Ein Leuchten umschließt die Welt

Am 9. Dezember 2018 stellen Eltern um 19 Uhr zum Gedenken an ihre verstorbenen Kinder eine angezündete Kerze in das Fenster. Wie an jedem zweiten Sonntag in diesem Monat, ist es der Tag des „Worlwide Candle Lighting“ – des weltweiten Kerzenanzündens. Vielerorts gibt es zudem Gedenkfeier.

Was verdeutlichen die erleuchteten Kerzen in den Fenstern?
Jedes Licht versichert den Eltern, dass sie nicht alleine sind und bringt ihre Verbundenheit in der Trauer zum Ausdruck. Und dieses Licht geht um die ganze Welt: Während die Kerzen in einer Zeitzone erlöschen, werden sie in der nächsten angezündet. So entsteht ein Leuchten, dass 24 Stunden lang die ganze Welt umschließt.

In Deutschland sterben jährlich ungefähr 20.000 Kinder und Jugendliche. Das Kerzenlicht verdeutlicht, dass diese jungen Menschen die Welt erhellt haben und nie vergessen sein werden. Es steht auch für die Hoffnung, dass die Trauer das Leben der Angehörigen nicht für immer dunkel bleiben lässt.

Die tragende Gemeinschaft steht auch hinter den Treffen von Trauergruppen?
Ja, denn in den Gruppen erleben die Eltern: „Du bist nicht alleine.“ Seit dem Tod unseres Sohnes 2007 finde ich bei den Trauernden Eltern einen Ort, an dem meine Gedanken und Gefühle ihren Platz haben. Ich muss sie nicht erklären, denn die anderen verstehen sie sofort.

Sollte man die Eltern in der Nachbarschaft ansprechen, wenn man bei ihnen ein Licht im Fenster gesehen hat?
Das ist nicht einfach zu beantworten. Denn es kann natürlich sein, dass in diesem Moment die Gefühle der Eltern wieder aufbrechen. Aber ja, ich denke, dass ein Ansprechen besser ist als das Schweigen. Über den Verlust der Menschen in der unmittelbaren Umgebung sollte nicht hinweggesehen werden.

Es ist gut, dass das Verschweigen nicht mehr so häufig geschieht. Mittlerweile wird die Trauer gesehen, und so werden auch trauernde Kinder wie etwa die aus der Schulklasse meines Sohnes von qualifizierten Begleiterinnen und Begleitern betreut. Zu diesem Wandel haben auch die Trauergruppen und ihre Öffentlichkeitsarbeit beigetragen.
Die Idee zu dem „Worlwide Candle Lighting“ kommt aus den USA und entstammt der Bewegung „The Compassionate Friends” – der mitfühlenden Freunde. Der Geistliche und Initiator Simon Stephens merkte vor mehr als 40 Jahren, dass sich trauernde Eltern gegenseitig besser unterstützen und helfen können, als er es je könnte.

Kerzen anzünden und Namen nennen, so werden trauernde aktiv und sind damit nicht mehr vollkommen ohnmächtig ihrem Verlust ausgeliefert. Das Anzünden eines Lichtes ist ein Ritual, das die Menschen seit Urzeiten als einen Akt gegen die Dunkelheit vollziehen. Es gibt ihnen Hoffnung.

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