Warum ist der Gründonnerstag grün?

Der Gründonnerstag ist zwar kein staatlicher Feiertag. Trotzdem spielt er eine wichtige Rolle in der Ostergeschichte, denn an diesem Tag wurde Jesus von seinen Jüngern verraten.

Was macht diese Nacht anders als alle anderen Nächte?“, fragt beim jüdischen Passahfest ein Kind am Tisch. Die Erwachsenen erklären: In dieser Nacht werde an die großen Taten Gottes erinnert. Gott habe sein Volk Israel aus der Sklaverei in Ägypten befreit. Passah und Ostern liegen zeitlich nahe beieinander.

Die Nacht des letzten Abendmahls

An einem Donnerstag vor fast 2000 Jahren, wohl im April des Jahres 30, ist Jesus mit seinen Jüngern nach Jerusalem gekommen. Er will das Passahfest feiern. Das Festessen wird zu einem Abschiedsmahl: zum letzten Abendmahl. Jesus sieht voraus, dass nun seine Passion beginnt. Beim letzten Abendmahl nimmt Jesus nach jüdischem Brauch zu Beginn des Essens ein Brot, spricht ein Dankgebet darüber und teilt das Brot mit seinen Jüngern. Jesus verbindet das mit den Worten: „Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird.“ (Lukas 22, 19; 1. Korinther 11, 23)

Nach dem Essen lässt Jesus, wieder ganz nach der Ordnung jüdischen Glaubens, einen Kelch mit Wein im Kreis seiner Jünger herumgehen. Alle trinken daraus. Jesus sagt dazu: „Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut.“ (Lukas 22, 20; 1. Korinther 11, 25)

Das berichten in der Bibel die Evangelisten Matthäus, Markus und Lukas sowie der Apostel Paulus. Zum Gedächtnis an Jesus wird am Gründonnerstag weltweit Abendmahl gefeiert. Nach christlichem Glauben ist Christus beim Abendmahl in und mit Brot und Wein gegenwärtig.

Die Nacht des Verrats

Als die Jünger noch mit Jesus zu Tisch sitzen, kündigt Jesus an: „Einer von euch wird mich verraten.“ Die Jünger fragen bestürzt, jeder einzeln: „Bin ich es, Herr?“ Jesus antwortet: „Der die Hand mit mir in die Schüssel taucht, der wird mich verraten.“ Da fragt Judas: „Bin ich es, Rabbi?“ Er muss die Frage eigentlich nicht stellen: Er hat Jesus schon zuvor für 30 Silberlinge an die Hohepriester verraten, die Jesus ausschalten wollen. Anscheinend will Judas die Antwort von Jesus hören will. Der spricht zu ihm: „Du sagst es.“ (Matthäus 26, 21-25)

Es kommt, wie Jesus vorausgesagt hat: Judas führt noch in derselben Nacht die Häscher der Hohepriester in den Garten Gethsemane. Dort hat sich Jesus mit seinen Jüngern zurückgezogen. Judas verrät Jesus mit einem Kuss. Schon am nächsten Morgen bereut Judas, was er getan hat. Er will die seither sprichwörtlichen „Judasgroschen“ den Hohepriestern zurückgeben. Doch die lehnen ab: „Was geht uns das an?“ Da wirft Judas das Geld in den Tempel, geht weg und erhängt sich (Matthäus 27, 5).

Warum Judas Jesus verrät, ist nicht eindeutig. Vielleicht war er in seinen Erwartungen enttäuscht, die er in Jesus als den Befreier Israels gesetzt hatte. Vielleicht wollte er Jesus zu der Entscheidung zwingen, endlich seine wahre Macht zu zeigen, loszuschlagen gegen die Besatzungsmacht der Römer und Gottes Reich zu errichten.

Die Nacht der Verleugnung

Aber auch die anderen Jünger am Tisch des Abendmahls werden sich in dieser Nacht ganz anders verhalten, als sie erklären. Jesus kündigt ihnen an: „In dieser Nacht werdet ihr alle Ärgernis an mir nehmen.“ „Niemals! Ich nicht!“, erwidert Petrus. „Lieber sterbe ich, als dich zu verlassen.“ Und so beteuern es auch alle anderen. Doch Jesu Worte an Petrus werden noch in derselben Nacht wahr: „Ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.“ Als Jesus verhaftet ist und verhört wird, schleicht Petrus hinterher. Er wird erkannt als einer von den Galiläern, die zu diesem Jesus von Nazareth gehören. Petrus leugnet, flucht und schwört: „Ich kenne den Menschen nicht.“ Da kräht der Hahn. Petrus geht hinaus und weint bitterlich. (Matthäus 26, 69-75) So steht der Gründonnerstag für Abschied, bei dem man sich in sich selbst täuscht.

Die Nacht der Verzweiflung

Die Evangelien berichten: Jesus sieht das alles voraus. Trotzdem sitzt er mit seinen Zwölf beim Abendmahl am Tisch und teilt mit ihnen Brot und Wein. Danach geht er mit ihnen nach Gethsemane, einem Gartengrundstück beim Ölberg gegenüber der Jerusalemer Altstadt. Er bittet seine Jünger: „Wachet und betet!“ Er selbst zieht sich zurück, fällt auf die Knie und betet verzweifelt: „Vater, willst du, so nimm diesen Kelch von mir; doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe!“ Sein Gebet ist wie ein Ringen mit dem Tod, so heftig, dass sein Schweiß wie Blutstropfen auf die Erde fällt. Als er zu seinen Jüngern zurückkehrt, sind die eingeschlafen. So steht der Gründonnerstag auch für den verschlafenen Abschied. Den Abschied, den man nicht bemerkt. Jetzt ist es zu spät: Die Soldaten kommen in den Garten, um Jesus zu holen.

Der Papst wäscht die Füße der Ausgestoßenen

Im Johannesevangelium steht nichts vom letzten Abendmahl. Stattdessen erzählt der Evangelist Johannes, wie Jesus beim Essen reihum seinen Jüngern die Füße wäscht. Als er fertig ist, sagt er: „Ein Beispiel habe ich euch gegeben, damit ihr tut, wie ich euch getan habe.“ (Johannes 13, 15). Darum wäscht der Papst in Rom am Gründonnerstag anderen die Füße – in diesem Jahr Kranken und Behinderten in einem Rehabilitationszentrum in Rom. Im vergangenen Jahr hatte Franziskus seine erste Abendmahlsmesse als Papst am Gründonnerstag in einem römischen Jugendgefängnis gefeiert.

Woher kommt das „Grün“ vom Gründonnerstag?

Woher das „Grün“ am Gründonnerstag kommt, lässt sich nicht eindeutig sagen. Die einen vermuten, dass es sich vom mittelhochdeutschen gronan (weinen) ableitet. Das soll darauf zurückgehen, dass am Gründonnerstag früher die öffentlichen Büßer, eben die Weinenden wieder in die volle kirchliche Gemeinschaft aufgenommen wurden.

Es ist jedoch nicht auszuschließen, dass der Name tatsächlich von der Farbe Grün kommt: Wegen der Sitte ab dem Mittelalter, am Gründonnerstag grüne Heilkräuter und grünes Gemüse zu essen. Die Kräuter erinnern an das jüdische Passahfest: Zum Passahlamm gibt es nach biblischem Gebot Bitterkräuter als Zeichen für die bitteren Jahre, in denen die Israeliten Sklaven des Pharao in Ägypten waren. (2. Mose 12, 8). Die Grüne Soße am Gründonnerstag hat also einen biblischen Grund.

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