zur Verfügung. Im Besitz von Heinrich Oskar Reh befand sich das „Des Neuen Testaments Jesu Christi süßen Werk und Kerns“, der Teil, in sich haltend alle Episteln, verlegt bei Wilh. Kühnen, Ulm 1684“. Eine Schweizer Bibel von Dr. Martin Luther, verlegt bei Johannes Rudolf Thurneysen, Basel 1729, hatte Aug. Sänger beigestellt. Wilhelm Reh I. brachte eine Lutherbibel aus dem Jahre 1712, gedruckt bei Johannes Henrich Stock in Marburg, zusammengebunden mit dem alten Hessen-Darmstädtischen Gesangbuch, mit Familieneintragungen; ferner eine Auslegung der 7 Worte am Kreuz (Predigten über das Leiden Jesu) mit interessanten Notizen über den Amtsantritt von Pfarrer Soldan. Eine ebensolche Bibel mit familiengeschichtlichen Aufzeichnungen gehörte Heinrich Wagner IV., desgleichen ein Hessen-Darmstädtisches Gesangbuch mit familiengeschichtlichen Angaben besitzt Daniel Geil. In einer Lutherbibel des Jahres 1783, im Besitz von Kirchenrechner Reinhard Konrad, befand sich folgender amüsanter Eintrag: „Elisabetha Ciliox in, dem ist diese Bibel und ist ihm lieb, wers ihm nimmt, der ist ein Dieb, es sei Reiter oder Knecht, am Galgen ist sein Recht“. Aug. Dietrich stellte eine Lutherbibel vom Jahre 1777 aus, die mit dem Marburger Gesangbuch und Luthers Kleinem Katechismus zusammengebunden ist. Das alte Hessen-Darmstädtische Gesangbuch enthielt 754 Lieder.

1934 Am 9. Nov. 1934 hat Pfarrer Hans Ludolph bei einer abendlichen Gedenkfeier am Kriegerdenkmal vor der Kirche zum letzten Mal vor den Formationen der Partei, neben dem Sturmführer der SA (Konrad), auf deren besonderen Drängen hin gesprochen, außer einer örtlichen Kundgebung am 1. Mai 1935 anlässlich der Rückkehr der Saar ins deutschen Reich.

1934 Simmersbach und Roth, durch persönliche Unterschriftenlisten mit ca. 90 % aller Berechtigten, treten im Nov. und Dez. 1934 zusammen mit ihrem Pfarrer, dem Bruderrat der Bekenntnisgemeinschaft Hessen-Nassau bei, entscheidend für diesen Beitritt war eine Predigt am 11. Nov. 1934

1935 Zu allen politischen Stellen hatte der Pfarrverwalter Ludolph noch bis 1934 noch volles Vertrauen in das neue System, jedoch im Feb. 1938 wunderte er sich selber über dieses Vertrauen, denn auf einmal ist er in den Augen der neuen Machthaber, wie alle seine Amtsbrüder, ein „Volksverräter“ und „Hetzpfaffe“.

1935 Am 30. Jan. 1935 abends wird ein Sondergottesdienst anlässlich der Machtübernahme durch Adolf Hitler gehalten, an dem die politische Jugend teilnahm, dazu sang der Gemischte Chor

1935 Evangelisationswoche vom 10. bis 17. Feb. 1935, Vorträge und Gottesdienste hält der Evangelist Wilhelm Weber (Barmen), die Bibelstunden werden mittags in der alten Schule gehalten.

1935 Am 28. Feb. wird abends in der Kirche ein liturgischer Gottesdienst gefeiert.

1935 Am 8. März 1935 beschlagnahmt Landjäger Broscheit aus der Bibliothek der Kirchengemeinde das Buch „Der Krieg“, einen Roman von Ludwig Renn (Arnold Friedrich Vieth von Golßenau), der 1926 erschien.

1935 Am 13. März 1935 wird in der Kirche durch den Missionar Kreck (Bergebersbach), der oft in Simmersbach Missionsbibelstunden hält und auf seine Ausreise in die Missionsarbeit nach Sumatra wartet, der China-Films (Mentawei) Rheinischen Mission vorgeführt.

1935 Am 31. März wird nach langer Zeit wieder ein Tauf-Gottesdienst gefeiert und der neu aufgestellte und überarbeitete Gotische Taufstein wird wieder seiner ursprünglichen Bestimmung übergeben. In dem Tauf-Gottesdienst tauft Pfarrer Ludolph sein erstes Kind Gertrud (8. Februar 1935). Seit dieser Zeit hat die Taufe in der Kirche wieder Vorrang gegenüber der Haustaufe.

1935 Die 1. Bekenntnissynode des Hinterlandes, an der auch die Kirchenvorsteher aus Simmersbach und Roth teilnahmen, fand am 14. März 1935 in Holzhausen statt. Pfarrer Lic:* Brunner, der kurz darauf ins Konzentrationslager wegen politischer Verleumdung kam, predigte über „Einen anderen Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus“, Pfarrer Asmussen sprach im Gemeindehaus über „Die Predigt der Bekennenden Kirche“ und Pfarrer Herbert über „Was sollen wir tun?“

1935 Am Abend des 2. Apr. 1935 hält Pfarrer Ludolph aus Anlass „Not der Kirche“ und der Verbringung von 3 Nassau-Hessischen Pfarrern ins Konzentrationslager einen Buß- und Bittgottesdienst.

1935 Konfirmation am 14. April (Palmarum)

1935 Schulanfänger-Andacht am 24. April.

1935 Am Vorabend zum Tag der Arbeit, am 30. April findet in der Kirche ein Abend-Gottesdienst bei schlechtem Besuch.

1935 Ein Bittgottesdienst am 22. Mai 1935 in der Kirche wird für die gefangenen und ausgewiesenen Pfarrer und Ältesten der Bekennenden Kirche abgehalten, die Beteiligung war schwach. Man merkt, dass die Bevölkerung einer neuen Beeinflussung unterliegt.

1935 An 9. Juni (Pfingsten) passierte während des Abendmahls-Gottesdienstes der Landesbischof Dietrich Roth, er kam mit seinem Auto von Fleisbach und wollte nach Breidenbach. Die Leute aus Rother Leute erzählten, der Landesbischof habe eine Hakenkreuzbinde um den Arm getragen. Ob man sich da mal nicht geirrt hat?

1935 Die Ev. Frauenhilfe unternimmt am 19. Juli 1935 eine Omnibusfahrt an den Rhein, über Herborn-Limburg-Diez-Bad Schwalbach-Schlangenbad-Eltville-Rüdesheim (Niederwald)-Bingen-St. Goar-Schifffahrt bis Koblenz-Montabaur-Rennerod-Herborn, die die Frauenhilfe begeisterte.

1935 Zusammen mit Pfarrer Theodor Ostertag (Lixfeld) wurde am 30. Juli 1935 die Grube „Königszug‘“ im Scheldetal in einer Bergmannstracht besucht. Wir kamen bis zur 400-mtr.-Sohle und trafen Bergleute aus unseren Gemeinden bei der Arbeit unter Tage. Die Bergleute erzählten uns, dass noch niemals Pfarrer in die Grube gefahren seien.

1935 Am 4. Aug. 1935 wurde Missionsfest gefeiert, das wie immer gut besucht ist. Es sprachen Missionar Skär und Pfarrer Götte (Patersberg), die Kollekte betrug insgesamt 153,- RM.

1935 Im Laufe des Sommers wurde das Gelände vor dem Pfarrhaus, der Bornrain, durch Mauerwerk und Anlage einer Terrasse in einen ansehnlichen Zustand gebracht. Vorher war dort nur ein felsiger Schieferabhang.

1935 Am 11. Aug. 1935 wird durch Pfarrer Ludolph in Roth in einem Gottesdienst die Umpfarrungs-Urkunde, nach der Roth ab 1. April 1935 eine ordentliche Filialgemeinde von Simmersbach ist, bekannt gegeben und persönlich aufklärende und beruhigende Worte hinzugefügt. Jedoch wurden in der Folgezeit, ohne Wissen von Pfarrer Ludolph, Protestschreiben gegen die Umpfarrung geschrieben und Protestversammlungen in Roth abgehalten. Über die Umpfarrung der Gemeinde Roth kam es aus Protest zu einem Kirchenstreik (schwach besuchte Gottesdienste). Alle Missstimmung wälzte sich auf den Simmersbacher Pfarrer ab. Man wollte für frühere Ausgaben an Oberhörlen (Pfarrhausneubau) entschädigt werden oder bei Oberhörlen verbleiben. Der Kirchenvorstand Simmersbach verlangte die Übergabe der Geschäfte und Akten von Roth an die Pfarrei Simmersbach (die neueren Kirchenbücher befanden sich bereits dort), aber der Kirchenvorstand Roth erschien nicht zur anberaumten Sitzung; desgleichen lehnte es Pfarrer Herbert, Oberhörlen, der mit Roth noch dauernd in Beziehungstand, ab, die Übergabe zu vollziehen.

1935 Am Abend des 11. Aug. 1935 wurde in der Kirche Wallau ein Bekenntnis-Gottesdienst, an dem alle Bekenntnis-Pfarrer und viele Kirchenvorsteher des Kreises Biedenkopf teilnahmen, um den von Landesbischof Dietrich willkürlich abgesetzten Pfarrverwalter Linke in Wallau den Rücken zu stärken.

1935 Im Sep. 1935 fanden im Kreis Biedenkopf Kundgebungen gegen Staatsfeinde statt, Pfarrer Ludolph wurde vertraulich mitgeteilt, dass man verschiedene Bekenntnis-Pfarrer, die Pfarrer Trautwein, Herbert und Ludolph, für Austritte aus der SA im Kreis Biedenkopf verantwortlich macht.

1935 Wie in einem Zeitungsartikel zu vernehmen ist, hat sich am 2. Sep. 1935 der ehemalige Simmersbacher Pfarrer Schulz in Harpstedt wegen politischer Verfolgung das Leben genommen.

1935 Am 13. Sep. 1935 werden hinter dem Pfarrhaus im Grasgarten verschiedene junge Obstbäume (2 Birnen, 4 Apfel, 1 Mirabelle) auf Veranlassung des Pfarrers angepflanzt.

1935 Am 25. Sep. 1935 wurde abermals in Simmersbach ein Bittgottesdienst anlässlich der Verhaftung von 3 hessischen Pfarrern mit Predigt gehalten, die Teilnahme der Gemeinde war schwach.

1935 Das Erntedankfest am 6. Okt. 1935 wurde wieder mit Kundgebungen und Volksbelustigungen gefeiert. Die Gottesdienste waren gut besucht, die Jugend schwach vertreten.

1935 Am 20. Okt. 1935 findet in Biedenkopf die 2. Kreissynode der Bekennenden Kirche im Hinterland statt, an der auch Pfarrer Ludolph mit Synodalen aus Simmersbach und Roth teilnahm. Es sprachen Prof. Bockemühl (Wuppertal/Cronenberg) über „die Versuchung der gegenwärtigen Stunde“ (im Blick auf die Kirchenausschüsse, die der Staat eingesetzt hat); Pfarrer Appel (Hatzfeld) über „Sinn und Durchführung der kirchlichen Rüstwochen“; Pfarrer Goebels (Frankfurt a. M.) über „Biblische Schulung in den Gemeinden“ und Buchhändler Sonnenschein (Marburg) über „Die Verantwortung der Kirche gegenüber der Jugend“.

1935 Am 25. Nov. 1935 hält Pfarrer Ludolph in Gambach (Oberhessen) die Beerdigungs-Predigt von Pfarrer i. R. Wilhelm Graf, seines 73-jährigen Freundes und Lehrmeisters, dem er in seinem letzten Amtsjahr zur Hilfe beigegeben war.

1935 Am 26. Nov. 1935 besuchte vom Westdeutschen Jungmännerbund Bundesgauwart Hoenen (Osnabrück) die evangelische Kirchengemeinde.

1935 Am 3. Dez. 1935 hält im Simmersbacher Vereinshaus Schwester Ilse von Dewitz von der Mohammedaner-Mission ein Referat.

1935 Der Gemischte Chor und der Jungmädchenverein gestaltet am 15. Dez. 1935 durch Vortrag und Spiel in der Kirche eine liturgische Adventsfeier.

1935 Am 1. Weihnachtsfeiertag führte die Jugend im Vereinshaus das Spiel „Der Glaube ist der Sieg, der die Welt überwindet“ auf.

1935 Pfarrer Ludolph wird von der Staatspolizei verhört, da er am 9. Nov. die Kirche in Roth nicht habe beflaggen lassen und damit die Bedeutung dieses Tages (Tag des Putsches durch Adolf Hitler in München) nicht gebührend gewürdigt hat. Der starke Wind aus Berlin drehte auch in Simmersbach (und Roth) die Fahne von der Kirche ab.

1935 Für die Winterarbeit 1935/36 wählte Pfarrer Ludolph als Lektüre in den Jungmännerabenden das Buch von Pfarrer Martin Niemöller „Vom U-Boot zur Kanzel“.

1936 Endgültige, auch verwaltungsmäßige Verbindung von Roth mit Simmersbach.55

1936 Am 5. Jan., einem Sonntag-Nachmittag, wird Pfarrer Ludolph in Roth Zeuge einer rohen Prügelei von bereits entlassenen Schülern auf der Straße. Durch sein Einwirken zerstreuten sich die Streithähne.

1936 Pfarrer Ludolph wird mit Darmkatarrh am 6. Jan. dienstunfähig und muss sich bis zum 26. Jan. in ärztliche Behandlung begeben. Um einen schweren Bronchialkatarrh auszuheilen, hat er einen 14-tägigen Erholungsurlaub genommen.

1936 Am 2. Februar 1936 wird Pfarrer Ludolph in Nassau / Lahn seine zweite Tochter Elisabeth geboren wurde, Ihre ältere Tochter Ortrud wurde am 8. Februar 1935 in Simmersbach geboren. In seinen Krankheitstagen wurde er von vielen Gemeindegliedern aus Simmersbach besucht. Kandidaten des Theologischen Seminars in Herborn und Missionskandidat Kreck (Bergebersbach) haben die sonntäglichen Gottesdienste, letzterer auch die Unterrichtung der Konfirmanden, übernommen.

1936 Vom 20. bis 25. Jan. 1936 findet eine kirchliche Rüstwoche der Gemeinde in Form von Abendgottesdiensten mit Vorträgen verschiedener Pfarrer der Bekennenden Kirche aus dem Kreis Biedenkopf statt. Durch den strengen Winter mit Schnee und Frost, nehmen viele Teilnehmer durch diesen Dienst große Opfer auf sich es predigten

  • Pfarrer Dilcher, Dodenau, über „Ich bin der Herr, dein Gott“;

  • Pfarrer Trautwein, Holzhausen b. Gl., über „Ihr werdet sein wie Gott?“;

  • Pfarrer Schüßler, Biedenkopf, über „Niemand kommt zum Vater denn durch mich“;

  • Pfarrer Ostertag, Lixfeld, über „Bleibet in mir und ich in euch!“;

  • Pfarrer Herbert, Oberhörlen, über „Ihr seid das heilige Volk, das Volk des Eigentums“;

  • Pfarrer Linke, Wallau, über „Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit“.

1936 Mit der Ev. Frauenhilfe wird im Winter 1935/36 von das Buch von Karl Hesselbacher über „Luthers Käthe“, mit dem Jungmädchenverein das Buch von Lina Harbeck über „Ursula Redel“, mit den konfirmierten männlichen Jugendlichen auszugsweise das Buch von Gustav Adolf Gedat „Auch das nennt man Leben“ und im Februar 1936 neben dem anderen Buch von Niemöller „Vom U-Boot zur Kanzel“ gelesen.

1936 Am 1. April hält Missionar Merten von der Herrnhuter Brüdergemeinde abends einen Missionsgottesdienst mit Predigt und Bericht aus der Eskimo-Mission in Labrador.

1936 Am 5. April 1936 konfirmierte Pfarrer Ludolph in Simmersbach die Konfirmanden seines dritten Amtsjahres, in Roth werden die Konfirmanden am 13. April, dem 2. Osterfeiertag, konfirmiert.

1935 Anfang Okt. 1935 ist an Pfarrer Ludolph von der evangelischen Kirchengemeinde Elm (bei Schlüchtern) die direkte Aufforderung ergangen, sich um die dortige, schon längere Zeit vakante Pfarrstelle zu bewerben. Er ist dieser Aufforderung nur mit einigem Zögern nachgekommen. Dass Pfarrer Ludolph seine Meldung nach Elm abgab ist die Tatsache, dass ein niedriges Gehalt seiner Familie zur Verfügung stand und eine feste Anstellung in absehbarer Zeit nicht zu erwarten war, die Rother Umpfarrungs-Angelegenheit mit Ihren Schwierigkeiten und die weite Entfernung von seinen Familienangehörigen sind die Gründe für seinen Abschied. So fällt Ihm der Gedanke an einen Abschied nach nur 3 Jahren schwer.

Pfarrer Ludolph ist geborener Kurhesse, seine sämtlichen Verwandten wohnen dort (mit Ausnahme seines Bruders Kurt Ludolph, der Pfarrer in Niederweidbach, Kreis Biedenkopf, ist), seine Eltern wohnen in Schlüchtern, ein großer Teil seiner Vorfahren stammen aus dem Kreis Schlüchtern und direkt aus Elm. Ein weiterer Grund ist der, dass er in der Landeskirche Kurhessen-Waldeck sofort fest angestellt wird. Der Kirchenvorstand Elm verzichtete auf sein Wahlrecht und schloss alle übrigen Bewerber aus, falls das Landeskirchenamt in Kassel Ihn ernennen würde.

1935 Am 8. Dez. 1935 hielt Pfarrer Ludolph in Elm eine Gastpredigt. Infolge finanzieller Schwierigkeiten hat er erst am 12. März 1936 das Landeskirchenamt in Kassel über seine Versetzung nach Elm zum 1. Mai 1936 verfügen können. Um seine Gemeinden Simmersbach und Roth nicht zu beunruhigen, hat er seine bevorstehende Versetzung zunächst geheim gehalten und erst am 20. März dem Kirchenvorstand in Simmersbach mitgeteilt.

1936 Am So., dem 26. April 1936 im Vormittags-Gottesdienst hält Pfarrer Ludolph seine Abschiedspredigt. Von allen Seiten, von den Vereinen, der Evangelischen Frauenhilfe und dem Gemischten Chor kamen Grüße und beim Umzug standen viele bereitwillig zur Verfügung. Am 28. April 1936 verlässt er mit seiner Familie das Kirchspiel und am zieht am 29. April 1936 ins Pfarrhaus Elm ein. Einen letzten Dienst, den er noch den Gemeinden Simmersbach und Roth leisten konnte, ist die Beratung bei der Wiederbesetzung und Beschleunigung der Pfarrstelle.

1936 Am 22. März 1936, stellte sich Pfarrverwalter Frey, zuletzt in Battenberg, den beiden Gemeinden durch eine Predigt vor. Die Kirchenvorstände wählten denselben daraufhin einstimmig. Jedoch zog es Pfarrverwalter Frey vor, die durch Versetzung von Lic. Peter Brunner frei gewordene Pfarrstelle in Ranstadt (Oberhessen) zu übernehmen.

1936 Im Mai 1936 wird ein neuer Pfarrer für die Pfarrstelle in Simmersbach bestimmt. Man hat sich deshalb mit dem Landesbruderrat in Frankfurt in Verbindung gesetzt, der seinerseits mit dem Vorsitzenden des Landeskirchenausschusses in Darmstadt, Oberkirchenrat Zentgraf in Verhandlungen, eintrat.

1936 Stellt sich Pfarrverwalter Karl Stiehl, zuletzt in Limburg, zur Verfügung. Am Tag der Verabschiedung Pfarrer Ludolph´s von den Gemeinden Simmersbach und Roth findet, wie auch im vergangenen Jahr, am 26. Apr. Nachmittags ein Volksmissionstag in der Kirche statt, der von der Kirchengemeinde und dem Gemeinschaftspflegeverein (repräsentiert durch Gemeinschaftspfleger Landskron, Steinbrücken) gemeinsam gestaltet wird. Dabei ergab sich die Gelegenheit, dass auch Pfarrverwalter Stiehl eine Predigt hielt und auf Grund dessen wird Pfarrverwalter Stiehl vom Kirchenvorstand einmütig zum Amtsnachfolger Pfarrer Ludolph´s gewählt.

1936 Pfarrer Karl Stiehl tritt die neue Pfarrstelle am 1. Mai 1936 an und übernimmt gleichzeitig die Verwaltung der Pfarrei.

    1. 1936 – 1954 Karl Stiehl

22 Juni 1911 in Löhnberg, hat nach dem Abitur am Weilburger Humanistischen Gymnasium in Gießen, Berlin, Heidelberg und Marburg studiert und das zweite Examen vor der Prüfungskommission der Bekennenden Kirche abgelegt. Vikar in Bauenfeld, Pfarrassistent in Nieder-Ohmen, Pfarrer der Bekennenden Kirche in Limburg, 1936 bis 1954 in Simmersbach. Am 1. Juni 1954 trat er sein Amt in Buchenau an. In seine Zeit fällt der Bau des neuen Pfarrhauses in Buchenau. Zum 1. Okt. 1973 wurde Pfarrer Stiehl pensioniert, anschließend jedoch für zwei Jahre

als Pfarrer in Dodenau reaktiviert. Während seiner Militärzeit hat Pfarrer Feigs aus Eibelshausen Simmersbach mit versorgt, die Konfirmanden mussten während dieser Zeit von Simmersbach nach Eibelshausen laufen.

1938 Der Schriftsteller Decker (Marienberg) hält am 24. Apr. die Festpredigt auf dem Volksmissionsfest.

1938 wird das Missionsfest am 25. Juli gefeiert, Festprediger ist Pfarrer Arndt.

1938 Evangelisation vom 5. – 11. Dez. durch Gemeinde-Pfleger Metzger (Dillenburg).

1939 Am 19.-25. Mai bekommt die Kirche zum Läuten der Glocken eine elektrische, Läutemaschine. Zu dieser Maßnahme war die Gemeinde gezwungen, da niemand mehr das Küsteramt übernehmen und die Glocken manuell in Bewegung setzen wollte. Am 28. Mai, zum Pfingstgottesdienst, riefen die Glocken erstmalig nicht mehr manuell, sondern elektrisch zum Gottesdienst.

1942 Die drei Glocken b’ -d – f, die drei Schwestern, am 31. Mai 1942 zum letztmalig zusammen ihre Stimme erhoben. Maria sah ihre jüngeren Geschwister Abschied nehmen und nie mehr wiederkehren. Wir stellen keine Vermutungen an, mit welchen Gefühlen die einsam gewordene Maria an ihre Gefährtinnen von 21 Jahren zurück dachte. Sicherlich hat sie sich sehr gewundert über die Zeitläufe, dass aus einer Dienerin Gottes und einer Ruferin in Frieden nun Mordwerkzeuge werden sollen, die den Menschen gar fest und feindlich anspringen, während sie doch zuvor so liebevoll die Menschen gerufen hatten. Wir wünschen der h’ – Glocke eine so lange Geschichte wie ,,Maria“ sie hat. Merkwürdige Welt, die schon in früheren Zeiten, als Glockengießerei und Geschützgießerei noch in einer Hand vereinigt waren, in Friedenszeiten aus Geschützen Glocken und in Kriegszeiten aus Glocken Geschütze gegossen hat.

1942 Am 1. Juni werden die am 30. Okt. 1921 eingebauten neuen Glocken vom Turm genommen und am 27. Aug. abtransportiert.

1945 Am 26. Aug. (13. So. nach Trinitatis) wird Pfarrer Stiehl die Verwaltung der Pfarrei Lixfeld übertragen da sich Pfarrer Theodor Ostertag noch in einem Minsker Lager in russischer Gefangenschaft befindet.

1945 Am 9. Sep. 1945 nach langer Zeit wieder ein Missionsfest gefeiert. Es predigten Missionar Windhövel (Laasphe) und Pfarrer Herrfurth (Dillenburg), das gut besuchte Fest brachte eine Kollekte von 1.758, 92 RM für die Rheinische-Mission.

1945 Zwischen dem 25. Nov. (Totenfest) und 2. Dez. (1. Advent) hat Pfarrer Kurt Raeder von der Berliner Stadtmission, er zusammen mit Pfarrer Stiehl im Gefangenenlager Winzenheim bei Bad Kreuznach, in Simmersbach evangelisiert. In den Nachmittags Bibelstunden ab 2 Uhr spricht Pfarrer Raeder über Elia. Die Vorstellung dieses Lebensbildes hat tiefen Eindruck hinterlassen, die weitere Themen der Evangelisation abends sind:

1. Gibt es noch ein Morgenrot für unser Volk?

2. 2. Warum lässt Gott so viel Ungerechtigkeit zu?

3. Wozu Christus?, 4. Warum gibt es so viele unglückliche Ehen?

4. Wo sind unsere Toten?

Bei dem Vortrag „Wo sind unsere Toten“ war der Andrang in der Kirche so groß, dass der Platz in der Kirche fast nicht ausreichte, es mussten Stühle und Bänke geholt werden und auf der Empore stehen viele Menschen. Die Kollekte für die Berliner Stadtmission beträgt 1.212,60 RM.

1946 Am 28. Juli haben wird in Simmersbach und am 1. Sep. 1946 in Roth das Missionsfest gefeiert. In Simmersbach predigen Dekan Gaul (Dillenburg) und Missionar Hude (Herborn), die Kollekte beträgt 1.298,96 RM.

In Roth predigten Pfarrer Herrfurth und Missionar Bender (Marburg), die Kollekte in Roth beträgt 1.438,00 RM.

1946 Am 9. Sep. 1946 spricht im Vereinshaus Pfarrer Grexa über „Irret euch nicht…“ zu den Männern des Kirchspiels, dies soll ein Auftakt zur Männerarbeit werden.

1948 Die freikirchliche Gemeinde-Schwester Karoline Geil (Zwaschdasch), die seit dem 6. Mai 1931 Ihren Dienst als Gemeinde-Schwester versieht, ist Krank und kann aus diesem Grund Ihren Dienst nicht ausüben.

Wird sich durch diese Situation der Streit von 1930/31 wiederholen?

In der Kirchengemeinde ist man der Meinung, dass die freie Gemeinde (FeG) gemäß ihrer 1931 gegebenen Zusage zu einer kirchlichen Schwester halten wird. Diese Zusage wurde aber derart verklausuliert abgegeben, so dass man sich seitens der FeG nicht daran gebunden fühlt und ihre Vertreter hätten 1931 außerdem erklärt, sie würden bei Dienstende der Schwester Karoline Geil sich mit einer kirchlichen Schwester einverstanden erklären, hätten aber nur für sich persönlich und nicht im Namen der FeG gesprochen.

Pfarrer Stiehl hat sich persönlich in Wiesbaden mit Pfarrer Kurt Dilcher, dem Leiter des Paulinenstiftes, verhandelt, um Schwester Maria Jacobi für Simmersbach zu bekommen, eine geborene Simmersbacher Schwester, die eventuell eine Bresche in die FeG geschlagen hätte. So wie 1931 die evangelische Kirchengemeinde umfiel, als die FeG Schwester Karoline Geil Vorschlug, so wäre die FeG eventuell auch umgefallen, wenn hier Gleiches mit Gleichem getan würde. Wiesbaden aber gab Schwester Maria Jacobi nicht frei.

Da inzwischen die freie Gemeinde ihre Station besetzt hat, die Mitglieder der Kirche sich aber zu 100%! Unterschriften für den kirchlichen Diakonieverein entschieden hat, musste schnell gehandelt werden. Pfarrer Schüßler vom Frankensteiner Mutterhaus in Wertheim/Main sagte eine Schwester zu. Und die stellvertretende Oberin war schnellstens hier, um an Ort und Stelle alles zu besprechen. So setzte sich Schwester Jenny Groeger am Tag der Währungsreform in den Zug und kam am nächsten Tag in Simmersbach an. So gibt es seit dem 21. Juni 1948 eine kirchliche und eine freikirchliche. Schwesternstation in Simmersbach.

Jennny Groeger

1947 Die Turmuhrenfabrik Eduard Korthage & Söhne, Melle, liefert am 15. Okt. 1947 die neue Kirchenuhr. Der Einbau verzögert sich aber noch über die Währungsreform hinaus, weil vom Kirchenvorstand nachträglich noch 4 Zifferblätter gewünscht wurden. Die Politische Gemeinde, die das „onusaedi ficandi et reparandi56“ am Kirchengebäude hat, erklärte sich trotz ihrer Bargeld-Reserven von 80.000 RM außer Stande, die 1815 von Simmersbacher Schmiedemeistern Theiß (Schlessaschorems) 57 gefertigte und nun völlig abgenutzte Uhr durch eine neue zu ersetzen. Um den eigenen Barbestand der Entwertung zu entziehen, nahm der Kirchenvorstand mit Kirchen-Aufsichtlicher Genehmigung die Neuanschaffung der Turmuhr in die Hand. Obwohl die Uhr fast doppelt Teuer werden sollte wie Veranschlagt, nämlich von 2.455,00 RM auf 4.795,- RM, konnte die Kirchengemeinde mit ihren Mitteln diese Summe finanzieren.

Als aber die Zifferblätter mit Leitwerk noch einmal 4.279,- RM kosteten, ging das über das Vermögen der Kirchengemeinde hinaus. Eine Haussammlung durch Glieder des Kirchenvorstandes und der Gemeindevertretung erbrachte dann aber die erforderliche Summe zusammen. Die Zivilgemeinde hat nach der Währungsreform lediglich die bei der Montage beteiligten Simmersbacher Handwerker bezahlt. Die Montage der Turmuhr wurde von der Kirchengemeinde aus Mitteln der Kollekten bezahlt. Die Beschaffung der Turmuhr wäre aber nicht möglich gewesen, trotz der großen Opfer- und Spendenbereitschaft der Dorfbewohner, wenn nicht Walter Krenzer (Stuhlfabrikant aus Frohnhausen), der Jagdpächter, die erforderlichen Kompensationen vorgenommen hätte. Was er alles an Elektromotoren, Handwagen, etc. geliefert hat, ist sein Geheimnis geblieben. Ohne Walter Krenzer hätte es keine Turmuhr in Simmersbach gegeben, denn in dieser Zeit war sie für Geld allein nicht zu bekommen.

1948 Wird die Kirche neu verputzt.

Am dem Zustand des Gotteshauses erkennt man die Gemeinde“!

Was für einen desolaten Eindruck hatten Besucher an der architektonisch so schönen Simmersbacher Kirche von außen!

Es war das reinste Spatzeneldorado!

Beim Vorbeigehen an der Südseite musste man befürchten, dass einem Steine auf den Kopf fallen könnten. Im Frühjahr 1948 war es dann endlich so weit, dass das Material bekommen hat. Hätte Pfarrer Stiehl und der zuständige Angestellt von Buderus – Wetzlar nicht schon längst zuvor den erforderlichen Zement Pfarrer Stiehl versprochen, jetzt hätte er ihn nicht mehr geliefert.

Die Schiefergrube Wilhelm Jacobi (Wolfsschlucht) hat dies zum Teil mit Schiefer kompensiert. Für den letzten Sand mussten noch 2 Sack Kartoffel mitgenommen werden. Sonst kam das Material herbei, ohne dass die Gemeinde belastet wurde. Das Verputzen der Kirche hat Pfarrer Stiehl wohl manchen, manchen Gang und einige Nerven gekostet. Die restlich anfallenden Kosten hat die Zivilgemeinde getragen.

1950 Die h’ – Glocke in Simmersbach wurde am 20. Juni 1950 in Sinn gegossen. Ein Omnibus mit den Kindern der Oberstufe unserer Volksschule fuhr zu Firma Rincker. Am Montag, dem 3. Juli 1950 ist die Glocke hier in Simmersbach angekommen und wurde noch am gleichen Tage aufgehängt. Die feierliche Einweihung der Glocke fand in einem besonderen Gottesdienst am 6. Juli 1950 statt.

Aus der jüngsten Geschichte der Simmersbacher Glocken:

Die 1909 gegossene Glocke hat den 1. Weltkrieg nicht überlebt. „Maria“ war mal wieder allein. Am 30. Okt. 1921 hat sie sich sehr gewundert, denn nun läuteten zum ersten Mal zwei Schwestern über und unter ihr. „Maria“ wurde damals noch als d angesprochen und erhielt als Gefährtinnen b und f. Auf der großen b’ – Glocke stand: ,,Christus, der ist mein Leben“ und auf der kleinen f – Glocke: ,,O Land, Land, Land, höre des Herrn Wort“. Dieses Jeremia Wort ist auf die am 6. Juli 1950 geweihte h’ – Glocke übergegangen.

1950 Am 1. Aug. 1950 wurde das Viertelstunden-Schlagwerk auf die Maria-Glocke gelegt, die zuvor den Vollstundenschlag hatte. Am Tag darauf wurde das Vollstunden-Schlagwerk auf die h’ – Glocke eingebaut. Montiert wurde die Umstellung der Schlagwerke vom Hersteller der Turmuhr, Turmuhrenfabrik Korthage & Söhne in Buer, Herr Schirrmayer.

1951 Am 5. Aug. wird Missionsfest mit Lic. Dr. med. Wilhelm Loew, Theol. Fakultät Mainz, als Festredner gefeiert. Die Gemeinde freute sich sehr, ihren Pfarrer von 1914 bis 1920 wiederzusehen. Pfarrer Rehberg, Pfarrer von 1909 bis 1914 hatte im Jahr 1950 auf dem Missionsfest gesprochen.

1951 Die Allianzgebetswoche wird zum ersten Mal zusammen mit der FeG stattfinden, dies hat dies zu einer wesentlichen Entspannung der beiderseitigen Verhältnisses geführt. Abwechselnd wurden die Veranstaltungen im kirchlichen und freikirchlichen Vereinshaus gehalten.

1952 Das Missionsfest wurde am 27. Juli 1952 gefeiert. Pfarrer Hartmann, Bad Wimpfen, hat am Vormittag in Roth gepredigt und am Nachmittag die Festpredigt in Simmersbach gehalten. Den missionarischen Dienst hat Pfarrverwalter Zeitz – Driedorf, früher rhein. Missionar, übernommen, die Kollekte betrug 349,35 DM.

1953 Im Mai 1953 wurde die Nordseite des Daches der Pfarrscheune umgedeckt. Der Schiefer, 50 Zentner, stammen aus der Schiefergrube Wolfsschlucht von Wilhelm Jacobi (Lenze). Sie wurden von Gustav Sänger (aus Ciliox, wohnt aber in Alwatz bei seiner Schwester), behauen. Gustav Sänger, Otto Kretz (Kretz Otto) und Otto Sänger aus Roth decken das Dach um. Das Umdecken der Südseite des Daches der Pfarrscheune führt Dachdecker-Meister Karl Sänger aus Roth und ist am 28. Aug. 1953 fertiggestellt. Der erforderliche Schiefer stammte ebenfalls aus der Grube Wolfsschlucht.

1954 Mit einem Gottesdienst am 23. Mai verabschiedete sich Pfarrer Karl Stiehl, der letztmalig am 23. Mai in den beiden Gemeinden hält und sein neues Amt in Buchenau an der Lahn übernimmt.

1954 Vakanz der Pfarrstelle

Die Pfarrstelle in Simmersbach und Roth war 23. Mai bis zum 1. Sept. vakant, Vertretung während dieser Zeit übernahm in Simmersbach Pfarrer Wagner aus Eibelshausen

1954 Die gemeinsamen Kirchenvorstände konnten unter den Bewerbern für die ausgeschriebene Pfarrstelle keinen geeigneten Nachfolger finden und überließen die Neubesetzung unter Verzicht ihres Wahlrechtes der Kirchenleitung. Diese betraute die Pfarrstelle mit Wirkung vom 1. Sep. Pfarrer Alfred Henrich

1954 Am 12. Sept. wird Pfarrer Alfred Henrich in Anwesenheit von Propst Herbert und unter Assistenz von Pfarrer E. Conradi (Ewersbach) und Pfarrer Engelhard (Oberhörlen) in sein Amt eingeführt.

    1. 1954 – 1978 Alfred Wilhelm Helmut Henrich

10. Juli 1911 in Frankfurt/Main, Sohn von Philipp Henrich (aus Rodenbach bei Altenstadt/Oberhessen) und Katharina Henrich geb. Apmann (aus Dexbach bei Biedenkopf/Lahn).

Besuch der Oberrealschule zu Frankfurt bis zum Abschluss, besuchte 4 Semester an der Theologischen Schule in Bethel, um fehlenden Sprachexamina nachzuholen, studierte in Marburg, Erlangen und wieder Marburg, legte im Sommer 1938 das 1. Theologische Examen in Marburg ab. Während des Predigerseminars in Herborn zur Wehrmacht eingezogen, Einsatz in Frankreich und Russland, kam am 10. Apr. 1945 In Königsberg (Ostpreußen) in russische Gefangenschaft und wurde im Jan. 1950 nach 5 jähriger Gefangenschaft krank entlassen.

Alfred Henrich mit Frau im Winter 1960 vor der alten Treppe des Pfarrhauses

Durch die lange Unterbrechung nach Krieg, Gefangenschaft und Krankheit bereitet er sich auf Seminaren in Herborn und Friedberg für das 2. Theologische Examen vor und legte dieses am 23. Jan. 1952 in Darmstadt ab. In seiner ersten Pfarrstelle in Ewersbach, mit Rittershausen und Mandeln, wurde er dort am 24. Feb. durch Propst Herbert ordiniert.

1954 Beim Amtsantritt besuchen fast 100% der Kinder den Sonntäglichen Kindergottesdienst, der von Otto Klein (Neuhobs) im Wechsel mit Pfarrer Henrich, der nur alle 14 Tage den Kindergottesdienst besucht, geleitet.

Frauenstunden finden regelmäßig wöchentlich während der Wintermonate statt.

1955 Starken Zuspruch erlebte die Evangelisation, bei der Stadtmissionar Schmitt (Wuppertal) in der Zeit zwischen dem Totensonntag (20. Nov:) und dem 1. Advent (27. Nov.) Vorträge hielt.

1955 Das Jahr beginnt mit einer Allianz-Gebetswoche, an der auch die Feg teilnimmt. Unter Beteiligung beider Seiten (ev. Kirchengem. und FeG) finden die Gebetswochen in der ersten Wochenhälfte (Mo.- Mi.) im evangelischen und in der zweiten Wochenhälfte im FeG-Vereinshaus statt. Die nach außen sichtbare Brüderlichkeit ist jedoch mit spürbaren Reserviertheit und Misstrauen geprägt, die Beteiligung am Gebet ist auf der evangelischen weniger ausgeprägt, während sich bei der FeG viele Gebet beteiligen.

1955 In Simmersbach hält die kirchliche Gemeinschaft in Verbindung mit dem Herborner Verein am 17. April ein Volksmissionsfest ab, bei dem Prediger Völz (Herborn), der derzeitige Inspektor des Vereins, die Predigt hielt. Das Volksmissionsfest wird von Herborn wohl nur der Kollekte willen gewollt, ist nicht wert, weiter beizubehalten

1955 Beim Missionsfest am letzten So. im Juli versammelte sich eine große Gemeinde im Pfarrgarten. Durch den FeG-Chor waren auch viele Besucher aus FeG im Pfarrgarten, es war ein großer Teil des Dorfes versammelt, als am Nachmittag Prediger Löffler (Offenbach, Bicken) die Predigt hält. Missionar Ellinger von der Rheinischen Mission gab anschließend einen Missionsbericht ab.

1955 Nach manchen Gespräche und Diskussionen hat sich der Kirchen-Vorstand entschlossen, die alte Ordnung der Vor- und Nachmittagsgottesdienste während der Sommermonate zu durchbrechen und in der Zeit zwischen dem 1. April und 1. Okt. den Gottesdienste auf den Vormittag im Wechsel zwischen 9.00 Uhr und 10.30 Uhr zu verlegen.

1955 Am 8. Mai (So. Kantate) wurde Pfarrer Alfred Henrich durch Propst Herbert, Pfarrer E. Conradi (Ewersbach) und Pfarrer Engelhardt (Oberhörlen) in die Gemeinde eingeführt.

1955 Am 3. Juli (4. So. nach Trinitatis) wurde der Kirchen-Vorstand und der Kirchen-Gemeindevertretung neu gewählt, es wurden gewählt:

Kirchen-Vorstand

Erich Heupel

Kirchl.-Gemeindevetretung

Gerhard Beck

Otto Klein

Erwin Clemens

Otto Klein

Gustav Wagner

Otto Theiß

Emil Wagner

Der Kirchen-Vorstand und die Kirchliche Gemeindevertretung wurden am 24. Juli, dem 7. nach Trinitatis, öffentlich im Gottesdienst verpflichtet und in ihr neues Amt eingeführt.

1955 Die Konfirmanden stiften für die Ausschmückung des Altars zwei neue versilberte Leuchter, weitere Spender stiften zwei passende Altarvasen.

1955 Die vor dem Pfarrhaus stehenden wilden Fliederbüsche, die fast die ganze vordere Front des Pfarrhauses abdeckten, werden gestutzt, weitere Erneuerungsarbeiten am Pfarrhaus werden noch folgen.

1956 Am Anfang des Jahres stand in der ersten vollen Woche wieder die Allianzgebetswoche und in beiden Gemeindehäusern (Mo.-Mi. in der FeG und Do.-Sa. im evangelischen Vereinshaus) durchgeführt. Der Vorschlag kam auf Bitte der evangelischen Gemeinde zustande, von der FeG erging dazu keine Aufforderung, sie war aber zur Gemeinschaft bereit.

1956 Das Simmersbacher Missionsfest am 29. Juli hatte diesmal eine besondere Anziehung durch den anwesenden Musikstudent aus Sumatra Manik, der mit Hilfe der Mission in Deutschland studierte. Er berichtete über seine Gemeinden im Batakland und ergänzte den Bericht des Missionars Loeber von der Rheinischen Mission. Die Predigt hielt Pfarrer Meizer (Bicken). Durch das herrliche Sommerwetter an diesem Tag kamen viele Gäste aus den umliegenden Gemeinden, so dass die Kollekte von 1.240,— DM eingenommen wurde.

1957 Die Allianzwoche wurde wieder gemeinsam mit der FeG begangen, in der ersten Wochenhälfte war die Gebetswoche im Vereinshaus der evangelischen Kirchengemeinde und wurde in der zweiten Wochenhälfte im Vereinshaus der FeG fortgesetzt.

1957 Das Missionsfest war wieder der besondere Höhepunkt des Jahres. Als Redner wurde der frühere Seelsorger von Hirzenhain und jetzigen Leiter des Erziehungsheimes von Neuendettelsau, Pfarrer Vömel, eingeladen. Nachdem er schon am Vormittag in Hirzenhain gepredigt hatte, zog er auch Besucher von dort an, so dass der Besuch des Festes trotz des etwas unbeständigen Wetters gut war. Den Missionsbericht gab Missionssekretär Meuler von der Rheinischen Mission. Das Dankopfer betrug 1.470,20 DM.

1957 Am 20. Sep. fand die Herbstkonferenz des C.V.J.M. Kreisverbandes im Vereinshaus statt, wozu aus dem ganzen Kreis die Vertreter anwesend waren. Pfarrer Henrich hielt die Bibelarbeit.

1957 Zwischen dem 26. Dez. (2. Weihnachtstag) und dem 30. Dez (Do) hielt Prediger Decker (Eisemroth, Dillkreis) eine Evangelisation in der Kirche ab, die, wie bei allen vorausgegangenen Evangelisationen, die Kirche brechend voll war. Zu solchen Veranstaltungen strömen die Menschen, als würde in diesen Tagen etwas ganz besonderes geboten und es wurde in packender, eindringlicher Weise die Botschaft verkündet.

1957 In der Kirche wird das baufällige Holzvorhaus an der Treppe durch einen neuen Vorbau ersetzt.

1958 Die Allianzwoche leitete das Jahr ein. Über dieser Woche lag ein besonders herzlicher Ton und das Gefühl echter Brüderlichkeit, die am Ende in eine besondere Gebetsgemeinschaft im kleinen Bruderkreis einmündet und die Woche ausklingen lässt. Die Feg zeigte diesmal kein Interesse an einer gemeinsamen Gebetswoche,

1958 Neu ist die von dem Hilfswerk aufgezogene Dorfwoche in den Tagen zwischen dem 30. Jan. und 4. Feb. mit dem Versuch, Fragen des Lebens von der Botschaft her zu beantworten. Der erste Abend stand unter dem Generalthema „Wohlauf, lasst uns eine Stadt und Turm bauen, des Spitze bis an den Himmelreicht, dass wir uns einen Namen machen.“ (1. Mose 11,4)

Die Vorträge an den verschiedenen Tagen hielten

  • Leiterin der Dorfwochenarbeit Frau (Lydia) A. K. Lahme (Oberursel./Ts)

  • Pfarrer Dr. Haubold (Mainz-Gustavsburg)

  • Hauptlehrer Löber (Langenaubach)

  • Frau Lydia Tröscher (Wiesbaden)

  • Frau Lydia Tröscher (Wiesbaden)

1958 Zwischen dem 17. (Mo) und . 21. Feb. Fr.) fand unter Leitung von Frl. Hartmann (Herborn) eine Mitarbeiterin im Frauenhilfswerk in Nord-Nassau, die Frauen des Dekanatsverbandes Gladenbach zu einer Gesamtfreizeit in Simmersbach statt.

Es waren täglich größere Gruppen verschiedener Gemeinden unsere Gäste und das Gemeindehaus konnte die Menge oft kaum fassen. Die Tagung stand unter dem Gesamtthema: „Die Frauen und die Jugend unserer Gemeinde“

An den Vormittagen hielt die Leiterin die Bibelarbeit über 3 Geschichten aus dem Lebendes Joseph, wie sie uns in 1. Mose 3,7-41 berichtet werden. An den Nachmittagen sprach die Beauftragte des Evangelischen Mädchenwerkes für Nord-Nassau, Fräulein Hermine Brand, über die Themen: „Was erwartet die Jugend von uns?“ – „Was erwarten wir von unserer Jugend?“ – und „Gibt es noch eine Gemeinschaft zwischen jung und alt?“ Sie ging dabei von der Situation des Jugendlichen aus, der unter schmerzlichen und ihm selbst nicht verständlichen Krisen zum selbständig denkenden und handelnden Menschen heranreift. Es ist nötig, dass der Erwachsene sich diese Zeit seines eigenen Lebens ins Gedächtnis zurückruft, um zu verstehen, dass die Zeit der Ungebärdigkeit ein Durchgang ist, der von der Seite der Eltern besonderer Liebe und Geduld und manchmal auch einer harten Hand bedarf.

Die von feinem Verständnis zeugenden Ausführungen von Frl. Brand halfen den Frauen, die Welt der Jugendlichen besser zu verstehen. Sie wies in Sonderheit auch auf die mancherlei Veranstaltungen der Kirche in Freizeiten und Dorfseminaren hin, die der Freude und Förderung der Jugendlichen dienen wollen. Frauen und Jugendliche vereinten sich an einem Abend, um auch an Hand von Bildern aus der Jugendarbeit Näheres davon zu hören und zu sehen und Freudigkeit zum Besuch solcher Veranstaltungen zu gewinnen. Nach Abschluss der inhaltreichen Tage bildete die Abendmahlsfeier, die noch einmal in die heilsame Gnade des Herrn führte, der alle unsere Schuld + unser Versagen am Kreuz hinaufträgt und uns täglich neu mit seinem Leben beschenkt.

1958 Zum Missionsfest am 27. Juli wurde Prediger Mankel vom Herborner Verein eingeladen. Dazu kam als Bote der Rheinischen Mission Missionar Flender. Durch den guten Besuch stieg das Dankopfer diesmal auf 1.548,43 DM.

1974 Es ist anzunehmen, dass der Taufstein im Rahmen von Renovierungsarbeiten um diese Zeit oder früher wegen der anders angeordneten Sitzordnung aus der Kirche entfernt und aus Platzmangel nicht mehr aufgestellt wurde (oder er dem damaligen Pfarrer Henrich nicht gefallen). Auf Veranlassung des Landeskonservators wurde der Taufstein dann in die evangelische Kirche zu Treysa verbracht, wo er noch heute steht.

    1. 1978 – 1989 Hillrich Ufkes

In seine Amtszeit fällt die Restaurierung der Kirche mit Freilegung der Barockfresken.

1979 Seit dem Erntedanktag 1979 wird komplett renoviert. Bis zum Herbst dieses Jahres sollen die historischen Decken- und Wandgemälde freigelegt und an die Gemeinde übergeben werden.

1980 Wenn am 4. April 1980, Karfreitag, dem höchsten evangelischen Feiertag des Jahres, die Kirchenglocken die Simmersbacher Gemeinde zum Gottesdienst einlädt, ist das auch in anderer Hinsicht ein besonderes Ereignis.

Zum ersten Mal seit dem Erntedanktag 1979 treffen sich die evangelischen Gemeindemitglieder wieder zu einem Gottesdienst in ihrer frisch renovierten Kirche. Das kleine, unscheinbare Gotteshaus aus dem frühen Mittelalter ragt mit frischem weißem Anstrich erhaben über dem alten Ortskern von Simmersbach. Im neuen Gewand zeigt sich auch der massive Chorturm mit seinem achteckigen, mit Schiefer bedeckten Spitzhelm. Anstelle des im 13. Jahrhundert erbauten Kirchenschiffs steht heute das Gebäude, das 1774 neu errichtet wurde. Doch die neu hergerichtete Fassade der Dorfkirche soll nicht das einzige Schmuckstück der unscheinbaren Dorfkirche bleiben. Im inneren des Gotteshauses wurden bei den Renovierungsarbeiten weitere, fast schon in Vergessenheit geratene Schätze entdeckt. Bis zum Herbst dieses Jahres sollen die historischen Decken- und Wandgemälde freigelegt und an die Gemeinde übergeben werden.

1980 Bei der Renovierung des Gotteshauses wurden alte Schätze neu entdeckt, die Restaurierungsarbeiten sollen aller Voraussicht nach bis zum Erntedanktag (5. Okt. 1980) abgeschlossen sein.

Für die Renovierungsarbeiten waren der Architekt Friedemann Franz aus Ewersbach und der Restaurator Eberhard Gramberg verantwortlich, Kirchenvorstand war Heinrich Clemens

1983 Der Kirchenvorstand beschloss nach Anregungen aus der Gemeinde eine 4. Glocke anzuschaffen. Nach dem überprüft wurde, ob die Statik des Glockenstuhls die Belastung einer zusätzlichen Glocke tragen kann, wurde diese in Auftrag gegeben. Der Kostenvoranschlag der Firma Rinker aus Sinn betrug 8795,44 DM. Als Inschrift für die neue Glocke wurde sich für Psalm 100 Vers 2 “Dienet dem Herrn mit Freuden” entschieden.

    1. 1990 – 2003 Angelika Giesecke

Wechselte am 1. Feb. 2003 in das Pfarreramt in Ober-Beerbach

Abschied der Gemeindepfarrerin Angelika Giesecke

Die erste Pfarrerin der Gemeinden Roth und Simmersbach hat sich am So., den 23.02.2003, in Simmersbach verabschiedet. Angelika Giesecke kam vor zwölf Jahren in die Gemeinde und trat als erste Frau ihren Dienst als „Pännersche” an. Der Abschiedsgottesdienst wurde vom Posaunenchores CVJM unter der Leitung von Torsten Reh und dem Männerchor des MGV Liederkranz unter der Leitung von Rolf Krämer musikalisch begleitet. „Ich bete an die Macht der Liebe” sangen die Männer des MGV Liederkranz zum Abschied. In ihrer Predigt ging Angelika Giesecke auf den Text der Schriftlesung Lukas 9, 9-15 ein. Das Gleichnis vom Sämann nahm die Pfarrerin als Gelegenheit, einen kleinen Rückblick zu wagen und immer wieder kleine Erinnerungen und Anekdoten einzubauen.

So erinnerte sie sich an eine Konfirmandenfreizeit bei der ein Junge für die Gottesdienstgestaltung eine Idee hatte, die man von ihm vielleicht erst gar nicht erwartet hätte. Er legte aus Steinen ein Kreuz und dazwischen Efeu und sagte dies sei das Leben aus dem Kreuz. Das ist eine von vielen Erinnerungen die Pfarrerin Giesecke aus ihrer Zeit in Simmersbach und Roth mitnimmt. In ihren zwölf Jahren hat sie so einiges erlebt, wie sie sich auch schon einmal im Gemeindebrief erinnerte: Einmal ist sie mit einem Brautpaar nach der Trauung auf einem Traktor durchs Dorf gefahren und einmal hat sie sieben Zimmermannsburschen die auf Wanderschaft waren, für eine Nacht Kost und Quartier geboten.

Pfarrerin Angelika Gieseke

Das Wichtigste ist für mich, dass Gottes Wort verständlich wird und die Menschen aufatmen lässt”, sagte sie. Die vielen Besuche bei den Gemeindemitgliedern zu Hause, die Arbeit in Grundschule und Kindergarten und das Zusammenarbeiten mit den verschiedenen Kreisen waren für sie das Schönste. Im März geht die Pfarrerin an die Bergstraße nach Ober-Beerbach wo sie ihre nächste Pfarrstelle angenommen hat. „Ihre” Gemeinde in Simmersbach und Roth hat sich eingeladen, am 6. April um 15 Uhr am Einführungsgottesdienst dort teilzunehmen oder sie einfach so zu besuchen, um die „wunderschöne gotische Kirche zu betrachten.” 58

1991 Im Zuge der Renovierung wurde die im Jahre 1896 von Gustav Roßmann aus Weilmünster-Möttau gebauten Orgel gereinigt und nach fast 100 Jahren die erste Reparatur erforderlich. Grund der Reparatur war, dass die Mechanik zu geräuschvoll reagierte. Dies bedeutete, dass das Pfeifenwerk komplett ausgebaut werden musste. Daneben erwies es sich als notwendig, auch die Filze im Spieltisch auszutauschen. Was lag da näher, als die Orgelbauer aus Möttau mit den Arbeiten zu beauftragen.

Der Sachverständige der Kirchenleitung Darmstadt hatte der hinter dem Altar auf einer Empore stehenden Orgel eine gut erhaltene Substanz und einen kräftigen Klang attestiert.

Da es sich hier um ein sowohl wertvolles, als auch gut gepflegtes Instrument handelt, war für den Kirchenvorstand ausschlaggebend, seine Zustimmung zur 11.000 DM (~5.650 EUR) teuren Restaurierung zu geben. Die Gemeinde wollte alles aus eigenen Mitteln finanzieren.

    1. 2003 –2011 Dorothee Lause

Dorothee Lause war vorher im der Pfarrei Sinn und wechselte 2011 in die Pfarrei Ortenberg mit den Gemeinden Bergheim und Usenborn

2009 Sanierungs- und Instandsetzungsarbeiten an den Dachtragwerken des Kirchenschiffes und des Turmes in der Zeit vom März 2009 – Juli 2009

Pläne des Daches und des Turmes für die Arbeiten am Dachtragwerk des Kirchenschiffes

2011- 2013 Vakanz der Pfarrstelle

Simmersbach hat in dieser Zeit keinen Pfarrer, während der Vakanz wurden die notwendigen Dienste wie Predigen, Taufen, Beerdigungen, Hochzeiten usw. unter anderem von den Pfarrern der umliegenden Pfarreien übernommen.

Pröpstin ordiniert am 30. Juni 2013 Pfarrvikar Lars Stephan

Die evangelischen Kirchengemeinden Simmersbach und Roth haben wieder einen Pfarrer: Nach zwei Jahren Vakanz ist Pfarrvikar Lars Stephan ins Simmersbacher Pfarrhaus eingezogen. Am So. hat Pfarrerin Annegret Puttkammer, die Pröpstin für Nord-Nassau, den neuen Seelsorger in Roth ordiniert und ins Amt eingeführt.

Da schon im Vorfeld klar war, dass die Kirche zu klein sein würde für den Andrang, war eine Liveübertragung des Gottesdienstes in Bild und Ton ins benachbarte Gemeindehaus vorbereitet worden. Die Gemeinde und die Gäste – auch eine starke Delegation aus dem Kirchspiel Fleisbach / Merkenbach war gekommen, wo Lars Stephan seine Vikariatszeit verbracht hatte – erlebten hier wie da einen vom Posaunenchor Simmersbach und dem Männergesangverein „Harmonie“ musikalisch festlich begleitete Feier, in deren Verlauf der Gladenbacher Dekan Matthias Ullrich von einem „Tag der Freude“ für das Dekanat und die beiden Kirchengemeinden“ sprach. Ausdrücklich dankte er den Kirchenvorständen für die intensive Vorarbeit und allen während der Vakanzzeit in der Gemeinde Engagierten für ihre Dienste.

Dekan Matthias Ullrich: “Tag der Freude“ für die Kirchengemeinden“

Pröpstin Puttkammer sprach über das „Pastorale Dreieck“ aus Gott, der Gemeinde und ihren Menschen und dem Pfarrer, bei dem es oft schwierig werden könne, die Ecken richtig auszutarieren. „In allen drei Ecken soll Liebe drin stecken“, gab sie dem aus Witten stammenden Seelsorger einen nostalgischen Poesiealbum-Spruch mit auf den Weg: Das Dreieck befinde sich ziemlich sicher in gutem Gleichgewicht, wenn man eine liebende Grundhaltung gegenüber Gott und seiner Gemeinde einnehme und auch nicht vergesse, sich selbst zu lieben, sagte die Theologin.

Über die „hammerharten Forderungen“ Jesu, man müsse seine Eltern und seine ganze Familie hassen, wolle man denn sein Jünger sein, predigte nach seiner Einführung Lars Stephan. Der Predigttext des 5. Sonntag nach Trinitatis wolle nicht so recht zur Frohen Botschaft passen und höre sich völlig absurd an, gestand der junge Pfarrvikar ein. Es werde deutlich, dass Jesu Nachfolger suche und niemanden, der einfach hinterherlaufe, sagte Stephan. Die Nachfolge könne drastische Konsequenzen haben, wolle wohl bedacht sein und verändere unweigerlich das bisherige Leben. Auch wenn bei Matthäus die gleiche Passage sinngemäß so übersetzt sei, dass niemand Jünger Jesu sein könne, der die Eltern und die Familie mehr liebe als Christus, bedeute sie eine echte Herausforderung auch für heutige Christen: „Kuschelglauben“ und „lauwarmes“ Christentum jedenfalls seien mit dem Jesuswort ausgeschlossen, machte Lars Stephan bewusst.

Was im Konfirmanden-Unterricht vielleicht noch einfach sei, werde im Bus, in der Schule und im Freundeskreis schwierig, meinte er an die Jugendlichen gewandt: „Schaffen wir das?“ Er beziehe diese Frage auch auf sich selbst und habe sich oft gefragt, ob er ein Pfarramt übernehmen und zwei Gemeinden leiten werde können. Doch man könne darauf vertrauen, dass Gott jenen, die ihm nachfolgten, zur Seite stehe, auch wenn der Weg schwer sei. Gott helfe auch, wenn es darum gehe, glaubhaft Zeugnis abzulegen.

Auch das Dorfgemeinschaftshaus in Roth erwies sich als zu klein für die Schar derer, die den neuen Pfarrer willkommen heißen wollten: Die draußen aufgestellten Sitzgarnituren wurden entsprechend rege genutzt. Per Lautsprecheranlage konnte auch dort der Reigen der Grußworte miterlebt werden, den Pfarrer Dr. Horst Hoffmann aus Witten eröffnete. Dekanatsjugendpfarrer Stefan Föste, -jugendreferent Klaus Grübener, der Lixfelder Pfarrer Christian Krüger, dessen Kollege Wieland Schäfer aus Eibelshausen sowie Matthias Ullrich als Vertreter des Dekanatssynodalvorstands begrüßten den neuen Kollegen ebenso wie der Eschenburger Bürgermeister Götz Konrad. Außerdem hießen Vertreter des CVJM und des Gemeinschaftsvereins Simmersbach sowie der FeG Lars Stephan willkommen. Begrüßungsworte sprachen auch Vertreter der beiden Kirchenvorstände um Anne Muhm (Roth) und Klaus-Dieter Theis (Simmerbach) und der Grundschule Simmersbach. 59

    1. 2013-2016 LARS STEPHAN

* 1979 in Witten, Nordrhein-Westfalen
Studium der Evang. Theologie in Wuppertal und Bochum
Studium Soziale Arbeit in Münster und Westfalen-Lippe.
Seit 2011 Vikariat im Kirchspiel Fleisbach-Merkenbach der Ev. Kirche Hessen-Nassau. Ab dem 01.06.2013 Pfarrer in Simmersbach und wird am 15. Mai 2016 (Pfing stsonntag) in einem festlichen Gottesdienst verabschiedet. Er ver-

verlässt die evangelischen Kirchengemeinden Simmersbach und Roth zum Monatsende, um eine Pfarrstelle in Wölfersheim (Wetterau) anzutreten.

Drei schöne Jahre”

Pfarrer Lars Stephan im Pfingst-Gottesdienst am 15. Mai 2016 verabschiedet

In einem Gottesdienst voller Musik ist Pfarrer Lars Stephan am Pfingstsonntag in Simmersbach verabschiedet worden. Der Seelsorger wechselt auf die Pfarrstelle nach Wölfersheim in der Wetterau.

Vize-Dekan Gerhard Failing
verabschiedet Pfarrer Lars Stephan am 15.06.2016

Viele Gemeindeglieder hätten sich sicher gewünscht, dass Ihr Dienst in den Evangelischen Kirchengemeinden Simmersbach und Roth länger gedauert hätte”, sagte Pfarrer Gerhard Failing als Stellvertretender Dekan, bevor er Stephan von seinen Verpflichtungen entband. Vor allem durch die Konfirmanden-arbeit und den Religionsunterricht, aber auch durch Kirchspiel-Gottesdienste und die Seelsorge in den Gemeinden werde Lars Stephan in Erinnerung bleiben, sagte Failing und erinnerte daran, dass jener vor knapp drei Jahren in Roth ordiniert und dann seinen Dienst als Pfarrvikar in den beiden Gemeinden angetreten habe.

Früher hätten Pfarrvikare – heute als Pfarrer auf Probe bezeichnet – noch verpflichtend die Stelle wechseln müssen, um ihre in den ersten Jahren gesammelten Erfahrungen woanders ausprobieren zu können, erinnerte Failing und dankte dem scheidenden Pfarrer herzlich für seine vielfältigen Dienste.

Dass der Abschied nicht leichtfällt, machten auch die vielen musikalische Beiträge deutlich, die in der bis auf den letzten Platz besetzte Simmersbacher Kirche erklangen. Nicht nur die Kinder des Kindergottesdiensts mit Sandra Heupel verabschiedeten sich mit einem Lied von Pfarrer Stephan, sondern auch der Chor “Surpr@ise” und der Simmersbacher Posaunenchor unter der Leitung von Thorsten Reh sowie der Gesangverein Liederkranz 1883, der von Hildegard Grebe dirigiert unter anderem Hanne Hallers “Vater unser” vortrug. Karin Theis als Vorsitzende des Kirchenvorstands und Alexandra Oerter überreichten zum Abschied ein Fotobuch “als Erinnerung an die drei schönen Jahre”.

Lars Stephan verband in seiner Predigt den Text aus der Lesung vom Turmbau zu Babel mit der Pfingstbotschaft. Nicht nur der Turm breche in Babylon zusammen, als der Blick für die Realität verloren gewesen sei, sondern auch das gemeinsame Fundament der Sprache sei zerstört und die Menschen von allen guten Geistern verlassen, sagte der scheidende Pfarrer: “Und das wiederholt sich jeden Tag in aller Welt aufs Neue”, beklagte er, bevor er die Pfingstgeschichte als ein Sprachwunder ganz anderer Art aufgriff. In Jerusalem habe der Heilige Geist bewirkt, dass alle einander verstanden und die Begeisterung der Jünger sie anstecken konnte: “So entstand nicht eine Individualität wie in Babel, sondern eine Glaubensgemeinschaft”, machte Lars Stephan mit Blick auf die Geburtsstunde der Kirche bewusst. “Es kommt nicht drauf an, höhere Türme zu bauen, sondern zusammen zu bauen”, sagte er: “Wo Menschen einander verstehen, da herrscht Gottes heiliger Geist, da herrscht Friede!”

Pfarrer Stephan dankte allen am Gottesdienst Beteiligten und dem Kirchenvorstand für ihre Unterstützung und den beiden Kirchengemeinden für die herzliche Aufnahme zu Beginn seiner Dienstzeit.

Ein besonderes Dankeschön ging auch an jene, die den Pfarrgarten mit viel Mühe in der Hoffnung auf einen Pfingst-Gottesdienst unter freiem Himmel hergerichtet hatten, was das Wetter mit Temperaturen um vier Grad aber nicht zugelassen habe. Immerhin brach während der Feier dann doch die Sonne durch, so dass sich die Gemeindemitglieder wenigstens im Freien bei Kaffee und anderen Getränken vor der Kirche noch persönlich von ihrem Pfarrer verabschieden konnten.

Pfarrer Gerhard Failing wird zum 1. Juli seinen Dienst als Vakanzvertreter in Simmersbach und Roth antreten. Mit einer halben Stelle wird er vor allem für die Gottesdienste zuständig sein und die Kirchenvorstände in ihrer Arbeit begleiten.

Seit 2016 Vakanz der Pfarrstelle

Vakanzvertreter ist Pfarren Gerhard Failing

* 1979 in Witten, Nordrhein-Westfalen

Pfarrer Gerhard Failing wird zum 1. Juli seinen Dienst als Vakanzvertreter in Simmersbach und Roth antreten. Mit einer halben Stelle wird er vor allem für die Gottesdienste zuständig sein und die Kirchenvorstände in ihrer Arbeit begleiten.

Somit hat die evangelische Kirchengemeinde von 1533 – 2016 insgesamt 36 mit Namen bekannte Pfarrstellenverwalter und Pfarrstelleninhaber gehabt.

2016 Mit den notwendigen Renovierungsarbeiten an der Mauer vor der Kirche wurde angefangen, dabei ist ein Stein mit der Jahreszahl “1922” ,wohl der Bau der Mauer, zum Vorschein gekommen.

2017 Im Jan. ließ sich die alte Steuerung der Glocken nicht mehr synchronisieren und es wurde eine neue Hauptuhr zur Steuerung der 4 Turmuhren und des Schlagwerks eingebaut. Die neue Steuerung verfügt über eine digitale Funkuhr mit Touchscreen-Bedienung.

2019 Die Gemeinden Simmersbach, Hirzenhain, Eiershausen und Wissenbach legen ihr Gemeindebüro zusammen. Zunächst war Simmersbach als Standort angedacht, aber Eiershausen ist Barrierefrei zu erreichen, hat mehr Parkplätzen vorm Haus, und der Raum ist größer.

Simmersbach hat sich von Roth getrennt.

2020 Die Pfarrstelle Simmersbach / Roth wird zum 01. Jan. 2020 komplett gestrichen. Die Gemeinde Simmersbach wechselt zum 01.01.2020 vom Dekanat Marburg Biedenkopf in das „Dekanat an der Dill“. Simmersbach geht eine Kooperation mit der Kirchengemeinde Hirzenhain ein, dadurch konnte man zusammen mit Hirzenhain für die nächsten Jahre die Pfarrstelle sichern. Somit hat Simmersbach ab 2020 wieder einen Pfarrer, bzw. zwei. Pfarrer Brück, (stellvertretender Dekan) und Pfarrer Hoppe zu je 50%.

Hier endet die Geschichte der selbstständigen Kirchengemeinde Simmersbach.

Quellen http://dekanat-big.de
https://kirche-simmersbach.de
Kirchenbuch Simmersbach
Festschrift zur 450-Jahrfeier an der Philippsbuche
Gemeindebriefe der ev. Kirche Simmersbach
100 heimatgeschichtliche Berichte von Pfarrer Karl Nebe 2008
Lagis-hessen.de, Historisches Ortslexikon Simmersbach, Stand 8. Juni 2018
Wikipedia
www.kirche-lixfeld-frechenhausen.de
Hinterländer Geschichtsblätter, Hinterländer Geschichtsblätter, Dr. Elsa Blöcher
Hinterländer Geschichtsblätter: 1997 Jahrgang 76 Nr. 1, Gerald Bamberger, Seite 72, Pfarrarchiv Simmersbach, Kirchenbuch 1627-1788, Seite 89
1997 Jahrgang 76 Nr. 1, Gerald Bamberger, Seite 72, Pfarrarchiv Simmersbach: Kirchenbuch 1627-1788, Seite. 291
Gerald Bamberger, Pfarrarchiv Simmersbach: Kirchenbuch 1627-1788, Seite 899
Heimat an Lahn und Dill, Bd. 345 (1997), Seite 2, Gerald Bamberger
Karl H.W. Tacke, Ahnentafel der Familie Geil vom Feb. 1997
Dr. Elsa Blöcher, Der Zimmermann im Hinterland und seine Balkeninschriften
Frank Rudolf “Das Evangelische Dekanat Gladenbach”, Stand 8. Aug. 2019

Fußnoten:

1 Archidiakonat, ein landesherrliches Kirchenregiment oder Summepiscopat und ist ein Ausdruck aus der deutschen Rechts- und Kirchengeschichte. Es beschreibt die Leitungsgewalt (das Regiment) des Inhabers der Territorialgewalt (des Landesherrn) über das evangelische Kirchenwesen in seinem Territorium bis 1918

2 Dietkirchen an der Lahn ist ein Stadtteil der Kreisstadt Limburg an der Lahn des mittelhessischen Landkreises Limburg-Weilburg

3 Gesamtheit der zu einem Dechanat (Dekanat) gehörenden Geistlichen

4 St. Katharina, obwohl ihre Existenz historisch nicht belegt ist, ist die Heilige Katharina von Alexandrien eine der bekanntesten katholischen Heiligen. Sie zählt zu den 14 Nothelfern, gilt als Helferin bei Leiden der Zunge und Sprachschwierigkeiten. Die heilige Katharina ist Schutzpatronin der Schulen, der philosophischen Fakultäten, der Näherinnen und Schneiderinnen. Erstmals wurde sie im 10. Jahrhundert schriftlich erwähnt. Der Überlieferung nach lebte sie im 3. oder 4. Jahrhundert und erlitt unter Kaiser Maximilian oder seinem Sohn Maxentius das Martyrium

5 Das Amt des Metropoliten bezeichnet einen Oberbischof, der einem Verbund von Bistümern vorsteht und seinen Sitz in einer Provinzhauptstadt (altgriechisch μητρόπολις, mētrópolis „Mutterstadt“ (einer Kolonie). Der Inspektor (lat. inspector = Beschauer) ist eine Amtsbezeichnung für einen Beamten des gehobenen Dienstes
Quelle: Frank Rudolf ” Das Evangelische Dekanat Gladenbach”, Stand 8. Aug. 2019

6 Quelle: Frank Rudolf ” Das Evangelische Dekanat Gladenbach”, Stand 8. Aug. 2019
Pfarrer Nebe Bergebersbach „100 heimatgeschichtliche Berichte“ 2008 von Harro Schäfer, Heinrich Brachthäuser, Erich Pfeiffer, Seite 11-16 (

7 Salbuch, ein amtliches Güter- und Einnahmenregister; Bestandsverzeichnis eines größeren Grundbesitzes; ursprünglich in kirchlichen Grundherrschaften entstanden, wird die Bez. auf vergleichbare Register in anderen Institutionen übertragen

8 Konsistorium, Konsistori (von lateinisch consistorium „Versammlungsort, Versammlung; kaiserliches Kabinett, Kronrat, Senatsversammlung“) bezeichnet man in der römisch-katholischen Kirche die Vollversammlung der Kardinäle, in den evangelischen Kirchen ein Kirchengericht oder eine kirchliche Behörde.

9 Superintendent, Superintendanten (lateinisch superintendens, wörtlich ‚Aufseher‘,ist der Inhaber eines Leitungsamtes in evangelischen Kirchen.

10 Frondienst, (vom mittelhochdeutschen vrôn „was den [geistlichen oder weltlichen] Herrn betrifft, ihm gehört“, zu mittelhochdeutsch frô „Herr“) bezeichnet persönliche Dienstleistungen von Bauern für ihre Grundherren

11 Meste, Ein betrag an Getreide, Obst, der jedes Mal zu bestimmter Zeit rechtlich zu beziehen ist. Mesten sind ein Hohlmaß, meist ergeben 16 oder 18 Mesten eine Malter; 1 Meste = 25 Pfund; 4 Mesten = 1 Mötte ( siehe auch Münzen, Hohl- und Fruchtmaße)

12 Akidenzien, von lat. accidens; Plural: Akzidentien, auch manchmal Akzidenz, bezeichnet das nicht Wesentliche (das nicht Essentielle), das sich Verändernde, das Zufällige (griech. symbebêkos) einer Sache.

13 Quelle: Lagis-hessen.de, Historisches Ortslexikon Simmersbach vom 8.6.2018

14 Quelle: Lagis-hessen.de, Historisches Ortslexikon Simmersbach, Stand 8. Juni 2018

15 Quelle: Lagis-hessen.de, Historisches Ortslexikon Simmersbach, Stand 8. Juni 2018

16 Superintendent (lateinisch superintendens, wörtlich ‚Aufseher‘,ist der Inhaber eines Leitungsamtes in evangelischen Kirchen.

17 Quelle: Lagis-hessen.de, Historisches Ortslexikon Simmersbach vom 8.6.2018

18 Quelle: Lagis-hessen.de, Historisches Ortslexikon Simmersbach vom 8.6.2018

19 Bernhard Herzog von Sachsen-Weimar (16. August 1604 in Weimar; †18. Juli 1639 in Neuenburg am Rhein) war ein Feldherr des Dreißigjährigen Krieges

20 Quelle: Lagis-hessen.de, Historisches Ortslexikon Simmersbach, Stand 8. Juni 2018

21 Quelle: Geschichte der evangelischen Kirche Oberhörlen

22 Visitation (von lateinisch visitatio, deutsch ‚Sehen, Besichtigung, Besuch’) bedeutet in Kirchen- und Ordensverfassungen den Besuch eines Oberen mit Aufsichtsbefugnis zum Zweck der Bestandsaufnahme und Normenkontrolle.

23 Quelle: Lagis-hessen.de, Historisches Ortslexikon Simmersbach, Stand 8. Juni 2018

24 Der Vertrag von Vossem (französisch Traité de Vossem) wurde am 6. Juni 1673 zwischen dem König von Frankreich und dem Kurfürsten von Brandenburg-Preußen geschlossen und beendete als Separatfrieden die brandenburgische Unterstützung der Niederlande im Holländischen Krieg. Im Sommer 1674 verwüstete Marschall Turenne planmäßig die Kurpfalz und zwang so den Reichstag, Frankreich zum Reichsfeind zu erklären. Am 23. August 1674 setzte sich ein 20.000 Mann starkes brandenburgisches Kontingent der Reichsarmee in Marsch, dies bewog Frankreich dazu, die Schweden zum Einmarsch in Brandenburg am 25. Dezember 1674 zu ermuntern.

25 Henri de La Tour d’Auvergne, vicomte de Turenne (* 11. September 1611 in Sedan; † 27. Juli 1675 bei Sasbach, Baden, gefallen, ein französischer Heerführer und Marschall

26 Mit „in diesem Land” ist, gebräuchlich bei den Einträgen des Pfarrers, die engere Heimat gemeint, im Gegensatz zu „Hessen und anderen Orten”. Das Feuerzeichen am Himmel ist wohl eines der seltenen Nordlichter gewesen, deren letztes hier vor etwa 30 Jahren zu sehen war.

27 Dorothea Charlotte, eine Tochter des Markgrafen Albrecht von Brandenburg-Ansbach (1620 †1667) aus der zweiter Ehe mit Sophie Margarete (1634 †1664)und heiratet am 1. Dez. 1687 den Landgrafen Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt und wurde in der Fürstengruft der Stadtkirche Darmstadt bestattet.

28 Quellen: Hinterländer Anzeiger vom 20.08.2019, www.mittelhessen.de
Bildarchiv Marburg, https://www.bildindex.de/document/obj20659980

29 Adjunkt ist eine Bezeichnung für junge Kaplane und protestantische Geistliche, die einem Pfarrer als Aushilfe zugeordnet waren.

30 Zwischen 1792 und 1815 befand sich Frankreich mit mehreren europäischer Großmächte, unter anderem Preußen, im Krieg. Anlass für diesen kriegerischen Konflikt war die Französische Revolution, die in Frankreich die Ideale von Menschenrechten, Freiheit und Nation durchgesetzt hatte. Europas Monarchien fühlten sich von diesen Ereignissen bedroht und verbündeten sich gegen die französische Armee, die durch General Napoleon Bonaparte große Teile Europas eroberte.

31 pro licentia Conoionadi, Pro licentĭa (lat.), »für die Erlaubnis«, auf Universitäten Vorlesungen zu halten, zu predigen etc., daher p. l. docendi disputieren, p. l. concionandi geprüft werden

32 Pro ministerĭo (lat.), für das Predigtamt

33 Der Pfarrgarten befand sich an der heutigen Biedenkopfer Straße, unterhalb von Schlessaschorems in Richtung Eibelshausen, heute steht dort die Grundschule, die 1904 im Pfarrgarten gebaut wurde

34 Wilhelm I. (22. März 1797, Berlin †9. März 1888, Berlin) aus dem Haus Hohenzollern, 1840 Thronfolger, 1858 Prinzregent, 1861 König von Preußen, ab 1871 der erste Deutscher Kaiser, ∞11. Juni 1829 Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach (* 30. Sept. 1811 † 7. Jan. 1890)

35 Friedrich III. (18. Oktober 1831 in Potsdam als Friedrich Wilhelm Nikolaus Karl von Preußen, †15. Juni 1888 in Potsdam), aus dem Haus Hohenzollern war vor seinem Tode nur 99 Tage Deutscher Kaiser und König von Preußen, ∞ 29. Jan. 1858 Victoria Adelaide Marie Luise of Great Britain and Ireland ((* 21. Nov. 1840 in London † 5. Aug. 1901 in Kronberg im Taunus)

36 Die Schlacht von Sedan fand am 1. und 2. September 1870 im Deutsch-Französischen Krieg statt. Der deutsche Sieg war vorentscheidend für den Ausgang des Krieges, auf französischer Seite hatte die Kapitulation der französischen Truppen und die Gefangennahme des Kaisers Napoleon III. die Ausrufung der Republik zur Folge.

37 Deutsches Kaiserreich“ ist die Bezeichnung des Deutschen Reichs von 1871 bis 1918, zur eindeutigen Abgrenzung gegenüber der Zeit nach 1918. Im „Deutschen Kaiserreich“ war der deutsche Nationalstaat eine bundesstaatlich organisierte, am monarchischen Prinzip ausgerichtete konstitutionelle Monarchie. Die Kaiserproklamation des preußischen Königs Wilhelm I. am 18. Jan. 1871 im Spiegelsaal von Versailles.

38 Philipp Melanchthon, eigentlich Philipp Schwartzerdt (16. Februar 1497 in Bretten; †19. April 1560 in Wittenberg) war ein deutscher Altphilologe, Philosoph, Humanist, lutherischer Theologe, Lehrbuchautor und neulateinischer Dichter. Er war als Reformator neben Martin Luther eine treibende Kraft der deutschen und europäischen kirchenpolitischen Reformation und wurde auch „Praeceptor Germaniae“, Lehrer Deutschlands, genannt.

39 Das Gustav-Adolf-Werk e.V. Diasporawerk der Evangelischen Kirche in Deutschland, gegründet 1832, ist das älteste bundesweite evangelische Hilfswerk in Deutschland. Es hat seinen Sitz in Leipzig und trägt den Namen des schwedischen Königs Gustav II. Adolf. Eine Vereinigung von Stiftung und Verein erfolgt am 16. Sept. 1842 in der Thomaskirche Leipzig zum Evangelischen Verein der Gustav-Adolf-Stiftung. Die Satzung wird am 21. Sept. 1843 in Frankfurt am Main beschlossen, Leipzig wird als Ort für die Zentrale bestimmt, die Gliederung basierte auf gleichberechtigten Haupt- und Zweigvereinen in den deutschen Ländern.

40 Die “Freie evangelische Gemeinde” ist eine evangelische Freikirche. Der Bund ist kongregationalistisch (eine Form der christlichen Gemeindeverfassung, in der die Autonomie der einzelnen Kirchengemeinden oberste Priorität hat) organisiert. Als Zusammenschluss selbstständiger Ortsgemeinden (FeG) versteht er sich als „geistliche Lebens- und Dienstgemeinschaft“. Die erste Freie evangelische Gemeinde im deutschsprachigen Raum wurde am 22. Nov. 1854 von Hermann Heinrich Grafe zusammen mit fünf weiteren Männern in Elberfeld (Wuppertal) gegründet. Die christliche Gemeinde sollte auf dem „Terrain der freien Gnade Gottes in Christo Jesu“ aufgebaut sein, denn sie bildet die Grundlage, auf der sich alle Kinder Gottes versammeln. Sie begründet auch die „Einheit der Kinder Gottes“, für die Grafe im Sinne der 1846 in London begründeten Evangelischen Allianz eintrat. Der Einheitsgedanke korrespondierte bei Grafe mit dem Prinzip der „Trennung von der Welt“, womit er die Unterscheidung und Scheidung von Glaubenden und Nichtglaubenden bezüglich der Gemeindemitgliedschaft meinte, die er in den Volks- und Landeskirchen als nicht gegeben ansah

41 Vicinal, Vicinalwege, -straße, Nachbarschaftsstraße (heute Land-, Kreis-, Bundesstraße)

42 Quelle Die Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Niederweidbach seit 1533, Frank Rudolph 2009, Vgl. Statistik der evangel. Pfarreien, 95; Wegweiser 1930, 276

43 Originaltext aus den Mitteilungen der Geschichte und Heimatkunde des Kreises Biedenkopf, Vereinsblatt des „Geschichtsvereins für den Kreis Biedenkopf“ 4. Jahrgang, 22. Okt. 1910, Nr. 10, zur Einweihung des Gedenksteins an der Philippsbuche am 11. Sept. 1910

44 Synodalvikar setzt sich aus den Substativen „Synode“ und „Vikar“ zusammen,
Synode (griechisch) „Versammlung“, synodia, „Reisegesellschaft, Karawane“ (auch als Synonym für „Familie“) bezeichnet eine Versammlung in kirchlichen Angelegenheiten.
Vikar leitet sich von lateinisch vicarius „Statthalter, Stellvertreter“ ab und, in verschiedenen Konfessionen bezeichnet er unterschiedliche Ämter; ein Stellvertretender Versammlungsleiter

45 Ein Lizenziat (auch Lizentiat; von lateinischen licentiatus abgeleitet, abgekürzt lic.) ist der Inhaber einer akademischen Licentia docendi einer Erlaubnis zu lehren.

46 Quelle: Internetseite Saarländische Biografien

47 Quelle: www.kreiszeitung.de vom 18.09.2015

48 Der „Gemeinschaftsverein Simmersbach“, 1921 gegründet und eingetragen, setzte sich aus dem Jünglings- und Jungfrauenverein, dem Posaunen-, Männer,- und dem gemischten Chor zusammen

49 Die Maul- und Klauenseuche (MKS) ist eine hoch ansteckende Viruserkrankung bei Rindern und Schweinen und ist eine anzeigepflichtige Tierseuche. Auch andere Paarhufer wie Rehe, Ziegen und Schafe, aber auch Elefanten, Ratten und Igel können sich infizieren. Pferde sind nicht für MKS anfällig. Eine Infektion des Menschen tritt gelegentlich auf.

50 „Gold gab ich für Eisen“ rief dazu auf, Gold und Schmuck zur Kriegsfinanzierung zu spenden. Im Gegenzug erhielt der Spender Eisenschmuck. Trauringe, Broschen und Schmuckringe wurden an die spendenwilligen Bürger ausgegeben, zum Teil waren diese mit dem Eisernen Kreuz verziert. Der Aufruf betraf auch das Vermögen von Vereinen, Kirchengemeinden und staatlichen Stellen.

51 Luther – Ein Film der deutschen Reformation ist ein Historienfilm dem Jahr 1927 und damit einer der ersten Lutherfilme. Der Stummfilm betont Luther als Kämpfer für das Evangelium und entspricht mit der Darstellung des Reformators als „deutscher Held des Protestantismus“ dem damaligen Zeitgeist. Der Film in Starbesetzung ist die einzige Regiearbeit des Drehbuchautors Hans Kyser

52 Quelle: Geschichte der evangelischen Kirche Oberhörlen

53 Die Bekennende Kirche (BK) war eine Oppositionsbewegung evangelischer Christen gegen Versuche einer Gleichschaltung von Lehre und Organisation der Deutschen Evangelischen Kirche (DEK) mit dem Nationalsozialismus. Solche Versuche wurden bis 1934 von den Deutschen Christen unternommen, später staatlich eingesetzte Kirchenausschüsse und teilweise direkte Staatskommissare, die die Kirchenvertreter absetzten (Quelle Wikipedia, bekennende Kirche)

54 Quelle: Notiz in der Dill-Zeitung am 30. Okt. 1934

55 Quelle: Geschichte der evangelischen Kirche Oberhörlen

56 „onus aedificandi et reparandi“,.die Baupflicht, die Kirche ist im Jahr 1774 erbaut worden und wird von der Gemeinde im Stand erhalten.

57 Dazu Schreibt Gerald Bamberger (Hinterländer Geschichtsverein)
Bei meinen Forschungen zur Kirchenbaugeschichte bin ich oft auf Ihre Vorfahren gestoßen, die zahlreiche Uhren geschaffen haben so auch hier in Hartenrod. In meinem Buch über die Kirchengeschichte von Hartenrod “Lasst doch die Kirche im Dorf” von 1997 habe ich darüber geschrieben: “Im Jahre 1774 hatte das Kirchspiel Hartenrod endlich genug und ließ eine neue Uhr machen von einem Schloßer von Simmersbach; vermutlich ein Mitglied der dortigen Schlosserfamilie Theis, welche in der hiesigen Gegend in den Jahrzehnten um 1800 die meisten Neubauten und Reparaturen an Uhren übernahm. In dem Vertrag wurde festgelegt, daß die Uhr alle halbe Stunde auch schlagen und anzeigen muß, wie nicht weniger ein Uhrzeiger gemacht, welcher die Stunde außwendig an der Kirche zeiget. Dies ist der früheste Hinweis auf ein Zifferblatt im Hinterland und es sollte auch für lange Zeit das einzigste bleiben. Diese Uhr hat der Uhrmacher bey seinem Eßen gemacht, auch alle Materialien als Eyßen und Stahl, was ferner darzu gehört, stellen müße, nur daß das Kirchspiel solche von Simmersbach abgelangt, und er hier solche aufgesetzt. Das Kirchspiel hat diese Uhr bezahlt und zwar mit 90 fl.”
In Achenbach hat 1772 ein “Joh. Theis” (der zweite Vorname wird leider nicht genannt) die dortige Kirchenuhr repariert, desgleich auch 1843 und 1844 ein Adam Theis von Simmersbach

58 Quelle: Hinterländer Anzeiger vom 28.02.2003, Heinz Blöcher

59 Quelle: http://dekanat-big.de

Erstellt von Klaus Wagner (Hirte) Sept. 2019

 

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